Der italienische Fußball versinkt im Chaos - und diesmal geht es nicht um Korruption, Ausschreitungen oder Wettskandale. Vielmehr steht die liebste Nebenbeschäftigung des Italieners dank des Coronavirus vor dem kompletten Aus, nachdem zuletzt in der Serie A schon Geisterspiele angeordnet worden waren (darunter auch der Schlager zwischen Juventus und Inter am Sonntagabend, den der Tabellenführer 2:0 gewann). Es könnte das letzte Spiel für lange Zeit auf italienischem Boden gewesen sein, denn die Politik in Person von Sportminister Vincenzo Spadafora drängt vehement auf einen Stopp: "Worauf warten wir denn noch? Auf den ersten Infektionsfall in der Serie A?"

Auch Damiano Tommasi, Chef der italienischen Fußballer-Gewerkschaft, fordert eine Unterbrechung des Liga-Betriebes: "Benötigt ihr noch etwas? Stoppt den Fußball." Für Dienstag ist nun vom italienischen Fußballverband eine Krisensitzung angesetzt, die das Chaos einfangen soll. Bleibt die bange Frage, wie es nach einer etwaigen Spielpause - zwölf Runden vor Schluss - weitergehen soll? Eine Verschiebung nach hinten ist aufgrund des straffen Kalenders und der internationalen Termine völlig unrealistisch; zur Not wird Juventus nach nur 26 Runden zum Meister erklärt - und der Ball rollt erst wieder in der neuen Saison im August weiter. Das wäre freilich Gift für die junge italienische Nationalmannschaft kurz vor der Euro 2020 (12. Juni bis 12.Juli). Ob die Testspiele in England (27.März) und in Nürnberg gegen Deutschland (31. März) zumindest vor leeren Rängen stattfinden können, ist aktuell ebenso noch offen.

Geisterspiele sind längst auch für die Uefa ein (Schreck-)Gespenst, das umgeht: Aktuell kann wohl niemand mehr aus der Zentrale in Nyon eine Garantie dafür abgeben, dass alle Spiele der auf zwölf Länder verteilten Kontinental-EM planmäßig und mit Zuschauern stattfinden werden. "Wir haben verschiedene Szenarien", hieß es jüngst vielsagend von den Organisatoren. Wäre das Eröffnungsspiel morgen, würde es wohl abgesagt - Italien empfängt bekanntlich in Rom die Türkei.

Einen Vorgeschmack, auf was sich Fußballanhänger in nächster Zeit einstellen müssen, liefern die Achtelfinal-Rückspiele der Uefa-Champions-League: Erstmals finden wegen der Gefahr durch eine Viruserkrankung Spiele in der Königsklasse ohne Zuschauer statt. Bisher war dies nur der Fall, wenn Klubs wegen Fehlverhalten der Fans bestraft wurden. Betroffen sind die Partien Valencia gegen Atalanta Bergamo (Hinspiel 1:4) und der Schlager zwischen Paris St. Germain und Dortmund (1:2) am Mittwoch. In Leipzig (am Dienstag gegen Tottenham) und Liverpool (am Mittwoch gegen Atlético) soll hingegen vor vollen Rängen gekickt werden. Die Stadt Leipzig begründete diese Entscheidung unter anderem damit, dass das Ansteckungsrisiko bei Outdoor-Veranstaltungen ungleich geringer sei. Auch in der deutschen Bundesliga rollte der Ball ganz normal weiter. Noch.

Indian Wells abgesagt

Doch auch andere Sportarten sind durch die Corona-Angst massiv betroffen: Das Ski-Weltcupfinale in Cortina wurde gestrichen, die Herren-Rennen in Kranjska Gora finden ohne Fans statt, der Grand-Prix von Bahrain (22.März) wird zum Geisterrennen und die Skiflug-WM in Planica (19. bis 22. März) droht ohne Zuschauer und damit ohne Stimmung zur Gruselveranstaltung zu verkommen. Völlig überraschend wurde zudem am Montag in Kalifornien das für kommende Woche geplant gewesene Masters-1000-Tennisturniers von Indian Wells gestrichen - wegen eines bestätigten Covid-19-Falls in der Region. Es ist dies die erste Absage einer großen Sportveranstaltung in den USA. Pech auch für Dominic Thiem, der damit seinen Titel aus dem Vorjahr nicht verteidigen kann - unklar ist nun, ob er in der Weltrangliste diese 1000 Punkte verliert oder sie bis 2021 in der Wertung bleiben können. Ebenfalls offen ist, ob Ende März der nächste Tennis-Top-Event in Miami über die Bühne gehen kann, bis Donnerstag soll eine Entscheidung fallen.(may)