Es war, als ob die "Faasend", die saarländische Fastnacht, nicht schon vor einer Woche zu Ende gegangen wäre, so lange und ausgelassen wurde ebendort gefeiert. Es war eher, als wolle sie überhaupt niemals aufhören. Aber dasselbe könnte man auch über das Spiel selbst sagen. Doch weil alles irgendwann einmal enden muss, tat es auch das DFB-Pokal-Viertelfinale, und zwar im Elfmeterschießen mit einem 7:6 des 1. FC Saarbrücken gegen Fortuna Düsseldorf.

Die Saarländer stehen damit als erster Viertligist der Geschichte in der Runde der besten Vier, die am Sonntag ausgelost wird. Mögliche Gegner sind der FC Bayern, Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt, die sich gegen Union Berlin beziehungsweise Werder Bremen durchgesetzt haben; alles klingende Namen, alles Bundesligisten. Doch egal, wer es wird, Saarbrückens Torschütze Tobias Jänicke sagte schon unmittelbar nach Schlusspfiff: "Wir haben Bock auf mehr."

"Dann kommt halt kein Fernsehen"

Tobias Jänicke hat kein Problem mit der mangelnden Fernsehtauglichkeit des Stadions

Schließlich hat auch sein Verein einmal der Elite des deutschen Fußballs angehört, war Gründungsmitglied der Bundesliga und Vizemeister. Die vergangenen zehn Jahre sind aber turbulent verlaufen, zu sportlichen Problemen mit dem zwischenzeitlichen Abstieg in die fünfte Liga hatten sich wirtschaftliche gesellt.

Im Moment plagen die Saarbrückener vor allem infrastrukturelle: Weil der Umbau des Ludwigspark-Stadions nur schleppend vorangeht, muss man die Heimspiele im Völklinger Stadion austragen; es gehört zu jenen Plätzen, die man wenig charmant als Dorfacker bezeichnet. Mittlerweile hat man es lieb gewonnen, schließlich war es in dieser Saison ein guter Boden für den 1. FC Saarbrücken, der als Tabellenführer in Richtung dritte Liga unterwegs und im Cupbewerb nun im Halbfinale ist. Für den Fall, dass das Stadion sich als nicht geeignet für eine Fernsehübertragung herausstellen sollte, machte Jänicke gleich klar: "Dann kommt halt kein Fernsehen."

Völklingen, sagt auch Torhüter und Elferkiller Daniel Batz, habe sich bisher als Vorteil erwiesen - "weil die gegnerischen Spieler reinkommen, nur eine Tribüne sehen und fragen: ,Wo ist bitte das richtige Stadion?‘" Der Erfolg seiner Mannschaft könnte nicht nur die Klubkassa entlasten, wie Geschäftsführer David Fischer zufrieden feststellte ("Das hätte keine Marketing-Kampagne der Welt schaffen können"), sondern auch die Rückübersiedelungspläne beschleunigen, bringt er doch auch die Kommunalpolitik unter Zugzwang.

"Das hätte keine Marketing-Kampagne der Welt geschafft"

Geschäftsführer David Fischer

An diesem Abend jedenfalls reichten die Gratulationen bis in die allerhöchsten Kreise, in denen eine in Zeiten wie diesen ungewohnte Einigkeit herrschte. Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer sah eine "Super Leistung", Wirtschaftsminister Peter Altmaier meinte lapidar und mit einem Twitter-Emoji versehen: "Saarländer halt", und Bundesaußenminister Heiko Maas von der SPD gab sich gleichermaßen euphorisch wie erwartungsvoll: "Der Wahnsinn! Ich erwarte euch in Berlin", schrieb er in Bezug auf eine mögliche Finalteilnahme.

Vorher steht freilich noch das Semifinale auf dem Programm. Bis dahin sollten sich die Saarbrückener wieder gefangen haben. Denn Zustände, wie sie Lukas Kwasniok, erst seit Jänner als Cheftrainer im Amt, beschrieb, könnten geeignet sein, die Konzentration zu trüben. "Es ist einfach geiler Scheiß. Ich habe weinende Erwachsene gesehen, die schon schwere Operationen über sich ergehen lassen mussten und schon viele Schlachten geschlagen haben." An diesem Abend aber durften alle Hemmungen fallen. Nicht nur das Spiel, auch die Faasend war in die Verlängerung gegangen.