Auf Adi Hütter wartet ein Date mit der eigenen Vergangenheit. Einst half der Vorarlberger, den SV Salzburg gegen Eintracht Frankfurt ins Halbfinale des Uefa-Cups zu schießen. Fünf Jahre nach seinem Abschied als Trainer trifft er nun am Donnerstag (18.55 Uhr/Puls 4) in der Runde der letzten 32 der Europa League als Coach der Frankfurter auf seinen Ex-Klub Red Bull Salzburg.

Somit steht "Euro-Adi", dessen Stern im März 1994 im Viertelfinal-Duell mit den klar favorisierten Hessen aufgegangen war - mit dem 1:0-Siegtor in Wien und einem verwandelten Penalty im Elferschießen im Waldstadion - wie kein anderer Akteur im Blickpunkt.

Wobei der 50-Jährige glaubt, dass sich viele Eintracht-Anhänger an die damalige Schmach - es war das erste deutsche Europacup-Aus gegen einen österreichischen Klub - gar nicht mehr erinnern können. "Die Frankfurt-Fans können mit dem Datum sicher nicht mehr so viel anfangen. Das war vor 26 Jahren. Aber die Konstellation, dass ich jetzt Frankfurt-Trainer bin, ist natürlich außergewöhnlich", gesteht Hütter. "Die Geschichte wird neu aufgearbeitet."

50:50-Aufstiegschance

Die Geschichte zwischen Salzburg und Hütter war aber nach dem Europacup-Märchen anno 1994 noch lange nicht zu Ende - schließlich kehrte der Vorarlberger nach Trainerlehrjahren bei den Red Bull Juniors und dem Sensationslauf mit Grödig als Cheftrainer in der Saison 2014/15 zurück. Und holte das Double. Die Trennung nach nur einer Saison verlief aber nicht ganz freiwillig, weil Hütter den Ausverkauf seiner Mannschaft nicht goutierte. Heute sagt er: "Es hat da unterschiedliche Ansichten gegeben. Es war aber alles sehr positiv. Ich bin sehr dankbar, dass ich dieses Jahr dort verbringen konnte. Und ich darf mich jetzt nicht beklagen." Für das Duell mit dem Ex-Klub erwartet er eine enge Partie mit pari Aufstiegschancen: "Mit Salzburg wartet ein ganz schöner Brocken. Sie haben in der Champions League eine sehr, sehr gute Figur gemacht." Allerdings weiß auch Hütter, dass die namhaften Abgänge - Erling Haaland und Takumi Minamino - das Kräfteverhältnis zu Gunsten der Eintracht verschoben habe: "Im November oder Dezember hätte ich Salzburg favorisiert. Jetzt sind wir ganz gut in die Rückrunde gestartet - deswegen 50:50."

Salzburg-Trainer Jesse Marsch hadert indes auch mit dem späten Frühjahrsstart und erst zwei Pflichtspielen in den Beinen: "Aber das soll keine Ausrede sein. Wir müssen bereit sein für ein richtig gutes Spiel in Frankfurt gegen eine sehr gute Mannschaft." Positiv aus Salzburger Sicht ist wohl, dass mit Martin Hinteregger der ÖFB-Abwehrrecke mit reichlich Europacup-Erfahrung gesperrt fehlt; seiner statt soll Landsmann Stefan Ilsanker, ebenfalls Ex-Salzburger und Leipzig-Leihgabe, in die Innenverteidigung rücken.

Klares Ziel der Salzburger ist, in der mit 47.000 Zuschauern ausverkauften Commerzbank-Arena zumindest ein Auswärtstor zu erzielen. Masaya Okugawa, Patson Daka und Hwang Hee-chan können sich dabei ins Rampenlicht ballern. "Wir wissen, wir sind sehr gefährlich, schießen fast in jedem Spiel mindestens ein Tor", meinte Abwehrspieler Maximilian Wöber, der hinten die Null halten möchte. Etwas, das vor 26 Jahren nicht gelungen ist.(may/apa)