Das Mitleid angesichts der Meldung, die am Freitag über die Agenturen hereinflatterte, dürfte sich in überschaubaren Grenzen halten: Der FC Barcelona kürzt seinen Profis einseitig die Arbeitszeit und damit auch das Gehalt, nachdem diese einer Aufforderung zum freiwilligen Verzicht nicht nachgekommen waren. Laut spanischem Recht können Unternehmen im Falle höherer Gewalt zu solchen Mitteln greifen. Ob eine Pandemie darunter fällt, werden die Gerichte klären müssen. Doch das Bild vom übersättigten und geldgierigen Profifußballer scheint bestätigt. So oder so.

Bei näherer Betrachtung ergibt sich freilich ein differenzierter Eindruck: Denn zum einen wurden etliche Profis bereits von sich aus karitativ tätig - Lionel Messi, um nur ein Beispiel des FC Barcelona zu nennen, spendete eine Million Euro an zwei Krankenhäuser in Barcelona beziehungsweise seiner argentinischen Heimat -, zum anderen finden viele von ihnen auf andere Art und Weise Wege, um ihre Solidarität in der Krise zu zeigen und versuchen damit jener moralischen Verantwortung, deren Nichtnachkommen ihnen bisweilen vorgeworfen wird, gerecht zu werden. In Deutschland verhandelten etliche Klubs mit ihren Spielerräten erfolgreich Gehaltsabschläge, in Österreich ist das Modell der Covid-19-bedingten Kurzarbeit bei den allermeisten Klubs Usus geworden. Der Linzer ASK nimmt dieses zwar nicht in Anspruch, stattdessen verzichten Profis und Betreuer aber auch auf Gehalt - die Mitarbeiter der Geschäftsstelle unterstützen bei Lohnfortzahlung das Rote Kreuz mit administrativen Tätigkeiten.


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Dass Spieler tatsächlich freiwillig und kollektiv Abschläge in Kauf nehmen, könne man aber nicht erwarten, erklärte zuletzt die internationale Spielergewerkschaft FifPro, die auf große Unterschiede in der Entlohnung der Fußballer weltweit aufmerksam macht. Laut dem vor einigen Jahren erschienenen und bisher umfangreichsten Report über Arbeitsbedingungen und Bezahlung von Fußballern weltweit verdienen 75 Prozent der Spieler maximal 4000 US-Dollar pro Monat, viele davon auch nur zwischen 1500 und 2000 und 45 Prozent gar weniger als 1000 Dollar - und das bei einer Karriere, die zeitlich begrenzt und in vielen Ländern mit sozialrechtlichen Unwägbarkeiten gepflastert ist.

Soziale Schere auch in Österreich

Diesbezüglich steht Österreich zwar vergleichsweise gut da - die 1988 gegründete Vereinigung der Fußballer gilt im internationalen Vergleich als eine der Pionierinnen ihrer Art, und selbst den vom Kollektivvertrag nicht umfassten Amateurklubs verschaffte das kurzfristig verhandelte und nunmehr auch auf sie anwendbare Kurzarbeitsmodell eine gewisse Atempause -, dennoch ist auch hier die soziale Schere groß. Während etwa Kicker der tipico-Bundesliga mit durchschnittlich 8000 Euro plus Prämien ein stattliches Einkommen haben, müssen jene in der zweitklassigen Hpybet-Liga mit rund 1300 Euro auskommen, was auch dem kollektivvertraglich festgelegten Mindestgehalt auf Basis Vollzeitbeschäftigung entspricht. Zwar ist die Validität der Zahlen umstritten, da sie einzig auf den Eigenaussagen der Spieler beruhen und Teilzeit sowie grobe Ausreißer nicht ausgewiesen sind. Dennoch zeigt die entsprechende Studie, die die VdF im Vorjahr unter dem bewusst provokant formulierten Titel "Profifußballer in Österreich - Bettler oder Millionär?" herausgab, gewisse Trends. Für die größten Ligen und deren Topstars gelten diese freilich nicht oder nur in abgewandelter Form, weswegen dort aktuell nicht von Mindest-, sondern der Möglichkeit eines Maximallohns die Rede ist. Die Diskussion über eine Gehaltsobergrenze, wie es sie - in unterschiedlicher Art und mittlerweile auch schon aufgeweicht - in den großen US-Sportligen gibt, ist zwar alles andere als neu, angesichts der Krise aber wieder aufgeflammt. Bisher haben sich die reicheren Ligen freilich dagegen ausgesprochen. Doch selbst in England, dem finanzstärksten Fußballland, hat sich im vergangenen Transfersommer eine leichte Trendumkehr gezeigt.

Die Premier League, deren Umsätze zuletzt bei rund 5,5 Milliarden Euro lagen, hat damals weit weniger in neue Spieler investiert als etwa Spanien, das mit 66 Prozent vom Umsatz auch den höchsten Anteil an Gehaltskosten hat. Da wundert es wenig, dass Klubs ihren Stars nun einen Teil ihres Gehalts streichen. Unfreiwilliger Gehaltsverzicht hin, Spitalsspenden her: Messi wird es verkraften können. Sein Jahresverdienst liegt - Gehalt plus Prämien und Werbeeinkünften - im dreistelligen Millionenbereich. Auch das gibt es freilich. Die Nahrungskette ist lang, das Mitleid begrenzt.