Eigentlich hätte es Gary Lineker wissen müssen - wer der LASK ist nämlich. Sein mittlerweile berühmt gewordenes Twitter-Wortspiel, wonach er erst jemanden fragen müsse ("ILask someone"), hätte er sich mit etwas Gedächtnisauffrischung sparen können. Immerhin ist im Europacup-Heimstadion der Linzer Athletiker der englische Rekordmeister Manchester United einmal in ein veritables Debakel geschlittert - und ein 1:5 gegen einen österreichischen Klub, auch wenn es nur ein Testspiel war, bleibt normalerweise hängen. Gemeinsam mit dem damaligen Austria-Trainer und United-Fan Herbert Prohaska blickt die "Wiener Zeitung" vor dem Europa-League-Achtelfinal-Duell am Donnerstag (18.55 Uhr/Puls 4) 29 Jahre zurück, auf den 7. August 1991.

In der guten, alten Fußballzeit

Es war sozusagen im letzten Jahr der guten, alten Fußballzeit. Der Europapokal der Landesmeister und die englische First Division gingen in ihre letzte Saison, ehe Champions und Premier League starteten und die Hyper-Kommerzialisierung des Sports einläuteten. Top-Klubs wie Manchester United waren damals noch "käuflich" - und zwar für Freundschaftsspiele auf dem Kontinent zu realistischen Preisen. In Linz lockte seinerzeit zwar das Gugl-Meeting die Massen an, fußballtechnisch tat sich aber wenig, weil LASK und Stahl Linz im Bundesliga-Niemandsland unterwegs waren. Darob war es ein Leichtes, an einem lauen Augustabend das Stadion mit gut 12.000 Fans zu füllen, wenn der gerade 80 gewordene österreichische Meister Austria Wien den hochkarätigen Kultklub von der Insel zur Gala bittet.

Welttorhüter Peter Schmeichel musste gleich fünf Mal hinter sich greifen. - © privat
Welttorhüter Peter Schmeichel musste gleich fünf Mal hinter sich greifen. - © privat

Die roten Teufel hatten sich kurz zuvor mit dem Triumph im Europacup der Pokalsieger eindrucksvoll auf der europäischen Bühne zurückgemeldet - nach der jahrelangen Zwangsabsenz nach der Heysel-Katastrophe. Und standen am Beginn einer großen Ära, die unter Manager Alex Ferguson mehr als zwei Dutzend nationale wie internationale Titel bringen sollte. Mit dem späteren Welttorhüter Peter Schmeichel, den Teamspielern Paul Ince, Paul Parker und Mark Hughes (Wales) kam Ferguson in die Stahlstadt. Ihm gegenüber saß Herbert Prohaska mit seiner Meisterelf, die bereits voll im Ligabetrieb stand, topmotiviert zu Werke ging - und dem Starensemble die Show stahl.

Für Herbert Prohaska, der kurz zuvor mit der Austria Meister geworden war, gab der Testspielsieg "viel Selbstvertrauen". - © Votava/Imagno/picturedesk.com
Für Herbert Prohaska, der kurz zuvor mit der Austria Meister geworden war, gab der Testspielsieg "viel Selbstvertrauen". - © Votava/Imagno/picturedesk.com

Denn am Ende rieben sich die verdutzten Zuschauer die Augen ob des auf dem alten Anzeigetafel-Ungetüm stehenden Endstands: 1:5 für die Austria! Und damit waren die roten Teufel noch gut bedient, denn neben Valdas Ivanauskas (16. Minute), Arminas Narbekovas (28.), Manfred Kern (39.), Manfred Schmid (89.) und Christian Prosenik (91.) hätten sich auch Peter Stöger, Andi Ogris, Anton Pfeffer und Thomas Flögel als Schützen verewigen können.

- © Fritz Duras/austria80.at
© Fritz Duras/austria80.at

"Sir" Alex konnte sich über den Ehrentreffer von Brian McClair (44.) verständlicherweise nur mäßig freuen: "Meine Mannschaft war heute sehr müde", meinte er. "Schneckerl" indes sprach von einer "außergewöhnlichen Leistung" seiner Schützlinge und einem Sieg der "fast zu hoch" ausgefallen sei. Und heute - erinnert sich die lebende Legende daran noch? "Natürlich klingelt’s da. Wie genau das war, weiß ich zwar nicht mehr, aber 5:1 schlagst’ Manchester nicht oft. Auch wenn die das Match in der Vorbereitung nicht so ernst genommen haben wie wir", meint Österreichs Jahrhundertfußballer im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Das Faktum, dass er wohl der einzige Österreicher ist, der das große ManUnited als Trainer schlagen konnte, lässt ihn aber eher kalt. "Ok. Es war sehr schön und hat uns sehr gefreut - aber etwas ganz Besonderes war es nicht. Es hat uns aber viel Selbstvertrauen gegeben." Schließlich galt das Match als Generalprobe für das kurz danach anstehende Meistercup-Duell der Austria gegen Arsenal - genutzt hat das gewonnene Selbstvertrauen dafür freilich nichts. Denn die Veilchen kamen ihrerseits in Highbury mit 1:6 unter die Räder. "Ich kann mich noch erinnern, dass Ferguson in Linz sogar gewarnt hat, dass man nicht auf Arsenal ableiten soll und dass das eine andere Partie wird", erzählt Prohaska. "Wir wurden dort mit Pressing und hohen Bällen einfach überrollt." Immerhin gab es im Rückspiel einen versöhnlichen 1:0-Erfolg über die Gunners.

"LASK kann ihnen wehtun"

Und am Donnerstag? "Der LASK ist der Außenseiter, überhaupt keine Frage. Aber Manchester ist weit von den glorreichen Zeiten entfernt und nicht mehr so bärenstark wie früher." Zudem schwäche der Ausfall von Marcus Rashford ("Für mich der beste Manchester-Spieler") das Offensivspiel der roten Teufel so sehr, dass die Gegner keinesfalls niedergerannt würden. "Allerdings kann ihnen der LASK mit seinem Spiel wehtun." Daher Prohaskas Fazit: "Der LASK kann nur gewinnen. Wenn du ausscheidest, kann sich keiner beklagen. Aber wenn der Lauf anhält, ist auch die große Sensation drin." Wobei man ganz generell die Erwartungshaltung flach halten müsse: "So sehr wir uns über internationale Erfolge freuen, müssen wir doch mit den Füßen am Boden bleiben. Wir sind das kleine Österreich. Das ist kein Schlagwort, sondern Tatsache", so Prohaska, der auf einen "kleinen Vorsprung" aus dem Hinspiel hofft, um dann in Old Trafford einen spannenden Europacup-Fight erleben zu können: "Darauf kannst du dich nur freuen, denn dafür spielst du Fußball."

Leere Ränge als Handicap

Allerdings mussten die Linzer am Dienstag eine Hiobsbotschaft hinnehmen: Denn aufgrund der verordneten Maßnahmen der Bundesregierung gegen die Coronavirus-Epidemie wird es eine Geisterkulisse auf der Gugl geben. Statt ausverkauften Haus und 14.000 Fans beim "Spiel des Jahres" für die Athletiker werden nun nur Spieler und Offizielle eingelassen - naturgemäß auch ein großer finanzieller Schaden für den heimischen Vizemeister. Vom fehlenden Heimvorteil im Hexenkessel Linzer Stadion, der die Schwarz-Weißen schon zu Siegen über Basel, Rosenborg, PSV Eindhoven, Sporting Lissabon und Alkmaar geführt hat, ganz zu schweigen.