Engländer ticken in so mancher Hinsicht ganz anders als Deutsche. Und nicht wenige sind da noch stolz drauf. Im Fußball ist das nicht anders, vor allem, wenn es um das liebe Geld geht. Während in Deutschland die Spieler der meisten Klubs, darunter die großen Kaliber wie Bayern München und die Borussia Dortmund, aufgrund der Corona-Krise einem (bis 30. April befristeten) Gehaltsverzicht von mindestens 20 Prozent zugestimmt haben, legen sich die Kicker auf der Insel nach wie vor dagegen quer.

Jürgen Klopp will krisenbedingt auf Gehalt verzichten. - © apa/afp/Ellis
Jürgen Klopp will krisenbedingt auf Gehalt verzichten. - © apa/afp/Ellis

Hier will man von dem jüngsten Übereinkommen der Premier-League-Klubs, ihre Spieler um einen Gehaltsverzicht von 30 Prozent zu bitten, nichts wissen. Die Begründung, dass die Liga, sollte die Saison nicht beendet werden können, womöglich 762 Millionen Pfund (866 Millionen Euro) an die TV-Rechteinhaber zurücküberweisen müsste, ließen die Funktionäre der Spielergewerkschaft (PFA) nicht gelten und argumentierten mit der Steuer: "Die Spieler sind sich bewusst, dass die kombinierte Steuer auf ihre Gehälter einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierung wesentlicher öffentlicher Dienstleistungen leistet - die derzeit besonders wichtig sind", hieß es in der Stellungnahme der PFA.

Schützenhilfe kam am Sonntag auch vom früheren ÖFB-Teamkapitän Christian Fuchs. Der Leicester-Legionär hat in der Debatte um den bisher ausgebliebenen Gehaltsverzicht der Profis in der englischen Premier League sogar um Verständnis geworben. "Man muss das mit zwei Augen sehen", betonte der 33-Jährige im ORF. "Einerseits verstehe ich, dass man als Fußballer gutes Geld verdient", sagte Fuchs. "Auf der anderen Seite zahlen wir auch sehr viele Steuern, die auch der Regierung in der Bekämpfung von dem ganzen Problem zugutekommen." Noch deutlicher wurde Ex-Kicker Gary Lineker. "Warum nicht alle Wohlhabenden auffordern, wenn möglich, zu helfen, anstatt nur auf Fußballern herumzuhacken?", polterte der Ex-Nationalspieler. "Niemand scheint über die Banker, die Geschäftsführer, die Millionäre zu sprechen. Stehen sie auf? Werden sie aufgefordert, aufzustehen? Das wissen wir nicht."

Trainer für Gehaltsverzicht

Gegenstimmen von Profi-Seite waren kaum zu vernehmen, bis sich am Montag Liverpools Star-Coach Jürgen Klopp zu Wort meldete - und sich prompt zu einem Gehaltsverzicht bereit erklärte. Wie die englische "Daily Mail" berichtet, habe der Deutsche vereinsintern klargemacht, dass er in Zeiten der Corona-Krise auf einen Teil seiner Einnahmen verzichten wolle. Und Klopp ist damit nicht der einzige Premier-League-Trainer, der dieser Idee mittlerweile etwas abgewinnen kann. Denn während es zwischen Spielern und Vereinen zu einem zähen Streit kommen könnte, sind sich die Trainer offenbar weitgehend einig. So haben mit Eddie Howe vom AFC Bournemouth und Graham Potter von Brighton & Hove Albion zwei Trainer in England diesen Schritt bereits öffentlich gemacht. Bei den Kickern dieser Klubs lösten die Solidaritätsbekundungen der Trainer Irritationen aus - vor allem auch deswegen, weil deren Verträge gesondert zu betrachten sind und daher von der Forderung nach Gehaltsverzicht nicht einmal betroffen sind. Auf wie viel Gehalt sie verzichten, wird mit den Vereinen individuell ausgehandelt.

Dabei hat Liverpool bereits am Samstag für Aufsehen gesorgt, indem man mitteilte, dass im Zuge der Corona-Krise einige Angestellte in Kurzarbeit beziehungsweise in Zwangsurlaub geschickt werden sollen. Weil der Klub ein Notfall-Programm der britischen Regierung in Anspruch nahm, wurde er dafür von einigen ehemaligen Mitspielern teils heftig kritisiert. Zumindest bei einzelnen Kickern dürfte Klopps Vorstoß doch ein Umdenken ausgelöst haben. So wollen Liverpool-Kapitän Jordan Henderson und Nationalspieler Harry Maguire die Schaffung eines Hilfsfonds vorantreiben.

Fifa will vermitteln

Um den Streit in den verschiedenen Ligen nicht eskalieren zu lassen, hat sich der Fußball-Weltverband Fifa in die globale Diskussion um Gehaltskürzungen für Fußball-Profis während der Coronavirus-Krise eingeschaltet. Wie aus einem internen Papier hervorgeht, arbeitet der Weltverband an Richtlinien für Vereine und Fußball-Organisationen, um während der Unterbrechung des Spielbetriebes wegen der Pandemie Kosten sparen zu können. In einigen großen Ligen, neben Deutschland auch Spanien und Italien, haben die Spieler temporären Lohneinbußen bereits zugestimmt. In der heimischen Bundesliga haben alle Klubs außer Meister Salzburg und Tabellenführer LASK Kurzarbeit angemeldet. Allerdings verzichten auch die Profis der Spitzenklubs auf Teile ihres Gehalts.(rel)