Der Satz entbehrte nicht einer gewissen Schwammigkeit. Doch er drückte gut aus, wie die aktuelle Lage sich in Europas Fußball darstellt. Unmittelbar nachdem die europäische Fußball-Konföderation Uefa am Dienstag die Verschiebung der EM auf Juni/Juli 2021 angekündigt hatte, waren Klubs und Ligen angehalten, eine Verpflichtung einzugehen, "alle nationalen und europäischen Klubbewerbe bis zum Ende der laufenden Saison abzuschließen, sollte sich die Situation verbessern und eine Wiederaufnahme angemessen sein". Damit war mit dem Uefa-Entscheid zwar eine Frage beantwortet, eine Reihe an neuen aber aufgeworfen. Die österreichische Bundesliga hat nun ihre Schlüsse daraus gezogen und eine Verlängerung der Pause bis Anfang Mai beschlossen. Die Saison soll aber bis in den Juni hinein prolongiert werden, wodurch – vorbehaltlich weiterer, nicht unwahrscheinlicher Änderungen – die Meisterschaft zu Ende gespielt werden könnte. Dieses Ergebnis kommunizierte die Bundesliga am Mittwoch nach einer Videokonferenz mit Vertretern aller Klubs.

Die Liga versucht damit auch, finanziellen Schaden von den Vereinen so gut als möglich abzuhalten. Dieser sei "nicht bezifferbar, weil von der Bundesliga bis in die letzte Spielklasse Erlöse wegbrechen", hatte Bernhard Neuhold, der Geschäftsführer des Verbandes, schon davor gegenüber der Austria Presse-Agentur erklärt. Zwar können die höherklassigen Vereine die Belastungen noch eher stemmen, für viele niederklassige sei aber eine "ernste bis dramatische Situation" zu erwarten, sagte Neuhold. Auch ÖFB-Präsident Leo Windtner verwies auf die schwierige ökonomische Situation. Während der ÖFB die Einnahmenverluste durch die für heuer ausfallende EM "stemmen können und muss", herrsche "an der Basis große Besorgnis um die wirtschaftliche Zukunft", wie er sagte.

Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer hofft, dass die Meisterschaft durch die Verlängerung der Saison fertiggespielt werden kann. - © APAweb / Roland Schlager
Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer hofft, dass die Meisterschaft durch die Verlängerung der Saison fertiggespielt werden kann. - © APAweb / Roland Schlager

Auch für die oberste Spielklasse gelte, dass die Klubs "aus sportlichen sowie aus wirtschaftlichen Gründen (hoffen), dass die Saison fertiggespielt werden kann", betonte die Bundesliga, die aber klar die Eindämmung der Coronavirus-Pandemie als prioritär sieht. "Die Entscheidung trifft aktuell die Regierung nach Absprache mit den zuständigen Gesundheitsexperten. Jetzt gilt es, die Wirksamkeit der gesetzten Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus abzuwarten und insbesondere aktiv zu unterstützen", heißt es in der Stellungnahme. Geisterspiele sind – sowohl aus sportlichen als auch aus wirtschaftlichen Gründen – nur die letzte Option, hatte Liga-Vorstand Christian Ebenbauer schon davor klargemacht.

Grunddurchgang absolviert

Aktuell ist in der zwölf Klubs umfassenden Bundesliga erst der Grunddurchgang (22 Runden) absolviert. Die je zehn entscheidenden Runden in Meister- und Qualifikationsgruppe, in der es um den Klassenerhalt geht, sind aber noch ausständig. Der LASK würde mit drei Punkten Vorsprung auf Serienchampion Salzburg als Tabellenführer ins Meisterrennen gehen. Rapid liegt nach der Punkteteilung vier weitere Zähler dahinter auf Rang drei. Schlusslicht in der ebenfalls sechs Teams umfassenden Qualifikationsgruppe ist aktuell der SKN St. Pölten, allerdings nur mit einem Zähler Rückstand auf das Trio Admira, WSG Tirol und Mattersburg.

Mit dem Verweis auf die Wichtigkeit der Eindämmung der Pandemie ist Österreich freilich nicht alleine. Quer durch Europa gab es am Mittwoch Verständnis und Anerkennung für die Entscheidung der Uefa, die dadurch ebenfalls finanzielle Einbußen in Kauf nehmen muss. Die Verschiebung koste "hunderte Millionen Euro", sagte Uefa-Präsident Aleksander Ceferin. Unklar ist daher auch, ob die Prämiengestaltung aufrecht bleibt oder in Absprache mit den Verbänden geändert werden muss.

Dessen ungeachtet hat der ÖFB unmittelbar nach der Verschiebung mit der Neuplanung für die EM-Vorbereitung begonnen. Man werde nun "reflektieren und umsetzen, was wir für ideal erachten", sagte Neuhold. Noch seien aber Termine und Testgegner für die Vorbereitung unklar – wie so vieles andere auch.