Manchester United - einen klingenderen Namen hätte es im Feld der Achtelfinalisten der Europa League nicht gegeben. Und so darf sich der Lask nach dem verdienten Aufstieg - nach 2:0-Heimsieg über AZ Alkmaar - über das Traumlos schlechthin freuen: attraktiv, einzigartig, Fußballkult pur. Und trotzdem sind die Linzer Athletiker im Duell mit dem dreifachen Champions-League-Sieger alles andere als chancenlos, wenn sie ihre bisherigen Europacup-Leistungen abrufen können. Immerhin hat schon Alkmaar dem Tabellenfünften der Premier League in der Gruppenphase ein 0:0 abgetrotzt - und gegen Punktelieferant FK Astana leistete sich die Truppe von Ole Gunnar Solskjær sogar eine gewaltige Schmach in Form einer 1:2-Niederlage. Nicht ausgeschlossen, dass die Red Devils noch einmal eine No-Name-Truppe unterschätzen.

Ein kleiner Nachteil liegt für die Elf von Valerien Ismael wohl darin, dass das Heimspiel am 12. März zunächst auf der Linzer Gugl stattfindet, zumal der Bundesliga-Primus die jüngsten Europacup-Sternstunden vor heimischem Publikum zelebrierte; auf der anderen Seite wäre das schwarz-weiße Europacup-Märchen erst dann perfekt, gelänge just in Old Trafford - dem Theatre of Dreams - der Viertelfinalaufstieg. Die in der Liga in der Fremde punktemaximalen Linzer sind am 19. März zu Gast beim englischen Rekordmeister. Unbestritten das bisherige Lask-Highlight in gut 100 Jahren Klubfußball.

Allerdings ist bei Manchester United momentan von den früheren Glanzzeiten - insbesondere jener unter Erfolgsmanager Alex Ferguson - wenig zu sehen. Den bis dato letzten Meistertitel gab es zu Fergusons Abschied anno 2013, den letzten internationalen Erfolg 2017 mit dem Gewinn der Europa League. Mehrmals wurde in den vergangenen Jahren die Champions League verpasst - so auch am Ende der vergangenen Saison, in der Solskjær die roten Teufel nach verpatztem Start noch auf Premier-League-Rang sechs und - überraschend - ins Viertelfinale der Königsklasse führte.

Der längst nicht mehr sakrosankte Norweger hat freilich auch nicht mehr jene Starspieler zur Verfügung wie zu früheren Zeiten - im Sommer verließ etwa der belgische Goalgetter Romelu Lukaku Old Trafford Richtung Inter Mailand. Zudem ist Frankreichs Weltmeister Paul Pogba dauerverletzt (aktuell wegen Knöchelproblemen), auch Englands Jungnationalstürmer Marcus Rashford wird wegen einer Rückenverletzung die Duelle gegen den Lask versäumen.

Geld am Transfermarkt verjuxt

Kritiker bemängeln, dass auf dem Transfermarkt viel zu viel Geld verschleudert worden sei: "Wenn man solche Investitionen und solche Gehälter zu verantworten hat und dann so eine Mannschaft auf die Beine stellt, dann muss etwas richtig falsch laufen", meinte etwa United-Legende Gary Neville. Zu allem Überdruss gelang es im Winter nicht, Wunschspieler Erling Haaland - einst bei Molde FK unter Solskjærs Fittichen - von Salzburg nach Manchester zu lotsen. Der Norweger entschied sich bekanntlich für Dortmund, wo er seither Tor um Tor erzielt.

Tor um Tor gelang dem 20-fachen englischen Meister auch am Donnerstag im Sechzehntelfinale: Brügge - im Sommer Lask-Bezwinger im Champions-League-Play-off - wurde nach dem 1:1 im Hinspiel mit 5:0 aus Old Trafford geschossen. Allerdings mussten die Belgier gut 70 Minuten mit einem Mann weniger spielen.

Und wie reagierten die Laskler auf das Achtelfinal-Los? "Manchester United ist eine der besten Mannschaften der Welt. Uns steht ein unglaubliches Highlight bevor", meinte Coach Ismael nach der Auslosung in Nyon. (Team-)Torhüter Alexander Schlager meinte voller Vorfreude: "Manchester United ist ein absoluter Topverein. Mit diesem Los geht ein Kindheitstraum in Erfüllung."

Auf der Gugl vorlegen

Im Kampf David gegen Goliath sei aber alles möglich, betonten beide: "Für uns gilt es, wie immer unsere beste Leistung abzurufen", sagte Schlager, der wie Ismael auf ein ansprechendes Resultat in Linz hofft. "Unser Ziel für das Hinspiel ist es zunächst, uns eine gute Ausgangsposition für das Retourmatch zu verschaffen", erklärte der Lask-Trainer.

Die Europacup-Bilanz spricht freilich klar gegen die Linzer: Manchester United ist in acht Spielen gegen österreichische Vereine ungeschlagen, hat in jeweils vier Spielen gegen Rapid und Sturm siebenmal gewonnen und einmal remisiert.

Zunächst wartet auf den drei Punkte vor Salzburg liegenden Tabellenführer aber ohnedies der Liga-Alltag - in der vorletzten Runde des Grunddurchganges empfangen die Linzer am Sonntag (17 Uhr) Hartberg. Das Spiel in Altach von Meister Salzburg, am Freitagabend noch im Europacup-Einsatz gegen Frankfurt, wurde indes auf Montagabend verschoben.