Die Fußball-EM findet wegen der Coronavirus-Pandemie ein Jahr später statt als geplant. Dies hat die Uefa am Dienstag bei ihrer Krisenkonferenz beschlossen. Eigentlich hätte die Euro 2020 vom 12. Juni bis 12. Juli in zwölf Städten in Europa und Asien (Baku) stattfinden sollen. Nun soll Europas wichtigstes Sportereignis um ein Jahr zeitversetzt vom 11. Juni bis 11. Juli 2021 nachgeholt werden.

Die Olympischen Spiele in Tokio hingegen sollen aus jetziger Sicht wie geplant von 24. Juli bis 9. August 2020 stattfinden. Zwar wird der traditionelle Fackellauf in Japan wegen der Corona-Krise eingeschränkt, doch IOC-Präsident Thomas Bach stellte klar: "Wir arbeiten mit vollem Engagement auf den Erfolg der Olympischen Spiele mit der Eröffnungsfeier am 24. Juli hin."

"Im Moment haben andere Dinge Priorität"

Die Verschiebung der Fußball-EM soll den nationalen Ligen die dringend benötigte Zeit verschaffen, um die derzeit ausgesetzte Saison eventuell doch noch unter einigermaßen regulären Umständen beenden zu können. Stichtag ist dann erst der 30. Juni, an dem normalerweise auslaufende Verträge enden. Österreich ist für die EM bereits qualifiziert. Vier Endrundenteilnehmer müssen aber noch im Play-off ermittelt werden, darunter auch der dritte Gegner des ÖFB-Teams neben den Niederlanden und der Ukraine.

Vertreter des ÖFB haben in einer ersten Reaktion die EM-Verschiebung begrüßt. So etwa Verbandspräsident Leo Windtner, der meinte, dass die Uefa mit ihrer Entscheidung "klares Leadership bewiesen hat". Außerdem erklärte er: "Die Solidarität der Fußballfamilie in dieser Situation zeigt, dass im Moment andere Dinge Priorität haben. Die Gesundheit aller Menschen steht jetzt im Vordergrund. Es ist erfreulich, dass trotz der derzeitigen dramatischen Situation durch diese Entscheidung auch eine ermutigende Perspektive geboten wird."

Dem schloss sich ÖFB-Teamchef Franco Foda an: "Es ist die absolut richtige Entscheidung, in dieser außergewöhnlichen Situation gibt es Wichtigeres als Fußball oder eine Euro. Jetzt gilt es, das Virus einzudämmen, damit wir in naher Zukunft wieder gemeinsam positiv nach vorne schauen können." Er dankte dabei auch "den Frauen und Männern, die rund um die Uhr im Einsatz sind - seien es Ärztinnen und Ärzte, Einsatz- und Pflegekräfte oder die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geschäfte, die uns versorgen." Deren Leistungen seien "herausragend", betonte Foda.

Auch die Südamerika-Meisterschaft Copa America ist wegen der Pandemie um ein Jahr auf 2021 verschoben worden. Das Turnier mit Lionel Messi, Neymar und Co. hätte parallel zur Euro in Argentinien und Kolumbien stattfinden sollen.

Bundesliga entscheidet am Mittwoch über Spielbetrieb

Die Entscheidung der Uefa hat natürlich auch maßgeblich Einfluss auf den weiteren Spielbetrieb der europäischen Ligen - inklusive Österreich. In der Bundesliga steht am Mittwoch die Klub-Konferenz an, auf der per Videoschaltungen das weitere Prozedere festgelegt werden soll. Die EM-Verlegung gibt den Ligen jedenfalls Spielraum, falls sich die Corona-Krise vor dem Sommer entspannen sollte. Vorerst ist der Spielbetrieb in Österreich bis Anfang April ausgesetzt. "Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass bis Ostern keine Kugel rollen wird - wenn nicht sogar darüber hinaus", meinte Liga-Vorstandsvorsitzender Christian Ebenbauer am Montagabend bei Servus TV. Was dann passiere, werde man nun besprechen: "Ist es überhaupt sinnvoll mit Geisterspielen, oder reden wir über Meisterschaftsabbruch." (may)