"Eine ziemlich emotionale Geschichte" werde es, und das ist vermutlich noch eine Untertreibung. Am Sonntag (17 Uhr) bestreitet Rapid gegen WSG Tirol das erste Bundesliga-Heimspiel nach der Winterpause, es wird vor allem auch ein Heimspiel für Andy Marek. Am Abend wird er das Stadionmikrophon und seine weiteren vielfältigen Agenden bei Rapid abgeben. Exakt 599 Spiele wird er dann, verteilt auf mehr als 27 Jahre, als Stimme Rapids absolviert haben. Im November hatte er aus gesundheitlichen Gründen seinen Rückzug verkündet. Tränen sind geflossen, die Aufgaben mittlerweile auf andere verteilt. "Ich übergebe alles so, wie es sich gehört", sagt der 57-Jährige. Wie Rapid am Freitag bekanntgab, wird sein Sohn Lukas Marek das Stadionmikrophon übernehmen, die Aufgaben im Bereich Fans, Veranstaltungen und Merchandising werden aber von dieser Funktion getrennt und von Klaus-Peter Aumayr, zuletzt Leiter der Bereiche Recht, Personal und Sicherheit, übernommen. "Wir werden den Andy nicht eins zu eins ersetzen können", sagte Rapids Wirtschafts-Geschäftsführer Christoph Peschek über die Aufteilung der Agenden. Marek junior wird laut Rapid-Angaben neben seiner Rolle als Stadionsprecher auch als Moderator von diversen Veranstaltungen und als Angestellter in der Geschäftsstelle als erste Schnittstelle zwischen Kundenservice, Kommunikation und Marketing fungieren. Das Klubmuseum widmete Marek senior eine eigene Sonderausstellung. Für sein Abschiedsspiel waren bis Freitagmittag 19.200 Karten verkauft. Rapid gedenkt dabei auch Klublegende Alfred "Fredi" Körner, der Ende Jänner mit 93 Jahren gestorben ist, sowie einem Gründungsmitglied seiner Ultras und wird daher nach einer Gedenkminute auch mit Trauerflor spielen.

"Es wird ein emotionales Spiel", sagt also auch Sport-Geschäftsführer Zoran Barisic. "Trotzdem ist es ganz wichtig, dass sich die Mannschaft hundertprozentig auf das Spiel konzentriert." Immerhin gilt es für den Tabellendritten, den einen Punkt dahinterliegenden WAC auf Distanz zu halten und den Rückstand auf das Spitzenduo Salzburg und Lask, die am Freitagabend die Runde eröffneten (nach Redaktionsschluss), in Grenzen zu halten. "Ja, wir haben Druck", sagt Barisic über die im Herbst aufgetretene Heimschwäche. "Aber ich gehe davon aus, dass es die Spieler schaffen, diesen sogenannten Rucksack abzulegen. Ich glaube, wir sind gut gerüstet."

Eine besondere Motivation ist freilich auch, dass Rapid mit einem Heimsieg schon drei Runden vor Ende des Grunddurchganges das Ticket für die Meisterrunde fix lösen könnte, die man im Vorjahr verpasst hatte. Sollte der Stadtrivale Austria am Samstag (17 Uhr) nicht in Altach gewinnen, wäre die Teilnahme am oberen Play-off sogar bereits vor Anpfiff fixiert. "Wir wollen mit einem Sieg ins Frühjahr reinstarten, damit wir die Fans ins Boot mitreinholen", sagt Trainer Dietmar Kühbauer. Und ein schönes Abschiedsgeschenk für Marek wäre es außerdem.