Die Zeit läuft für Manchester City. Oder besser: gegen die Mannschaft des spanischen Startrainers Pep Guardiola. Nachdem die europäische Fußball-Konföderation Uefa vor eineinhalb Wochen einen zweijährigen Europacup-Ausschluss ab 2020/21 wegen Verstößen gegen das Financial-Fairplay-Programm über die Citizens verhängt hatte, haben diese in den "Jetzt-erst-recht-Modus" umgeschaltet - und unter anderem dem Rekordsieger Real Madrid den Kampf angesagt. Dieser stellt sich ihnen am Mittwoch (21 Uhr) im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League im Bernabeu-Stadion in den Weg und soll, geht es nach Guardiola, aus diesem geräumt werden. Nach den Dienstagsspielen, in denen Bayern München mit einem 3:0 bei Chelsea das Tor zum Viertelfinale weit aufgestoßen hatte und Barcelona sich mit einem 1:1 gegen Napoli zufrieden geben musste, versprüht City-Trainer Guardiola trotz des namhaften Gegners Zuversicht:  "Wenn du große Titel gewinnen willst", sagt City-Trainer Guardiola, "musst du solche Teams besiegen, früher oder später. Du musst gegen die Großen gewinnen."

Gelungen ist das seiner Mannschaft freilich noch nie; 2012 und 2016 gab es in der Gruppenphase beziehungsweise im Semifinale jeweils einen Heimsieg der Spanier sowie ein Remis in England. Die Vorschlussrunde vor vier Jahren war dann auch das Höchste der Gefühle, das Manchester City bisher in der Champions League vorzuweisen hat. Dabei haben die Teameigentümer aus Abu Dhabi - mit Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan an der Spitze - nichts weniger als den Titel in Europas höchstem Klubbewerb als erklärtes Ziel ausgegeben, als sie den Verein im September 2008 übernommen hatten.

Seither kamen (und gingen) nicht nur namhafte Spieler und Trainer aus aller Welt, auch viel Geld wechselte den Besitzer. Geführt hat das bisher zwar nicht zum Titel in der Champions League, dafür aber zu einem Ausschluss aus allen Europacupbewerben für zwei Saisonen und einer Strafe von 30 Millionen Euro, nachdem man bereits vor sechs Jahren zu einer Geldbuße verurteilt worden war.

Das entsprechende Gremium der Uefa sah es nämlich als erwiesen an, dass Manchester City zwischen 2012 und 2018 bei der Angabe von Sponsorenverträgen getrickst und so Geldflüsse, die eigentlich von Scheich Mansour selbst gekommen seien, verschleiert hätte. Laut den Finanzregularien der Uefa darf ein Verein - vereinfacht gesagt - nicht mehr ausgeben als einnehmen beziehungsweise ein Geldgeber nur einen gewissen Teil der Differenz abdecken.

Gegen die "Könige Europas"

Die Uefa sprach in ihrer Urteilsverkündung von "schwerwiegenden Verstößen" gegen diese Regel, die auch Paris Saint-Germain und den AC Milan in geringerem Ausmaß zum Verhängnis geworden war. Ausgestanden ist die Sache freilich noch nicht. Die Engländer sehen eine Vorverurteilung durch die Uefa-Maschinerie - "sie hat den Fall initiiert, juristisch verfolgt und bewertet", hieß es in einer Stellungnahme -, fordern eine unabhängige Untersuchung und haben den Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof in Lausanne angekündigt.

Vorher will man freilich sportlich ein Zeichen setzen. Und wenngleich die Spanier trotz der verpatzten Generalprobe mit dem 0:1 gegen Levante Favorit sind, weiß deren treffsicherster Champions-League-Spieler Karim Benzema um die Gefährlichkeit des Gegners: "Manchester City hat eine großartige Mannschaft und einen exzellenten Trainer. Es wird ein ausgeglichenes, umkämpftes Match, das wir gewinnen wollen."

Guardiola sieht die Ausgangslage ähnlich: "Es wird ein echter Test. Es spielen die Könige Europas gegen ein Team, das es nicht gewohnt ist, solche Spiele sehr oft zu spielen", sagt er und meint mit Letzterem sein Team. Angesichts des anstehenden Europacup-Banns sollte es sich vielleicht gar nicht zu sehr daran gewöhnen.