Für LASK-Mittelfeldmotor Peter Michorl ist es das "Spiel des Lebens". Für Trainer Valerien Ismael sogar das "Spiel des Jahrhunderts". Und für Christian Ramsebner steht ein Duell mit der "absoluten Weltspitze" bevor. Wie man es dreht und wendet - Manchester United als kleiner Klub aus Österreich zu fordern, ist etwas ganz Besonderes. Wenn das Europa-League-Achtelfinale am Donnerstagabend (18.55 Uhr/Puls4 und Dazn) zwischen dem LASK und dem englischen Rekordmeister angepfiffen wird, erfährt diese Besonderheit aber eine zusätzliche, bittere Note: Denn die Sorge vor dem Coronavirus lässt das geplante Fußballfest auf der Gugl zu einem Geisterspiel mutieren.

Das Lamento darüber hielt sich am Tag vor dem Match aber in Grenzen - vielmehr wurden jene Tugenden beschworen, die die Athletiker im Europacup soweit gebracht haben: "Auch wenn der Gegner Manchester United heißt, wollen wir so spielen, wie uns Europa bisher kennengelernt hat", meinte Ismael. Er berichtete freilich auch von einer "komischen Vorbereitung": "Wir haben das Thema mit der Mannschaft natürlich besprochen. Es ist das Spiel des Jahrhunderts, und dann können unsere Familien und Kinder nicht zuschauen." Eine Atmosphäre "wie beim Abschlusstraining" könne aber auch die spielerischen Prinzipien der Schwarz-Weißen hervorheben: "Wir sind hochmotiviert", meinte der Erfolgscoach vor dem Kräftemessen mit der 800-Millionen-Euro-Truppe, der auf der Gugl maximal 500 Anwesende (inklusive Betreuer, Delegierte, Medien) auf die Beine schauen können.

Vor der Elf von Ole Gunnar Solskjaer, die zuletzt ansteigende Formkurve aufwies und mit dem 2:0-Derbycoup über City am Wochenende weiteres Selbstbewusstsein tankte, bekundete Ismael höchsten Respekt. "Sie sind einfach komplett, allererstes Niveau. Eine Weltmannschaft, die auf jeder Position drei, vier Leute hat", sagte der Franzose, der 1998 für Crystal Palace kickte und damals eine 0:3-Niederlage gegen United erlebte. "Wir sind krasser Außenseiter", ergänzte Verteidiger Ramsebner. 20 Meistertitel, 3 Champions-League- respektive Meistercup-Titel, dazu der Europa-League-Sieg 2017 - um nur die wichtigsten Trophäen des Kultklubs zu nennen - sprechen für sich. Auch umsatzmäßig ist Manchester United ein Gigant - mit 711,5 Millionen Euro rangiert man hinter Barcelona und Real Madrid auf Rang drei (der LASK ist demgegenüber mit 15,3 Umsatz-Millionen ein Zwerg).

Doch auf dem Fußballplatz sind bekanntlich alle gleich, daher ist eine Sensation in den Köpfen der Linzer Athletiker durchaus vorhanden: "Wir werden nicht in Ehrfurcht erstarren", so die ausgerufene Parole von Michorl. Und Motivationskünstler Ismael hoffte, dass das Starensemble die No-Name-Truppe auf die leichte Schulter nehmen könnte. "Vielleicht unterschätzt uns der Gegner, wir spielen in einem leeren Stadion, und sie kennen uns vielleicht nicht ganz", meinte der 44-jährige Franzose. Der Weg zum Erfolg führe aber so oder so nur über das Funktionieren des eigenen Spiels: "Der Fokus bleibt auf uns, das war immer unsere Marschroute."

Top-Stars fehlen

Klar ist, dass die absoluten Top-Stars bei den roten Teufeln fehlen: Paul Pogba fällt ebenso verletzt aus wie Englands Teamstürmer Marcus Rashford. Neben Schlussmann David de Gea wird Solskjaer wohl noch einige andere aus der Einsergarnitur rausrotieren, denn wesentlicher ist wohl das Duell in der Premier League gegen Tottenham am Sonntag. Beim LASK verspricht Ismael eine "schlagkräftige Mannschaft", auch wenn die Verletztenliste lang ist und in der Abwehr Philipp Wiesinger und Petar Filipovic gelbgesperrt fehlen.