Noch hat er nichts erreicht. Im Gegensatz zu Kylian Mbappé, der schon im zarten Fußballalter von 19 Jahren den WM-Pokal stemmen durfte und in Frankreichs Ligue 1 etliche Titel gewonnen hat, liest sich die bisherige Ausbeute Erling Braut Haalands als nachgerade bescheiden. Auf dem Papier steht lediglich das Double im Vorjahr in Österreich, da war der 19-jährige Norweger aber noch Edelreservist und nicht der Champions-League-Bomber, der von halb Europa gejagt wird. Nun betritt Haaland nach dem bitteren Aus der Salzburger gegen Titelverteidiger Liverpool aber wieder die große Bühne der Königsklasse - allerdings im schwarzgelben Dress des BVB. Denn das Uefa-Regulativ erlaubt den Einsatz für zwei verschiedene Klubs in einem laufenden Bewerb. Und so ist es möglich, dass Dortmund-Neuzugang Haaland dem PSG-Starensemble um Mbappé, Neymar und Co. gegenübertreten kann, wenn am Dienstagabend (21Uhr/Dazn) das Achtelfinale der Champions League angepfiffen wird.

Haaland, der im Ruhrpott die Kohlen aus dem Feuer holen soll und mit bereits acht Toren in fünf Spielen auch in der deutschen Bundesliga seinem Ruf als Tormaschine gerecht geworden ist, sieht Mbappé durchaus als sein sportliches Vorbild an. "Als ich in Salzburg regelmäßig getroffen habe, war ich auch sehr zufrieden. Aber dann siehst du so Typen wie Mbappé in der Ligue 1 und denkst: ‚Es geht immer noch ein Level höher im Fußball‘", so Haaland, der bei seinen beruflichen Zielen genauso wie im Strafraum nicht lange herumfackelt: "Ich will einer der besten Spieler der Welt werden", bekräftigte der junge Norweger, dessen Transfer im Winter für "nur" 20 Millionen Euro einer vorab festgelegten Ausstiegsklausel geschuldet war.

. . . oder Kylian Mbappé? - © apa/afp
. . . oder Kylian Mbappé? - © apa/afp

Haaland darf im Signal-Iduna-Park zudem darauf hoffen, sein Torkonto von acht Champions-League-Treffern weiter aufzustocken - denn die aktuelle BVB-Offensivpower ist die beste aller Zeiten. Laut "Kicker" sind die 63 erzielten Tore in 22 Liga-Matches schon jetzt Vereinsrekord. Allerdings hat der Angriffszirkus auch seine Nachteile, die in der Königsklasse schonungslos aufgezeigt werden könnten - erst recht, wenn die Gegner Neymar, Mbappé, Mauro Icardi und Edinson Cavani heißen und also keine Torverächter sind. Denn mit der schwarzgelben Defensive ist es im selben Maße schlecht bestellt - im deutschen Sport-Feuilleton ist von schlechten Zweikampfquoten, zu hoher Verteidigung und unkoordiniertem Pressing die Rede.

Alles in allem könnten diese Ingredienzen aber genau jenes Festmahl ergeben, das (neutrale) Fußballfeinschmecker so sehr lieben - also ein veritables Torspektakel. Denn auch der französische Hauptstadtklub hat die Vorrunde mit einem Score von 17:2 Toren abgeschlossen und ist entsprechend entschlossen, endlich auch den Scheichs die ersehnte internationale Trophäe präsentieren zu können. Dass es bei PSG hinter den Kulissen nicht ganz so rund wie im Revier läuft, hat vor kurzem ein kleiner Eklat zwischen Trainer Thomas Tuchel und Mbappé bewiesen: Nachdem der 21-Jährige in einem Liga-Match vom Platz geholt worden war, reagierte er stinksauer und geriet mit Tuchel aneinander.

Wiedersehen macht Freude?

Für den früheren Dortmund-Coach ist die Partie freilich auch eine ganz besondere, ist es doch das erste Wiedersehen mit dem BVB seit der Trennung im Sommer 2017. Doch freudig wird dieses nur, wenn dann im Rückspiel am 11. März auch der Aufstieg steht - sonst werden wohl die Investoren aus Katar die Geduld mit Tuchel verlieren. Bisher endete das Unternehmen Champions League für die Kataris bekanntlich spätestens im Viertelfinale (vier Mal en suite von 2013 bis 2016), in den vergangenen drei Jahren sogar schon im Achtelfinale. Und anders als bei Dortmund, das den ersten Meistertitel seit 2012 herbeisehnt, sind nationale Titel (bei aktuell zehn Punkten Vorsprung auf Marseille) ohnedies nur lästige Pflicht.(may)