Flugalarm, der herrschte in den vergangenen Tagen und Wochen auch im internationalen Fußball. Spieler kamen und gingen, passierten die Drehkreuze, durch die sie auch von Österreich aus in die große, weite Fußballwelt entfleuchten. Derjenige mit dem prominentesten Namen, der nicht von hier aus fortzog, sondern hereingeflattert kam, wird indessen in der Mitte Februar beginnenden Saison nicht auf dem Platz stehen, sondern abseits davon. Flugmeilen hat er dennoch viele gesammelt: Felix Magath wurde zunächst im Trainingslager des deutschen Drittligisten Würzburg Kickers gesichtet, was gewisse Spekulationen nährte, am Montag dann am Vormittag in Würzburg und am Nachmittag in Wien. Zwischen letzteren beiden Standorten wird er fortan auch pendeln, es gehört zur Job Description seiner neuen Funktion als Head of Global Football der deutschen Onlinedruckereifirma Flyeralarm, Sponsor beider Vereine, was wiederum nach ziemlichen Parallelen zu Ralf Rangnick und dessen Funktion im Red-Bull-Fußballimperium klingt.

Doch wenngleich die Rolle ähnlich angelegt ist, will Magath sich bewusst davon abgrenzen. Der Sport habe darunter gelitten, dass mancherorts mehr auf die wirtschaftliche Situation denn auf ihn selbst Wert gelegt werde, sagte der 66-Jährige dieser Tage oft. "Ich glaube immer noch daran, dass Fußball der schönste Sport ist. Im Moment geht es immer ums größte Geschäft. Ich will etwas dazu beitragen, dass er wieder der größte Sport wird." Freilich, Magath muss das sagen. Der österreichische Nachzüglerverein Admira, Zehnter nach 18 Runden der tipico-Bundesliga, und der deutsche Drittligist haben ein Budget, das sich nicht mit jenen der Red-Bull-Filialen vergleichen lässt. Doch, anders gedacht: Auch bei denen war die Dose nicht immer voll. In Deutschland, wo RasenBall Leipzig als Tabellenführer in die Frühjahrssaison ging, fing man sogar von noch weiter unten an, mit der Lizenzübernahme eines Fünftligisten.

Magath will die Brücke
zur Zukunft schlagen

Magath will nach eigenen Angaben das Vorhandene optimieren, sieht seine Aufgabe in der Koordination im Nachwuchsbereich, im Nützen von Synergien, als Ratgeber und will an den "Basics" arbeiten, wie er sagt. Und dabei gehe es eben nicht nur um Geld, "es geht um Sport, um Leidenschaft". Als Trainer war er dafür verschrien, mitunter tatsächlich so etwas wie Leiden zu schaffen, seine Trainingsmethoden, bei denen Medizinbälle und Co. eine große Rolle spielten, waren berühmt-berüchtigt. Doch der Erfolg gab ihm oft recht. "Ich habe keine Ahnung, ob Felix Magath die ,Titanic‘ gerettet hätte. Aber die Überlebenden wären sicher topfit gewesen", lautet ein Bonmot seines ehemaligen Stürmers Jan Aage Fjörtoft. Magath, auch "Quälix" genannt, findet es ungerecht, dass er auch im Rückblick oftmals auf die Rolle des Schleifers reduziert wird. "Man hat vielleicht nicht so am Schirm, dass ich einen gewissen Erfolg hatte. Und egal bei welchem Verein, ich habe diese Erfolge mit geringeren finanziellen Mitteln erreicht als meine Vorgänger und Nachfolger", sagt er. Auf die Trainerbank, die er 2017 nach einem Engagement in China verlassen hat, zurück will er dennoch nicht. "Sag niemals nie", meint er zwar, sagt aber auch, er überlasse dieses Feld gerne anderen, stehe jedoch mit seiner Expertise zur Seite, wenn Rat gefragt ist. "Aber ich weiß, wie alt ich bin."

Alter und Tradition, das wird freilich auch bei der Admira großgeschrieben. Magath will mithelfen, die Brücke zur Gegenwart und Zukunft zu schlagen. "Wir wollen einmal um die ersten Plätze kämpfen. Das ist unser Ziel, davon bin ich überzeugt., und das werden wir mit den Verantwortlichen angehen." Zu denen gehören freilich - weniger Geld als andere hin, Tradition her - die Vertreter von Flyeralarm. Das deutsche Unternehmen, das 2002 gegründet wurde, mittlerweile Jahresumsätze von 350 Millionen schreibt, die Namensrechte an der deutschen Frauenbundesliga hält und weitere Aktivitäten im internationalen Fußball unterstützt, hat seinen Einfluss bei der Admira 2017 maßgeblich ausgeweitet - nicht zur Freude aller wie zum Beispiel bei der Beurlaubung von Trainer Oliver Lederer. Nun sieht sich die Admira durch die Verpflichtung Magaths quasi auch als Impulsgeber für den gesamten österreichischen Fußball. "Die Liga ist im Aufwind, und wir wollen eine Rolle spielen", sagt Admira-Präsident Philip Thonhauser. In einem kleinen Stadion in Maria Enzersdorf will der Höhenflug aber erst begonnen werden. Das Ziel ist ehrgeizig genug.