Die Politik sollte dem Fußball in den schwierigen Zeiten der Coronavirus-Krise eine Sonderstellung einräumen. Dies forderte der langjährige deutsche Bundesliga-Funktionär und frühere DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig in einem Gastbeitrag für das Fachmagazin "Kicker" (Montagausgabe). In England sind entsprechende Pläne offenbar schon weiter gediehen: So berichteten Medien, dass die 92 ausständigen Spiele allesamt in ausgewählten Stadien ohne Zuschauer ausgetragen werden könnten.

Rettig sprach sich auch in Deutschland für die Durchführung von Geisterspielen als "Beitrag zur Zerstreuung und damit für das Wohlbefinden der Menschen" aus. Auch ein "verpöntes Geisterspiel" könne wieder ein Ereignis sein, "auf das man sich freut und über das geredet wird", betonte Rettig. "Da kein Zeitpunkt absehbar ist, an dem das normale Leben wieder beginnt, kann bei abnehmenden Restriktionen die Austragung dieser Geisterspiele einen Beitrag zur Zerstreuung und damit für das Wohlbefinden der Menschen leisten."

Nach Meinung Rettigs sei der "Wirtschaftsbereich Profifußball mit knapp fünf Milliarden Euro Umsatz und ca. 55.000 Arbeitsplätzen gesamtwirtschaftlich gesehen zu vernachlässigen". Aber auch wenn der Fußball "keinen direkten ökonomischen Beitrag zur Systemerhaltung leistet, gewinnt er durch jeden Tag des derzeitigen Kontaktverbotes und damit einhergehender sozialer Isolation an Bedeutung".

 

England erwägt Tests, Quarantäne - und Spiele

In England könnten laut der Zeitung "The Independent" sämtliche für den Spielbetrieb nötige Personen, also etwa Kicker, Betreuer, Schiedsrichter und auch Mitarbeiter von TV-Stationen, in eigens reservierten Hotels wochenlang in Quarantäne genommen werden. Regelmäßige Tests stünden an der Tagesordnung. Von den Hotels würden alle Beteiligten in die jeweiligen Stadien und danach sofort wieder zurück ins Quartier gebracht werden.

Laut "Independent" gibt es für dieses Vorhaben bereits die prinzipielle Zustimmung der britischen Regierung, die das Projekt als Zeichen der langsamen Rückkehr zur Normalität sieht. Der Neustart der Premier League soll im Juni erfolgen, täglich würde es mehrere Spiele geben. Abgeschlossen wäre die Saison dann Ende Juli. (apa/dpa)