In den beiden höchsten deutschen Fußball-Bundesligen wird aufgrund der Coronavirus-Pandemie mindestens bis zum 30. April kein Ball rollen. Das haben die 36 Profi-Klubs am Dienstag im Rahmen einer virtuellen Mitgliederversammlung der deutschen Fußball-Liga (DFL) auf Empfehlung des DFL-Präsidiums beschlossen. Ob der Spielbetrieb im Mai fortgesetzt werden kann, ist aktuell völlig offen. Das Ziel bleibe aber weiter eine Beendigung der Saison Ende Juni, sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert.

Bei der Konferenz habe sich herausgestellt, dass "einige Klubs im Mai oder auch im Juni in eine existenzbedrohende Situation kommen könnten", erklärte Seifert, ohne Namen zu nennen. Im Falle von Insolvenzen soll es in diesem Jahr keinen Abzug von neun Punkten geben. In der kommenden Saison werden nur drei statt neun Zähler abgezogen.

In Deutschland gelten aufgrund der Pandemie zahlreiche Einschränkungen im öffentlichen Leben, die auch über den April hinaus Bestand haben könnten. Wenn überhaupt, dann werden die verbleibenden 163 Partien in den höchsten beiden Spielklassen wohl als Geisterspiele ausgetragen. Das Konzept für den Neustart muss von der Politik und den Gesundheitsämtern mitgetragen werden. Zudem nährte Seifert die Spekulationen, wonach es noch länger Geisterspiele geben könnte. "Der Entfall von Zuschauereinnahmen muss einkalkuliert werden, möglicherweise auch nicht nur bis zum Ende der Saison, sondern auch noch in die nächste Saison hinein, vielleicht auch bis zum Ende des Jahres", sagte er. "Da gibt es durchaus unterschiedliche Aussagen auch von Experten."

Die Liga müsse nun alles daran setzen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, betonte er. "Zuallererst, und das ist nach wie vor keine Frage, geht es um die Kontrolle der Ausbreitung des Virus und insbesondere um den Schutz von Risikogruppen", sagte der DFL-Chef. "Das bleibt auch noch einige Zeit so." Es werde aber mit "Hochdruck" daran gearbeitet, "wie wir nach dieser Krise wieder aufstehen und weiterarbeiten können".

 

Das Vier-Säulenprinzip

Die Mitgliederversammlung traf dazu vier "wesentliche Entscheidungen". Neben der Aussetzung des Spielbetriebes soll bis zum 5. April das Mannschaftstraining unterbleiben. "Gleichzeitig entwickeln wir für alle 36 Standorte des Profifußballs Produktionskonzepte dafür, wie sich mit geringstmöglichem Personaleinsatz vorübergehend auch Spiele ohne Anwesenheit von Zuschauern durchführen lassen", sagte Seifert. Zudem wurde eine medizinische Taskforce eingerichtet und ein "weiteres Bündel an Maßnahmen" beschlossen, das die Klubs beim Lizenzierungsverfahren entlasten soll.

Der zumindest einigermaßen reguläre Saisonabschluss ist für viele Vereine von existenzieller Bedeutung - wird die Spielzeit 2019/20 abgebrochen, droht der Bundesliga ein finanzieller Verlust in Höhe von rund 750 Millionen Euro. Zahlreiche Spieler hatten sich bereits zum Gehaltsverzicht bereit erklärt, in den unteren Ligen ist Kurzarbeit für die Mitarbeiter längst ein Thema. Im Fußball-Geschäft in Deutschland werden in Summe mehrere Zehntausend Menschen beschäftigt.

Inwieweit die Saison abgeschlossen werden kann, was neuesten Gedankenspielen zufolge theoretisch auch erst im September der Fall sein könnte, hängt auch von den Plänen der europäischen Fußball-Union (Uefa) ab. Sowohl die Champions League als auch die Europa League stecken derzeit im Achtelfinale fest. Dazu kommen offene Länderspiel-Termine. Die Uefa will sich am Mittwoch mit ihren 55 Mitgliedsverbänden beraten, möglicherweise wird auch ein Zeitplan vorgestellt. (apa/dpa/red)