Der Freizeitsport darf wieder seine Tore öffnen, und auch für den Profifußball ist eine baldige Wiederaufnahme des Spielbetriebs nach der Grundsatzentscheidung der Bundesregierung, Kleingruppentrainings ab Montag zu erlauben und Geisterspielen "nicht im Weg stehen zu wollen", wie Sportminister Werner Kogler sagte, in greifbare Nähe gerückt. Der Handlungsspielraum allerdings kostet: Für die notwendigen regelmäßigen Covid-19-Tests muss der Fußball selbst aufkommen. Auch weitere Fragen müssen in der Klubkonferenz am Donnerstag noch erörtert werden.

Als nächster Schritt ist die Bundesliga aufgerufen, ein Konzept für die oberste Spielklasse vorzulegen, danach werde das Gesundheitsministerium die Rahmenbedingungen per Verordnung festlegen. Laut APA-Informationen sieht die türkis-grüne Regierung den Fußball als Pilotprojekt für Mannschaftssport in Zeiten der Corona-Pandemie.

Die Liga reagierte auf die Regierungspläne erfreut, das Konzept sei in Arbeit. "Wir arbeiten seit Wochen an einem Konzept, wie es möglich wäre, den Spielbetrieb unter allen Sicherheitsmaßnahmen für alle Beteiligten fortzuführen. Das ist ein lebendes Dokument, das noch mit den Klubs inhaltlich besprochen werden muss", sagte Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer zur APA.

Derzeit ruht die Liga bis Anfang Mai. Da die Meisterschaft theoretisch bis Anfang oder Mitte August finalisiert werden kann, wäre sogar eine Wiederaufnahme spätestens Anfang Juli denkbar, sofern aufs Europa-League-Play-off verzichtet wird. Es sind allerdings noch viele offene Fragen zu diskutieren. "Was passiert, wenn sich ein oder mehrere Involvierte im laufenden Betrieb infizieren? Wie sieht es dann sportlich aus?", meinte Ebenbauer etwa.

"Auf jeden Fall ein siebenstelliger Betrag"

Die Anschaffung der notwendigen Covid-19-Testkits ist eine weitere. Ebenbauer veranschlagte etwa 100 Euro pro Stück. "Wir reden von 200 Personen pro Spiel, die kurz vor dem Spiel getestet werden müssten. Es ist auch klar, dass man sämtliche Personen, die mit dem Fußball zu tun haben, auch auf Antikörper testet. Und dann ist noch die Frage, wie viele Tests im Trainingsbetrieb notwendig sind. Wir reden hier auf jeden Fall von einem siebenstelligen Betrag, je nachdem, wie die Vorgaben der Gesundheitsbehörden aussehen."

Zudem sollen die Tests nur angeschafft werden, wenn klar sei, dass in der Gesellschaft insgesamt ausreichend vorhanden sind. Auch ist derzeit unklar, wer die Tests durchführen wird. Für Kontrolleure der Nationalen Anti-Doping Agentur (Nada), die durch die Lockerung auch ihre Dopingkontrollen wieder verstärken, sei dies nicht nur wegen des Personalstands nicht machbar. "Das würde rechtlich eine Unmenge von Fragen aufwerfen. Das muss man definitiv ganz klar trennen, ein Kontrollteam wird beides nicht durchführen können", sagte Nada-Chef Michael Cepic.

Zeitlicher Vorlauf notwendig

Kogler bat sich im Austausch zwischen Bundesliga, ÖFB und Gesundheitsministerium als Vermittler an. Die Liga wolle darauf zurückkommen, so Ebenbauer. "Wir wollen gemeinsam erarbeiten, unter welchen Voraussetzungen Spiele ohne Zuseher stattfinden müssten. Das bräuchten wir natürlich auch schnellstmöglich." Ähnlich verhält es sich den Vorgaben der betreffenden Verordnung, deren Details erst in Ausarbeitung sind. Unter welchen Bestimmungen der Trainingsbetrieb ab Montag durchgeführt werden darf, ist somit ebenfalls noch unklar.

Ehe der Ball überhaupt wieder über die Fernseh-Bildschirme rollen könnte, sei ein Zeitvorlauf notwendig. TV-Rechtehalter Sky, dessen Personal vorwiegend aus Deutschland stamme, müsse die Produktion erst wieder hochfahren, so Ebenbauer. Grenzübergreifende Probleme sind auch bei Spielern, die derzeit bei ihren Familien im Ausland sind, zu befürchten. "Die müssten zunächst erst wieder in Quarantäne kommen - das hat alles Einfluss auf die sportliche Integrität", sagte Ebenbauer. (apa/red)