Wir scheiben das Jahr 1878 in England. Der Fußball wird (noch) zu einem erheblichen Teil von der Oberschicht für sich vereinnahmt, die Arbeiter in den Baumwollfabriken müssen eine Lohnkürzung nach der anderen hinnehmen. So die beiden Ausgangspunkte der Serie "The English Game".

Fergus Suter - um ihn dreht sich alles bei der Serie "The English Game": - © The Cottontown digitisation project
Fergus Suter - um ihn dreht sich alles bei der Serie "The English Game": - © The Cottontown digitisation project

Eine der Hauptfiguren ist Fergus Suter. Suter ist eine reelle Person der Fußballgeschichte. Der 1857 in Glasgow Geborene arbeitete zunächst als Steinmetz und war der erste Fußballspieler, der sich gegen Bezahlung die Schuhe schnürte. Zu Beginn seiner Karriere spielte er von 1876 bis 1878 für den Partick FC, damals noch eine eigenständige Gemeinde, nun Stadtteil von Glasgow. Anschließend wurde Suter mit seinem besten Freund, Jimmy Love, in die englische Grafschaft Lancashire, genauer zu Darwen FC geholt (wahrscheinlich wechselten sie aber durch eigenen Antrieb, nicht ganz so wie in der Serie dargestellt).

Hier setzt auch die Serie ein. Darwen war damals ein kleiner Ort in der Grafschaft Lancashire, der dortige Baumwollfabriksbesitzer versuchte im letzten Drittel des viktorianischen Zeitalters, die vorherrschende Macht der elitären Oberschicht auf dem Fußballplatz zu brechen. Suter, gespielt von Kevin Guthrie, und Love (James Harkness) werden zu Beginn von ihren neuen Mitspielern argwöhnisch betrachtet, da sie ahnen, dass sie nicht aus purer Leidenschaft den Weg in die englische Provinz gefunden haben, sondern vielmehr das Geld ausschlaggebend sein musste. Damals war es laut Statuten des englischen Verbands FA noch nicht erlaubt, Spieler zu bezahlen, und nur Amateure durften für die Teams auflaufen. Um keine Konsequenzen durch den Verband befürchten zu müssen, wurden sie in der Fabrik als Arbeiter miteingesetzt. Was in der Serie allerdings ausgespart wird: Er und sein Kumpel arbeiteten nur für kurze Zeit mit, denn die Bezahlung erfolgte schließlich für die Leistungen auf dem Feld und nicht für die an den Maschinen in den Fabrikhallen. Die Leistungen der beiden auf dem Platz überzeugten allerdings bald, und so wurde Suter nicht nur zum Liebling der Fans, mit ihm schaffte die Mannschaft auch einen steilen sportlichen Aufstieg binnen kürzester Zeit.

Aufstand der Arbeiter

Als Gegenspieler der Arbeitervereine fungiert in der Produktion im doppelten Sinne die "gute Gesellschaft". In Form des Eliteklubs Old Etonians, bei dem selbst der damals aktuelle FA-Präsident Francis Marindin auflief. Darwen und die Etonians trafen im FA-Cup-Viertelfinale 1879 aufeinander. Die Männer aus dem Norden Englands mussten insgesamt drei Mal die lange Reise in den Süden antreten (das Eton College, zu dem der Klub gehört, liegt rund 25 Kilometer westlich von London), um letztlich nach zwei Unentschieden doch mit 2:6 auszuscheiden. Die reichen Fabrikbesitzer und Geschäftsmänner gewannen am Ende der Saison letztlich den FA-Cup. In der Serie spielt Edward Holcroft den Kapitän ihrer Mannschaft, Lord Arthur Kinnaird. Auch hier handelt es sich um eine Person, die es wirklich gab und die für den englischen Fußball von großer Bedeutung war - nicht nur als Spieler, sondern später auch als Präsident der FA. Dem Verband stand er von 1890 bis 1923 vor. Über das Leben und Wirken von Kinnaird gibt es unter dem Titel "Arthur Kinnaird: First Lord of Football" ein detailreiches Buch zu lesen.

Wechsel zur Konkurrenz

Suters und Loves Karriere bei Darwen dauerte allerdings nur zwei Saisonen. 1880 trat der Blackburn Olympic FC an Suter heran und köderte "Fergie" mit einer für damalige Verhältnisse sehr großen Summe Geld: 100 Pfund direkt auf die Hand und ein Wochengehalt von 6 Pfund. Mehr als das Doppelte, das er bei seinem alten Arbeitgeber verdient hatte. So erzählt es zumindest die Serie. Love wechselte mit seinem langjährigen Freund Suter zwar mit zu den Olympioniken, allerdings verletzte er sich nicht bei einem Freundschaftsspiel gegen ihren alten Verein Darwen durch ein Foul an ihm so schwer, dass er seine Karriere beenden musste - wie von der Serie behauptet. Stattdessen ließ er sich nach nur einem Spiel bei der Armee verpflichten und war ab Ende Februar bei den Royal Marines in Liverpool stationiert.

Historisch richtig dargestellt, ist hingegen: Das Team aus Blackburn war in der Saison 1882/83 die erste Mannschaft, die bestehend aus Working Class Players das den FA-Cup gewinnen konnte. Fünf Spieler verdienten dabei ihr Geld mit Fußball, was zwar immer noch nicht erlaubt war, aber von der FA-Spitze mit zugedrückten Augen toleriert wurde. Unter FA-Präsident Kinnaird fiel 1885 schließlich die Regelung, dass nur Amateurspieler spielen durften. Der Weg in eine neue Fußballwelt war somit geöffnet.

Abseits des Balls

Die parallel laufenden Handlungsstränge der Serie widmen sich zum einen dem beschwerlichen Leben der Arbeiterklasse, den durch Lohnkürzungen hervorgerufenen Streiks und Arbeitskämpfen sowie dem Privatleben der Familien Kinnaird, Suter und Love. Die Lage der Arbeiterklasse - nur in den ersten beiden Episoden näher betrachtet, danach wenig thematisiert - hätte allerdings intensivere Behandlung verdient. Außerdem wäre es für die Serie etwas dienlicher gewesen, die (fiktiven) Familiengeschichten ein klein wenig zu verknappen. Doch hier endet die Kritik bereits. Der Hauptfokus der Produktion liegt trotzdem auf der sportlichen Entwicklung des Fußballs in Richtung Professionalität - und das ist eindeutig gelungen. Ein sehenswerter und informativer Zeitvertreib für die Zeit zuhause.