Was sich seit Tagen bereits abgezeichnet hat, wurde am Freitag zur Gewissheit. Das Achtelfinal-Rückspiel des LASK in der Europa League gegen Manchester United findet kommenden Donnerstag nicht statt. Damit fällt der heimische Vizemeister um den so herbeigesehnten Auftritt in Old Trafford, dem "Theatre of Dreams", um - selbst, wenn sich das Thema Aufstieg nach dem 0:5 im Hinspiel ohnedies erledigt hat. Europas Fußballverband Uefa hat am Freitag spät, aber doch die Notbremse gezogen und den kompletten Spielbetrieb in Champions League und Europa League wegen der Coronavirus-Krise ausgesetzt. Kommenden Dienstag könnte in einer Krisensitzung auch die Verschiebung der Fußball-EM beschlossen werden, zumal auch die Play-off-Partien um die vier letzten Tickets Ende März kaum über die Bühne gehen können.

Dem Wunsch von LASK-Coach Valerien Ismael wurde damit Rechnung getragen. "Bitte seid konsequent und macht nicht so ein Herumgeeier", hatte der Franzose in der Pressekonferenz nach dem Donnerstag-Spiel in Richtung Uefa gefordert. Die handelte schließlich am Freitag. "Angesichts der Entwicklungen aufgrund der Verbreitung von Covid-19 in Europa und der damit verbundenen Entscheidungen der verschiedenen Regierungen werden die für nächste Woche angesetzten Spiele aller Vereinswettbewerbe verschoben", teilte sie mit. Die für den 20. März geplante Europacup-Auslosung wurde ebenfalls verschoben, auch das Youth-League-Viertelfinale von Salzburgs U19 gegen Lyon am Dienstag ist betroffen.

LASK nicht automatisch Meister

Da der Bundesliga-Betrieb ebenfalls ruht - mindestens bis Anfang April - wird Tabellenführer LASK den gesamten Betrieb zumindest bis Dienstagnachmittag einstellen. "Nun gilt es für uns runterzukommen und abzuwarten, welche Entscheidungen vonseiten der Bundesregierung getroffen werden. Erst wenn alle Fakten am Tisch sind, können wir über das weitere Vorgehen entscheiden", sagte Ismael in einer Aussendung des LASK. Die Oberösterreicher schließen ab Montag bis auf weiteres auch ihre Geschäftsstelle beziehungsweise satteln auf Homeoffice um.

Sollte selbst im Falle einer Euro-Verschiebung bis Juni in der laufenden Saison nicht mehr gekickt werden - was nicht unwahrscheinlich ist -, wäre der LASK als Grunddurchgangssieger übrigens nicht automatisch Meister. Obwohl ja in 22 Partien jeder gegen jeden gespielt hat, sehen die Spielbetriebsrichtlinien der Bundesliga keinen Automatismus vor, dass bei einem vorzeitigen Meisterschaftsende der Grunddurchgang zählt. Der LASK wäre nur dann Meister, wenn sich die Mehrheit der Klubs in der Klub-Konferenz dafür entscheiden würde - auf dieses Gremium verweist gegenüber der "Wiener Zeitung" auch ein Liga-Sprecher betreff weiterer Entscheidungen. Am Dienstag kommt dieses Gremium wieder zusammen.

De facto entschieden ist indes das Rennen um den Champions-League-Fixplatz in der Saison 2021/22: Nach der Pleite gegen Manchester United und dem gleichzeitigen 1:0-Heimerfolg von Istanbul Basaksehir über den FC Kopenhagen im Achtelfinale könnte Österreich die Türkei nur noch dann überholen, wenn den Linzern noch der Viertelfinal-Einzug gelingt - falls überhaupt die Europacup-Saison weitergehen kann.

Test in Wales abgesagt

Dass im März der Ball in Europa de facto zum Stillstand kommt, musste auch der ÖFB zur Kenntnis nehmen: Das für 27. März in Swansea angesetzt gewesene Testspiel der ÖFB-Auswahl gegen Wales wurde abgesagt, wie der walisische Verband am Freitag mitteilte. Auf dem derzeitigen Terminplan der Mannschaft von Franco Foda steht noch das Geisterspiel am 30. März im Wiener Happel-Stadion gegen die Türkei, das nach aktuellem Stand ausgetragen werden soll. "Angesichts der Entwicklungen kann sich das stündlich ändern", schrieb jedoch der ÖFB in einer Mitteilung. Das Wales-Match wäre das erste von vier Testspielen von Österreichs Team für die EM gewesen. Weiters sind noch Kräftemessen mit England (2. Juni, Wien) und Tschechien (7. Juni, Prag) vereinbart.

Pause in England, Deutschland

Das Coronavirus hat am Freitag auch den Spielbetrieb im englischen und deutschen Fußball zum Erliegen gebracht. Zumindest bis 4. April sind alle Partien in den vier höchsten Ligen auf der Insel - also auch der Premier League - abgesagt, als letzte zog dann die deutsche Liga nach. Der für dieses Wochenende geplante Spieltag werde verlegt, teilte die DFL am Freitag mit. Betroffen von der Maßnahme der DFL sind auch 29 österreichische Legionäre in der ersten beziehungsweise 22 in der zweiten Liga.

United: "Einfach grausam"

Zurück nach Linz, wo die Athletiker mit den Umständen des geplanten Jahrhundertspiels gegen Manchester United hadern: "Es war grausam", schilderte LASK-Coach Ismael - und meinte damit nicht das Resultat. Das fiel für seinen Geschmack "zu hoch" aus, den Klassenunterschied musste aber auch er anerkennen.

Dass nur etwa 500 Personen zugelassen waren, sei extrem bitter gewesen, so der Franzose: "Da muss man sich schon fragen, ob das der Sinn des Fußballs ist. Der Sport lebt von der Emotion. Das hat man deutlich gemerkt." Gerade in einer Phase wie in der zweiten Hälfte, als sein Team nach zu verhaltenen ersten 45 Minuten mehr Mut an den Tag legte, vermisste man die Unterstützung von den Rängen. "Da brauchst du das Publikum, das die Jungs noch einmal nach vorne peitscht. Da war der zwölfte Mann einfach nicht da."

Sein Pendant, United-Coach Ole Gunnar Solskjaer, war indes hochzufrieden: "Wir haben eigentlich alles von den Burschen bekommen, was wir erwartet haben."