Die Turbulenzen hatten sich lange abgezeichnet, und sie haben nicht ausschließlich mit dem Coronavirus zu tun. In der Nacht auf Freitag eskalierte die ohnehin schon angespannte Lage beim FC Barcelona dann völlig: Zwei Vizepräsidenten und vier Direktoren des Klubs gaben ihren Rücktritt bekannt. Sie werfen Barca-Präsident Josep Maria Bartomeu schwere Verfehlungen in einer Social-Media-Affäre und im Umgang mit der Corona-Krise vor.

Die revoltierende Fraktion forderte Bartomeu schnellstmöglich zur Ausrufung einer Neuwahl des Präsidiums auf und kritisierte den Klub für das Anheuern einer externen Firma im Social-Media-Bereich. Vorwürfe, dass die Firma Social-Media-Profile angelegt habe, um zukünftige Präsidentschaftskandidaten, aktuelle oder frühere Barca-Spieler zu diffamieren, hat Bartomeu bisher stets zurückgewiesen.

"Jemand hat in die Kassa gegriffen"

Der Vertrag mit der Firma I3 Ventures, die Verfehlungen auch selbst dementiert hat, ist mittlerweile zwar annulliert, Medien haben der Affäre aber längst den Namen "Barcagate" gegeben. Auch Korruption soll eine Rolle spielen. "Jemand hat in die Kassa gegriffen", erklärte Emili Rousaud, einer von zwei zurückgetretenen Vizepräsidenten, am Freitag im katalanischen Radiosender RAC-1.

In einem Brief an die Fans drückten Rousaud und seine fünf Mitstreiter auch ihre Bedenken aus, ob Bartomeu den Klub durch die Coronavirus-Krise führen könne. Bartomeu ist seit 2014 Barca-Präsident. Der Wiederwahl zu einer dritten Amtszeit kann er sich laut Statuten nicht stellen. Auch Superstar Lionel Messi hatte sich zuletzt immer wieder kritisch gegenüber der Barca-Führung gezeigt. (apa/Reuters)