Es ist ein kleiner Strohhalm, an den sich Red Bull Salzburg in diesen Tagen klammert, aber immerhin. Zumindest schürt die Tatsache, dass dem aktuellen Europa-League-Gegner Eintracht Frankfurt am Montagabend mit einem 1:2 daheim gegen Union Berlin die Generalprobe für das Sechzehntelfinal-Rückspiel am Donnerstag in Salzburg (21 Uhr/Dazn) missglückt ist, etwas Hoffnung. Statistischer Ausdruck dieser Hoffnung ist wiederum das Auswärtstor in Frankfurt durch einen Elfmeter von Hwang Hee-chan. So gesehen genügt den Salzburgern im Rückspiel zu Hause "nur" ein 3:0 - und der Sprung ins Achtelfinale wäre geschafft.

Salzburgs Trainer Jesse Marsch glaubt jedenfalls fest daran. "Wir verstehen, dass es mit der Mannschaft immer möglich ist, zu Hause drei Tore zu machen", betonte er am Mittwoch. "Ich denke, auch vier oder fünf." Entscheidend sei allerdings auch die defensive Stabilität. "Wenn wir zu Null spielen können, ist die Aufgabe leichter." In den vergangenen drei, jeweils sieglosen Pflichtspielen haben die Salzburger jedenfalls neun Gegentreffer kassiert. Und dennoch werde man "nichts unversucht lassen, um nochmals ins Spiel zurückzukommen", betonte Marsch. "Das Ziel ist es, von Beginn an Druck zu machen. Und vielleicht gelingt uns ja ein schnelles Tor."

Als Torschütze käme zum Beispiel Patson Daka in Frage. Der 21-Jährige aus Sambia erzielte am Sonntag bei der Wiener Austria (2:2) seine Liga-Saisontore Nummer 15 und 16. "Wir wollen gegen Frankfurt von Beginn an zielstrebig und intensiv nach vorne spielen, um ein rasches Tor zu schießen", erklärte der Afrikaner. Damit scheinen Hwang und Daka im Salzburger Angriff gesetzt. Dahinter sind einige Positionen offen. So steht etwa Mittelfeldmann Antoine Bernede nach einem Schienbeinbruch wieder zur Verfügung, allerdings dürfte ein Einsatz in der Startformation für den Franzosen zu früh kommen. In der Innenverteidigung könnte Andre Ramalho an Stelle von Jerome Onguene beginnen. Offen ist auch der Rechtsverteidiger. Patrick Farkas oder Albert Vallci werden den länger verletzten Rasmus Kristensen ersetzen. Marsch: "Beide können in diesem Moment eine gute Leistung liefern."

Hintereggers großer Auftritt

Fix mit dabei, freilich nicht in der Aufstellung der Salzburger, ist auch Martin Hinteregger. Für den Frankfurt-Kicker, der das Hinspiel wegen einer Gelbsperre verpasst hatte, wird es in jedem Fall ein emotionales Match. Schließlich ist der 27-Jährige in der Salzburg-Jugend groß geworden, verließ den Klub aber nach zehn Jahren 2016 in Richtung Deutschland. Nach Stationen bei Borussia Mönchengladbach und beim FC Augsburg holte ihn sein früherer Salzburg-Coach Adi Hütter im Vorjahr nach Frankfurt. Dort genießt der Kärntner, mit neun Millionen Euro im Sommer der teuerste Einkauf der Klubgeschichte, längst so etwas wie Kultstatus. Tatsächlich machte Hinteregger bei den Nachbarn bisher nicht nur mit für Profis ungewöhnlichen Attitüden, sondern auch mit großen Leistungen auf sich aufmerksam. "Ich schätze alles an ihm", betont Hütter. "Er ist ein anderer Typ als viele andere, nicht nur in der Bundesliga. Das Wichtigste für ihn ist das Spiel."

Weswegen am Donnerstag alle Augen auf Hinteregger gerichtet sein werden. In der Red-Bull-Arena ist jedenfalls alles angerichtet, das Stadion mit 29.000 Zuschauern seit Wochen ausverkauft. Der Auswärtssektor fasst 1500 Personen, allerdings dürften mehr als doppelt so viele Eintracht-Anhänger mit nach Salzburg reisen. Ein heißes Match ist programmiert. Und die Hoffnung stirbt bekanntlich immer zuletzt.(rel/apa)