Man muss weit, sehr weit in den Bundesliga-Annalen zurückblättern, um eine ähnliche Situation vorzufinden. Dass nämlich Ligakrösus Red Bull Salzburg sportlich strauchelt und den Meisterteller (womöglich) abgeben muss. Vor gut sieben Jahren - in der Saison 2012/13 - gab es am Ende mit Peter Stögers Wiener Austria bis dato letztmals einen Fußballmeister, der nicht aus Salzburg stammt. Am Ende fehlten der Elf von Roger Schmidt fünf Zähler auf den neuen violetten Punkterekord - hauptsächlich durch unnötige Punkteverluste im Frühjahr verursacht, die Schmidt damals auf "mentale Unzulänglichkeiten" zurückführte: "Die Spieler müssen ganz einfach lernen, dass sie bei Red Bull immer unter Druck stehen." Immerhin hatten Sadio Mané und Jonathan Soriano das Trauma der Europacup-Schmach gegen Düdelingen ablegen können und in jener Saison mit dem Vizemeistertitel den Grundstein für die erfolgreichste Salzburger Fußballära - mit sieben Meisterschaften und fünf Cup-Triumphen - legen können.

Doch diese Erfolgsepoche könnte heuer zu Ende gehen. Denn spätestens mit der 2:3-Pleite in Altach am Montagabend ist evident, dass es in der Elf von Jesse Marsch kriselt. Nach dem verdienten Out in der Europa League gegen Frankfurt und dem auf sechs Punkten angewachsenen Rückstand auf Bundesliga-Spitzenreiter LASK kommt damit dem Cup-Halbfinal-Schlager gegen die Linzer Athletiker am Donnerstag in Wals-Siezenheim enorme Bedeutung zu. Ein Befreiungsschlag ist ebenso denkbar wie der Absturz ins Jammertal.

Die Vorzeichen stehen für die erfolgsverwöhnte Red-Bull-Truppe jedenfalls alles andere als gut - das weiß auch ein Berufsoptimist wie der US-Amerikaner Marsch. "Unser Selbstvertrauen ist tief. Es ist auch nicht gut, dass wir nur eine kurze Regeneration bis Donnerstag haben", meinte der 46-Jährige, der nun ganz besonders als Motivator gefordert ist. Das weiß auch ÖFB-Teamgoalie Cican Stankovic, der seine Vorderleute antreiben will: "Wir müssen so schnell wie möglich wieder in die Spur finden - am besten gleich am Donnerstag." Dann ist auch Revanche angesagt, da die Linzer die Salzburger Misere mit einem 3:2-Auswärtssieg am 14. Februar eingeleitet hatten. "Der Effekt dieser Niederlage war größer, als ich gedacht habe", gab Marsch zu.

Gründe für den sportlichen Abwärtstrend im Frühjahr gäbe es genug - abseits der schmerzhaften Abgänge von Erling Haaland und Takumi Minamino. Allgemeine Verunsicherung, viele unerzwungene Ballverluste, daraus resultierend unnötige Gegentore. Und allgemein wenig Glanz im Offensivspiel, das bis vor kurzem noch das Trumpfass war und defensive Unzulänglichkeiten übertünchte. Zugleich sind viele Akteure von der Herbst-Form weit entfernt. "Es war keine gute Leistung, da gibt es nichts zu beschönigen. Es war von jedem nicht gut genug", meinte Marsch nach dem Auftritt in der Cashpoint-Arena. Marsch nahm seine verunglückte Rotation - gleich fünf Änderungen gegenüber dem 2:2 gegen Frankfurt - nicht von seiner Kritik aus. "Im Herbst hat die Rotation gut funktioniert, jetzt nicht so", gestand der Salzburg-Coach.

Für den Titel(zwei)kampf stehen nun jedenfalls die entscheidenden Tage an: Auf Salzburg wartet am Sonntag noch das Heimspiel gegen Sturm, ehe vor den restlichen zehn Runden die Punkte geteilt werden. Dieser Modus kommt diesmal den Salzburgern zu Gute, da sich der Rückstand schlagartig halbiert. Wenn am Ostersonntag (12. April) wieder der LASK in Siezenheim zu Gast ist, könnte theoretisch aus eigener Kraft die Rückkehr an die Spitze gelingen. Die Auslosung verspricht jedenfalls Spannung pur: So könnte der neue Meister auch erst am letzten Spieltag (17.Mai) gekürt werden, wenn die Linzer zum Rückspiel gegen den Noch-Serientitelträger bitten.

Cup-Duell im Ländle

Zuvor gilt es für beide Teams aber noch, als Favorit ins Cup-Finale am 1. Mai in Klagenfurt zu gehen - denn der Gegner dort ist jedenfalls ein Zweitligist. Austria Lustenau und Wacker Innsbruck matchen sich am Mittwoch (18Uhr/ORF1) um das große Endspiel-Los der Underdogs. Die Lustenauer schafften als Zweitligist vor nicht allzu langer Zeit schon den Sprung ins Finale, 2011 unterlag man dort der SV Ried. Wackers Vorgängerverein FC Tirol stand 2001 im Endspiel und verlor gegen FC Kärnten. Wacker-Coach Thomas Grumser erwartet nun einen typischen Cup-Fight - "ein extrem enges, umkämpftes Spiel. Ein besonderes Spiel." Sein Gegenüber Roman Mählich hofft auf mehr Unterstützung durch den zwölften Mann - zur Not werde er die Fans persönlich abholen, scherzte der Ex-Internationale.