Hannes Wolf würde gerne, Alessandro Schöpf ebenso und wohl auch Kevin Stöger hätte nichts dagegen. Im Rennen um Plätze in Österreichs Aufgebot für die EM im Juni hatte das Trio bei seinen Klubs im Herbst keine Chancen, zu glänzen. Während Schöpf zuletzt aufgrund von Blessuren nur ein Spiel über die volle Zeit absolvierte, fielen Leipzigs Wolf sowie Stöger (Fortuna Düsseldorf) nach schweren Verletzungen praktisch komplett aus.

Aber es gibt noch eine Chance: Mit dem Rückrundenstart am Wochenende ist die Bühne der deutschen Bundesliga nun wieder eröffnet. Dem 20-jährigen Wolf, den ein Knöchelbruch vom Rasen geholt hatte, wurde beim Tabellenführer medial immerhin Potenzial für den Sprung in die Stammelf bescheinigt. Auch der nach einem Kreuzbandriss wieder genesene Stöger gilt als Hoffnungsträger der Fortuna. Beide haben bisher aber noch keinen Einsatz im Nationalteam zu Buche stehen.

Etablierte Internationale hoffen wiederum, ihre EM-Form mit einem Tapetenwechsel zu schärfen. So verdichteten sich die Gerüchte, dass Aleksandar Dragovic Leverkusen noch verlassen könnte. Der 80-fache Teamspieler musste sich beim Tabellensechsten oft hinten anstellen, Stammplatz konnte er sich keinen erarbeiten. Von Interesse aus Italien war zu lesen, auch eine Rückkehr nach England soll für den Ex-Leicester-Legionär interessant sein. Mit noch weniger Aufmerksamkeit als Dragovic bedacht wurde Stefan Ilsanker (42 Länderspiele) bei Leipzig. Für den Champions-League-Kader wurde der Mittelfeldkicker im Spätsommer gar nicht genannt, auch entsprachen nur sechs Pflichtspiele im Herbst nicht den Erwartungen des 30-Jährigen. Im Gespräch war sogar ein Wechsel nach China.

Ihre neuen Aufgaben bereits in Angriff genommen haben indes Louis Schaub und Michael Gregoritsch. Schaub, dem beim FC Köln zu wenige Qualitäten für den Abstiegskampf attestiert worden waren, soll nun den Hamburger SV zurück in die erste Liga führen. Die Norddeutschen sicherten sich dem Vernehmen nach auch eine Kaufoption für den Offensivmann, die bei drei Millionen Euro liegen soll. Schaub war bereits fixer Bestandteil in den Plänen von ÖFB-Teamchef Franco Foda. Auch Gregoritsch will seine Position im Kader durch zusätzliche Spielminuten bei Schalke 04, wohin er nach Unstimmigkeiten beim FC Augsburg abgewandert war, sammeln.

Seefeld statt Bukarest

Von ÖFB-Teamchef Franco Foda wurde das Duo jedenfalls in der Vorwoche beim Training in Südspanien besucht. Gregoritsch habe "eine gute Nase im Strafraum", berichtete Österreichs Trainer. Einen starken Gregoritsch wünscht sich der Deutsche sicher auch bei der EM, zumal die Personaloptionen im Angriff dünn sind.

Sollte der Steirer ins EM-Team berufen werden, wird er während des Turniers (12. Juni bis 12. Juli) in Tirol stationiert sein. Wie der ÖFB mitteilte, bezieht das Team am 9. Juni das Basiscamp in Seefeld und fliegt von Innsbruck aus zu den drei EM-Spielen am 14. Juni in Bukarest (18 Uhr) gegen einen Play-off-Sieger, am 18. Juni in Amsterdam (21 Uhr) gegen Holland und am 22. Juni in Bukarest (18 Uhr) gegen die Ukraine.

Damit beginnt die unmittelbare EM-Vorbereitung also in gewohnter Umgebung. Zunächst versammelt Foda den Kader am 24. Mai in Bad Tatzmannsdorf im Burgenland, wo die ÖFB-Auswahlen seit Jahren Stammgäste sind. Vor dem EM-Test am 2. Juni im Ernst-Happel-Stadion gegen England (20.45 Uhr) werden David Alaba und Co. nach Wien übersiedeln und auch von dort aus zum Spiel in Prag gegen Tschechien (18 Uhr) reisen.

Fünf Tage vor dem ersten EM-Spiel geht es für die Mannschaft nach Seefeld ins Hotel Nidum, in dem eine Woche davor auch das deutsche Nationalteam stationiert ist. In Tirol stehen dem Team zwei Naturrasenplätze in Seefeld und das Stadion in Innsbruck zur Verfügung. "Wir haben eine sehr gute Mischung gefunden, um vor und während der Uefa-Euro 2020 optimal zu trainieren und uns zu fokussieren. Für mich waren kurze Wege zu den Trainingsplätzen sowie zum Flughafen wichtige Kriterien", sagte Foda. Bukarest war aufgrund der Qualität der Standorte sowie der fehlenden Fannähe keine Option.(apa/rel)