Wir befinden uns im Jahre 2020. Das Coronavirus hat seit einigen Wochen die Welt des Fußballs fest in Griff. Die ganze Fußballwelt? Nein! Drei von unerschrockenen Funktionären, Kickern und Fans bevölkerte Länder hören nicht auf, ihre Fußballmeisterschaften fortzusetzen. In Anlehnung an Asterix, dessen Schöpfer Albert Uderzo vor wenigen Tagen verstorben ist, könnte man etwa so die Situation im aktuellen Weltfußball beschreiben.

Seit Anfang März hatte eine Liga nach der anderen ihren Meisterschaftsbetrieb eingestellt oder verschoben. Noch vergangene Woche wurde etwa in Angola, Myanmar und auf der Antilleninsel St. Kitts und Nevis gekickt - bis auch hier am Wochenende die Quarantäne verordnet wurde. Damit ist die Anzahl jener Länder, in denen die nationale Fußballmeisterschaft ohne Einschränkungen weiterläuft, auf drei geschmolzen - die verbliebenen gallischen Dörfer des Fußballs:

Burundi: Auf den ersten Blick bietet der aktuelle Spielkalender der Meisterschaft im ostafrikanischen Burundi das gewohnte Bild - nur darf man sich nicht täuschen lassen. Zwar wurden laut Homepage des nationalen Fußballverbands FFB alle Spiele des vergangenen Wochenendes verschoben - aber nicht wegen der Coronakrise. Tatsächlich pausierte die oberste Liga nur Cup-bedingt, der in dem afrikanischen Land "Coupe du Président de la Republique" genannt wird. Und so war daher auch das Intwari-Stadion in der Hauptstadt Bujumbura beim Viertelfinalspiel zwischen den Vereinen Vital’O FC und Mosungati (0:0) am Sonntagabend bis auf den letzten Platz gefüllt. Vielleicht auch deshalb, weil es etwas zum Verteilen gab? Gewiss ist nur: Corona-Tests waren es nicht. So ließ es sich FFB-Boss Révérien Ndikuriyo nicht nehmen, an die Männer- und Frauenmannschaften der ersten und zweiten Liga Gratis-Fußbälle und -Trikots auszugeben. Ja, er legte am Dienstag sogar noch nach und ließ sich - die Sonnenbrille auf der Nase und umringt von Funktionären - via Facebook dabei filmen, wie er lächelnd weitere Bälle persönlich an die Vertreter der unteren Ligen verteilte. Immerhin dürften die insgesamt 5000 georderten Spielgeräte angesichts des weltweiten Lockdown günstig gewesen sein.

Die Lungenkrankheit Covid-19 ist hier am Äquator offenbar kein Thema, die kommenden Spiele in der Primus League genannten obersten Meisterschaftsklasse am 4. und 5. April finden ohne Einschränkungen statt. Die 16 Vereine zählende Tabelle wird von Le Messager Ngozi (54 Punkte) angeführt. Munter weitergekickt wird laut Facebook auch in der Ligue Nationale B genannten zweiten Liga. Und 95 Fans "gefällt das".

Nicaragua: Ein ähnliches Bild liefert die Fußballmeisterschaft im mittelamerikanischen Nicaragua, wo am vergangenen Samstag und Sonntag sämtliche Spiele der Liga Primiera wie geplant stattgefunden haben. So wird etwa auf Facebook der 7:0-Kantersieg des Klubs CD Walter Ferretti über Chinandega FC je nach Blickwinkel gefeiert ("Wie Baseball!") oder betrauert ("Massaker!") - und an die Anhänger wie immer die Frage nach dem "Spieler des Tages" gestellt. Nur über die Corona-Krise ist hier kein Wort zu lesen.

Auch auf der Website der Liga drehen sich die neuesten Nachrichten rund um Spekulationen, welchem Verein die besten Chancen auf den Titel eingeräumt werden. (Die drei Führenden Diriangén FC, Managua FC und Real Estelí FC trennt jeweils nur ein einziger Punkt.) Offenbar betrachtet sich Nicaragua, obwohl es hier bereits zu ersten bestätigten Infektionen und Todesfällen gekommen ist, nach wie vor als Insel der Seligen. Ganz anders als seine Nachbarn: Sowohl die Liga Nacional in Honduras wie die Primera División in Costa Rica haben wegen der Corona-Pandemie dichtgemacht.

Weißrussland: Keinen Gedanken an Einschränkungen im Sportbetrieb verschwendet auch nach wie vor Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko. Weswegen auch in der früheren Sowjetrepublik die Fußballsaison pünktlich gestartet ist. "Ich nenne das Coronavirus nicht anders als eine Psychose", hatte Europas letzter Diktator gemeint und allen Ernstes empfohlen, sich mit Alkohol und Saunagängen gesund zu halten. Am Wochenende legte er im nationalen TV nach, indem er die rhetorische Frage an die Reporterin stellte: "Sehen Sie hier irgendwo ein Virus herumschwirren, also ich sehe keines." In dieselbe Kerbe schlug Verbandspräsident Wladimir Basanow. "Warum sollten wir nicht starten? Es gibt keine kritische Situation", erklärte er. Beim Saisonauftakt zwischen Energetik-BGU und Bate Borissow (3:1) waren mehrere hundert Zuschauer anwesend. Das 1:1 des Titelverteidigers Dinamo Brest gegen Smolewitschi verfolgten 3648 Fans im Stadion. Die Spiele der dritten Runde (3. bis 5. April) sollen wie geplant stattfinden, aktuell meldet Weißrussland etwas mehr als 100 Sars-CoV2-Infektionen. Offiziell.