Die Rückkehr zur Normalität: Eine Phrase, die man noch oft hören wird - in Bezug auf das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben. Doch auch im Milliarden-Business Fußball wird noch vor dem Höhepunkt der Corona-Krise an der dringend nötigen Exit-Strategie - sprich: Rückkehr in den Liga-Modus - gefeilt. Durch die Uefa-Entscheidung vom Mittwoch, die Juni-Länderspiel-Termine abzusagen, gibt es für die nationalen Bewerbe nun massiv mehr Spielraum - theoretisch könnten die Meister sogar erst Anfang August gekürt werden (die nächste Saison würde somit später starten). Dadurch wird ein geregeltes Saisonende, wenn auch mit Abstrichen, immer wahrscheinlicher. Anbei ein Überblick über die aktuellen Pläne der europäischen Top-Ligen und in Österreich.

Premier League: Offiziell verlautete es am Mittwoch von den britischen Fußball-Oberen - Premier League und FA - in einer gemeinsamen Stellungnahme: "Es gibt keine schnellen Antworten, wie und wann wir zu unserer Fußball-Normalität zurückkehren können." Bis 30. April ruht der Ball in der finanzkräftigsten Liga der Welt, hinter den Kulissen wird an der Wiederaufnahme des Spielbetriebs frühestens ab Ende Mai gebastelt. Allerdings gilt auch im schwer gebeutelten Königreich, dass Geisterspiele der Modus Operandi sein werden. Kommt es noch drastischer, dann gibt es auch ein Szenario, dass die 92 ausständigen Partien nur in ausgewählten Stadien in London und im Raum Birmingham ausgetragen werden. Mit Quasi-Quarantäne für alle Spieler inklusive Betreuerstab, Schiedsrichter und Journalisten bei regelmäßigen Corona-Tests.

Und wenn alle Stricke reißen, sollen sich die Klubs bereits darauf verständigt haben, die Saison nicht ohne neuen Meister abzubrechen - sondern den Titel dem 25 Punkten voran liegenden FC Liverpool zu verleihen.

Deutsche Bundesliga: In Deutschland lässt sich die Meisterfrage bei gut fünf Titelkandidaten sicher so nicht lösen. Im Land des vierfachen Weltmeisters will man die Saison ohnedies früher als angenommen und geordnet über die Bühne bringen. Bis zum 30. Juni sollen die restlichen neun Spieltage zu Ende gebracht sein - unter bestimmten Bedingungen sei auch eine Verlängerung in den Juli möglich, hieß es Anfang der Woche. Schließlich hängt ein gewaltiges Damoklesschwert über etlichen Traditionsklubs: Einige könnten nämlich "im Mai oder auch im Juni in eine existenzbedrohende Situation kommen", sagte der Chef der deutschen Fußball-Liga, Christian Seifert.

Auch in Deutschland, wo etliche Vereine schon wieder im (kontaktlosen) Mannschaftstraining stehen, geht es nur noch um Schadensbegrenzung und darum, mittels Geisterspielen zumindest die Ausfälle zu minimieren. "Wir werden die Spiele ohne Zuschauer brauchen, denn auch hier müssen wir alle ehrlich sein: Es geht ums Geld und dementsprechend um das nackte Überleben für viele Klubs", meinte Leipzigs Vorstandschef Oliver Mintzlaff.

Doch auch hier gibt es Notfallpläne mit einem gerafften Zeitplan und eine Art EM-Modus mit ausgewählten Spielorten und strenger Abschirmung.

Serie A: Dort, wo die Corona-Krise (auch im Fußball) in Europa ihren Ausgang genommen hat, herrscht derzeit wohl das größte Chaos. Jüngste Nachricht aus Italien war diese Woche, dass ein Hilfsfonds geschaffen werden soll - gespeist auch aus Wettgeldern - der die Klubs vor dem Bankrott bewahren soll. Denn der Staat könne aktuell nicht helfen - und die Lage ist in der Tat dramatisch: Nachdem zuletzt eine Krisensitzung über den weiteren Saisonverlauf abgebrochen wurde, mehren sich seitdem die Zweifel, ob überhaupt noch einmal angepfiffen werden kann (bis Ende April sind alle Sportveranstaltungen untersagt). "Es gibt eine seriöse Möglichkeit, dass die Meisterschaft nicht beendet wird", sagte etwa Fiorentina-Chef Rocco Commisso. Einen Titelträger würde es dann wohl nicht geben, zumal
Serie-A-Tabellenführer Juventus (63 Punkten) und Lazio Rom (62) nur hauchdünn getrennt sind.

Primera Division: Deutlich optimistischer können indes Lionel Messi und Co. sein, dass dieses Jahr in Spanien noch ein Meister gekürt wird. Zwar ist die Primera Division aufgrund der Corona-Pandemie auf unbestimmte Zeit gestoppt, der Optimismus, die elf ausstehenden Runden spätestens im Sommer fertig zu spielen, ist aber groß. So rechnet der TV-Rechteinhaber von La Liga, die Mediengruppe Mediapro, fix mit einer Fortsetzung vor leeren Rängen: "Ich glaube nicht, dass es allzu schwierig ist, elf Partien in zwei Monaten zu absolvieren." Größtes Hindernis seien freilich positiv getestete Spieler - wie es derzeit einige gibt -, denn diese würden Quarantäne-Maßnahmen nach sich ziehen und letztlich den Saisonabbruch erzwingen.

Tipico-Bundesliga:Diese Gefahr besteht freilich auch hierzulande, falls in der Bundesliga der Ball wieder zu rollen beginnen sollte. Die Hoffnung, die offiziell bis Anfang Mai ausgesetzte Meisterschaft wieder aufzunehmen, ist durch die Uefa-Pläne jedenfalls um einiges größer geworden. Laut Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer können die restlichen zehn Spieltage nunmehr bis "Ende Juli, Anfang August" durchgeführt werden. Klarerweise auch hierzulande ohne Fans. So hat Sportminister Werner Kogler "vollen Stadien im Sommer" eine Absage erteilt, Geisterspiele indes seien für den Vizekanzler "vorstellbar". Und wenn doch nichts geht? Dann liegt der Ball nicht mehr bei der Bundesliga und seinen Klubs, sondern beim ÖFB-Präsidium, wie der Fußballbund vor kurzem klargestellt hat.

Man kann dies durchaus als Reaktion auf fragwürdige Absichten der Klub-Konferenz deuten: Demnach soll es eine Mehrheit geben, die im Fall eines Abbruchs den Vorjahres-Endstand werten würde - dann wäre nicht der LASK, sondern wieder Salzburg Meister; und die Austria statt Rapid im Europacup.