Wer erinnert sich noch an das ÖFB-Cup-Finale 1965? Von der aktuellen LASK-Spielergeneration niemand - schließlich hatte noch kein Einziger das Licht der Welt erblickt. Auch Erfolgscoach Valerien Ismael wurde erst zehn Jahre später in Straßburg geboren. Daher sei hier kurz erwähnt, wie die Linzer Athletiker vor 55 Jahren zu ihrem ersten Titelgewinn kamen: Nach einem 1:0-Auswärtssieg beim Wiener Neustädter SC feierten Helmut Köglberger, Dolfi Blutsch und Co. das 1:1 im Rückspiel auf der Linzer Gugl verständlicherweise wie einen Sieg. Als wenige Tage später auch noch die Meisterschaft gelang - als erstem Bundesländer-Klub überhaupt -, war die schwarz-weiße Glückseligkeit perfekt. Doch dass nach diesem Double-Triumph 55 Jahre vergehen könnten, bis der LASK wieder einen Titel einfährt, hätte damals wohl niemand für möglich gehalten. Ist aber so.

Der Titel-Fluch der Linzer soll heuer tatsächlich zu Ende gehen. Mit dem Einzug ins Cup-Finale am 1. Mai in Klagenfurt wäre schon ein großer Schritt getan, weil dort mit Austria Lustenau ein Zweitligist und somit krasser Außenseiter wartet. Zuvor gilt es freilich, noch einmal in der Heimarena des Serienmeisters und sechsfachen Pokal-Champions Red Bull Salzburg zu obsiegen. Wahrlich keine leichte, nach dem jüngsten 3:2-Auswärtserfolg in der Liga aber auch keine unlösbare Aufgabe für den Europa-League-Achtelfinalisten. Der Sieger des Duells am Donnerstagabend (20.45 Uhr/ORF1) geht jedenfalls als haushoher Favorit ins Endspiel. Und zweifelsohne auch gestärkt in die noch anstehenden zwei Meisterschaftsduelle der beiden Spitzenklubs, die wohl oder übel heuer über die Bundesliga-Krone entscheiden werden - am Ostersonntag in Salzburg und am 17. Mai in Oberösterreich.

Eine weitere Pleite gegen den aktuellen Tabellenführer könnte für den jahrelangen Dominator Salzburg der entscheidende Nackenschlag sein. Denn schon die nunmehrige Negativserie - fünf Pflichtspiele ohne Sieg - ist für Salzburger Verhältnisse untypisch. "Wann können wir endlich aus diesem Albtraum erwachen?", stand nach der jüngsten Niederlage in Altach im offiziellen Spielbericht auf der Klub-Homepage.

Die allgemeine Verunsicherung in der Red-Bull-Truppe will der LASK - zuletzt 1999 in einem Cup-Finale - ausnutzen. "Wir stehen vor der letzten Hürde zum Finale. Unsere Motivation, den Aufstieg zu schaffen, ist riesengroß", sagte Coach Ismael, der aber auch vor einem stets gefährlichen Gegner warnt. "Wir lassen uns nicht von den letzten Ergebnissen blenden. Wir haben im direkten Duell im Februar gesehen, wie brutal stark Salzburg vor allem in den ersten 20 Minuten des Spiels agiert hat." Am 14. Februar hatten die Athletiker die stolze Heimserie der Salzburger in der Liga (53 Spiele ungeschlagen) jäh beendet. Seither hat die Elf von Jesse Marsch völlig den Faden verloren - nach dem Verlust der Tabellenführung kam das Aus in der Europa League und zuletzt am Montag eine 2:3-Schmach in Altach. Der LASK hingegen stieg im Europacup auf und eilt in der Liga von Sieg zu Sieg - bei gerade einmal drei Gegentreffern in den folgenden Partien (bei Salzburg waren es seither deren elf).

"Vielleicht nachgelassen"

Daher weiß Marsch wohl, wo er ansetzen muss, um wieder in die Erfolgsspur zu finden. "In unserer Lage brauchen wir ein Ergebnis." Gerade in einem Pokalspiel komme es auf den Zusammenhalt der Mannschaft an, den es auf dem Spielfeld bedingungslos zu üben gelte. "Die Basis für unseren Erfolg war, dass wir fleißiger und intensiver als der Gegner waren. Vielleicht haben wir in der Hinsicht ein bisschen nachgelassen. Es ist wichtig, sich immer alles gemeinsam zu erarbeiten", so der US-Amerikaner. Das Wort Krise wollte der notorische Optimist dabei nicht in den Mund nehmen.

Auch Kapitän Andreas Ulmer zitierte lieber Fußballweisheiten. "Jede Saison gibt es Phasen, wo es schwieriger ist. Die hat jede Mannschaft. Es ist wichtig, wie wir als Team damit umgehen und uns auf die nächsten Aufgaben fokussieren", meinte der Teamspieler. Und überhaupt sei der LASK ein dankbarer Kontrahent, um aus dem Tief gestärkt herauszukommen: "Der LASK ist ein guter Gegner für uns jetzt, ein super Test. Wir haben großen Respekt. Wir können es schaffen, aber wir brauchen unsere beste Leistung", meinte Marsch. Und wenn nicht? Dann könnte der Halbfinal-Schlager auch richtungsweisenden Charakter bekommen. Das LASK-Double 2020 wäre dann weit näher als das Jahr 1965.