Zuletzt war es beinahe verdächtig ruhig geworden um die Fußball-WM 2022 in Katar. Doch neue Bestechungsvorwürfe im Zuge des US-Prozesses sowie ein Bericht von Amnesty International über die Arbeitssituation von ausländischen Gastarbeitern haben den künftigen Ausrichter eines der weltweit größten Sportereignisse schlagartig wieder ins Rampenlicht gebracht. Die Vorwürfe weist man im kleinen Golf-Emirat freilich entschieden zurück.

Ausgerechnet am Tag, nachdem eine Anklageschrift in den USA veröffentlicht worden war, in dem von massivem Stimmenkauf rund um die im Jahr 2010 erfolgte Vergabe der WM 2022 (und jener 2018 an Russland) die Rede ist, ließ die Menschenrechtsorganisation Amnesty International mit einem Bericht über teilweise katastrophale Zustände in einem wegen der Coronavirus-Pandemie abgesperrten Gebiet in der Nähe der Hauptstadt Doha aufhorchen.

Ausländische Gastarbeiter, die den Großteil der Baustellen stemmen, müssten dort unter untragbaren hygienischen und sanitären Umständen ausharren, nachdem sich ein Arbeiter mit dem Coronavirus Sars-CoV2 infiziert hatten. Es gebe dort horrende Engpässe bei der Versorgung mit Lebensmitteln und vor allem mit frischem Trinkwasser, heißt es in dem Bericht, zudem seien die Menschen zu Acht in engen Zimmern mit Stockbetten untergebracht.

Fifa-Präsident Gianni Infantino sah bisher noch keinen Anlass zum Handeln. - © APAweb / afp, Attila Kisbenedek
Fifa-Präsident Gianni Infantino sah bisher noch keinen Anlass zum Handeln. - © APAweb / afp, Attila Kisbenedek

Die Regierung wies die Vorwürfe allerdings entschieden zurück. Jeden Tag werde die Versorgung mit Lebensmitteln und Trinkwasser sowie mit Schutzmaterialien sichergestellt, zudem gebe es kostenlose medizinische Behandlungen, und auch jene Arbeiter, die unter Quarantäne stehen beziehungsweise infiziert seien, würden ihren Lohn erhalten, betont man in Doha. Laut der John-Hopkins-Universität zählte das kleine Land am Mittwochnachmittag 2210 bestätigte Covid-19-Fälle. Die Dunkelziffer könnte mangels Tests und Möglichkeiten bei der ärmeren Schicht aber noch höher liegen.

Todesfälle und Bürgschaftssystem

Fakt ist, dass es nicht das erste Mal ist, dass Katar wegen des Umgangs mit Arbeitsmigranten bei Menschenrechtsorganisationen in der Kritik steht. Berichte über Todesfälle auf den WM-Baustellen sowie das Bürgschaftssystem, bei denen Arbeiter ihre Dokumente und gleichzeitig viele Rechte an Unternehmer abtreten müssen, hatten zu einem internationalem Aufschrei geführt – der beim Weltfußballverband Fifa allerdings ebenso weitgehend auf taube Ohren gestoßen war wie der immer wieder geäußerte Bestechungsverdacht, den Katar auch nun entschieden von sich weist. Man habe sich "im Bieterprozess streng an die Regeln und Vorschriften gehalten", erklärte das zuständige Supreme Committee for Delivery and Legacy. In der US-Anklageschrift ist indessen von drei Funktionären aus Südamerika die Rede, die hohe Summen für ihr Votum pro Katar erhalten hätten.

Die Fifa kündigte zwar an, mit den US-Behörden kooperieren zu wollen. Dass das Großereignis aber verlegt wird, ist nicht geplant. Schon 2017, als ein Kronzeuge von mehr als 800.000 Dollar für nur eine Stimme berichtet hatte, war das Entsetzen bei Fifa-Präsident Gianni Infantino endenwollend gewesen. "Unglücklicherweise gibt es eine schlechte Vergangenheit", hatte er damals gesagt. Doch glaubt man den Berichten, sieht auch die Gegenwart für viele nicht allzu rosig aus.