Liverpool setzt wieder einmal auf den Mythos Anfield. Der Titelverteidiger kämpft am Mittwochabend (21 Uhr/Dazn) um den Aufstieg ins Viertelfinale der Champions League, muss dafür aber die Wende schaffen. Atlético Madrid hat vor drei Wochen das Hinspiel mit 1:0 gewonnen. Die Spanier werden an der Merseyside erneut Beton anrühren, um die Überraschung schaffen zu können.

Liverpool schaffte rechtzeitig vor dem Aufeinandertreffen mit den Colchoneros wieder ein Erfolgserlebnis. Seit der Niederlage in Spanien war zumindest resultatsmäßig Sand im Getriebe der Reds. Trainer Jürgen Klopp war nach dem 2:1 gegen Bournemouth "absolut glücklich". Es war der 22. Heimsieg in der Premier League in Folge. Im Europacup ist Liverpool an der Anfield Road seit 25 Spielen unbesiegt, holte dabei 18 Siege. Legendär ist die Aufholjagd gegen Barcelona im Champions-League-Halbfinale der vergangenen Saison - dieses 4:0 soll als Stimmungsmacher dienen. "Es ist Halbzeit für uns. In der zweiten Spielhälfte lernen wir normal und verbessern uns. Dieses Mal hatten wir drei Wochen und nicht 15Minuten dafür", sagte der Deutsche nun am Tag vor der Partie. Klopp wusste, woran es im Hinspiel lag: "Wir müssen mehr aufs Tor schießen."

So produzierte Liverpool in Madrid keinen einzigen Schuss aufs Gehäuse des Gegners. "Wenn das wieder passiert, werden wir nicht aufsteigen", wusste Linksverteidiger Andy Robertson. Der Schotte kehrt nach einer Verletzung wie auch Kapitän Jordan Henderson in die Mannschaft zurück. Weiter fehlen wird Torhüter Alisson. Robertson betonte auch: "Die Fans können einen großen Unterschied ausmachen. Aber wir dürfen nicht denken, dass die Zuschauer alleine uns weiterbringen werden."

Liverpools Bilanz gegen spanische Klubs ist nicht die schlechteste: Neun von elf K.o.-Duellen im Europacup wurden gewonnen. Die bisher letzte internationale Heim-Niederlage setzte es jedoch gegen einen La-Liga-Vertreter. Real Madrid gewann im Oktober 2014 mit 3:0. Atlético präsentierte sich in der Champions League in den vergangenen Jahren auswärts wenig erfolgreich. Den Madrilenen reicht aber schon ein Remis zum Aufstieg. Trainer Diego Simeone will laut "Marca" die "Anfield Formel" gefunden und Schwächen in Liverpools Verteidigung ausgemacht haben.

Geisterspiel in Paris

Hat das Coronavirus in England vorerst noch für keine Zugangsbeschränkungen in den Stadien gesorgt, verhält sich dies im zweiten Achtelfinal-Rückspiel am Mittwoch anders. Paris Saint-Germain gegen Borussia Dortmund findet ohne Zuschauer statt. Auch der Großteil der Medien wird nicht dabei sein. Dortmund geht mit einem 2:1-Vorsprung in die Retourpartie bei Frankreichs Meister. "Ein Spiel ohne Zuschauer ist nicht angenehm für beide Mannschaften. Niemand weiß, ob das die richtige Entscheidung für den Fußball ist", sagte BVB-Trainer Lucien Favree. Mit besorgter Miene fügte der Schweizer an: "Es ist ganz anders. Wir müssen uns mental darauf vorbereiten."

Mehr noch als für Dortmund könnte der Zuschauerausschluss aber für PSG zum Nachteil werden, das zudem Personalsorgen hat: Thiago Silva und Ander Herrera fallen verletzt aus, Thomas Meunier und Marco Verratti sind gelbgesperrt, und der Einsatz des erkälteten Top-Stürmers Kylian Mbappé ist ungewiss.