Die Bundesregierung hatte am Mittwoch den Steilpass geliefert - die Bundesliga hat den Ball aber noch nicht aufgenommen: Nach der Corona-bedingten Zwangspause soll der seit Mitte März ruhende Meisterschaftsbetrieb zwar wiederaufgenommen werden, einen konkreten Termin dafür gibt es aber noch nicht. Das ist zumindest das Ergebnis der Bundesliga-Klubkonferenz vom Donnerstagnachmittag, an der alle Vereine der ersten und zweiten Spielklasse teilgenommen haben.

Laut Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer seien noch zu viele Punkte offen, um einen baldigen Neustart der jedenfalls bis Mai ausgesetzten Liga zu initiieren. So sei die angekündigte Verordnung des Gesundheitsministeriums zum vorgesehenen Kleingruppentraining samt nötiger Hygienemaßnahmen noch nicht vorliegend. "Wir haben ein medizinisches Konzept, müssen es jetzt aber erst mit Gesundheits- und Sportministerium abklären", so Ebenbauer.

Knackpunkt seien aber auch die Pflichttests vor jedem Spiel: Zum einen müssten einmal genügend Tests vorhanden sein ("Der Fußball darf keinen Vorrang haben. Sicherheit und Gesundheit gehen vor"), zum anderen müsse auch die Finanzierung gesichert sein. Laut Ebenbauer ist mit rund 100 Euro pro Test und Person zu rechnen. "Wir reden von 200 Personen pro Spiel. Es ist auch klar, dass man sämtliche Personen, die mit dem Fußball zu tun haben, auch auf Antikörper testet." Ergibt überschlagsmäßig mindestens rund 100.000 Euro an Zusatzkosten pro Verein für die restliche Spielzeit von zehn Runden in Meister- und Qualifikationsrunde. Die Tests sollen 24 bis 48 Stunden vor den Spielen gemacht werden, sie sind Vorgabe der Bundesregierung, dass in der Bundesliga der Ball wieder rollen kann. Klarerweise nur in Form von Geisterspielen und auch Abstandsregeln abseits des Rasens. So sollen auch in dieser Saison ein Meister, die Europacupstarter sowie Auf- und Absteiger auf rein sportlichem Weg eruiert werden - und nicht zuletzt soll damit das drohende Finanzdesaster der Klubs minimiert werden.

"Vereine brechen weg"

Während also die Bundesliga der Männer trotz der Corona-Krise noch zu Ende gespielt werden soll, ist jene der Frauen seit Mittwochabend endgültig abgebrochen. Ein Hauptgrund für diese ÖFB-Entscheidung waren mitunter die hohen Kosten für PCR-Tests, die auch bei den Fußballerinnen einen sechsstelligen Betrag verschlungen und damit das Budget der Bundesligisten gesprengt hätten. "Wir sind froh, dass wir endlich eine Entscheidung haben, die sich abgezeichnet hat, und mit Stand 2019 wieder starten. Das ist beruhigend von der Planung her", sagte Walter Weiss, der Obmann des FFC Vorderland, am Donnerstag im Gespräch mit der APA. Der Klub aus der Vorarlberger Gemeinde Röthis im Bezirk Feldkirch, der seit Sommer 2017 in der Bundesliga spielt, "braucht pro Saison ein Budget im hohen fünfstelligen Bereich". Dank einer Förderzusage vom Land Vorarlberg sei die Lage für den Verein "derzeit nicht existenzbedrohend. Wir wissen aber nicht, wie es mit den Sponsoren weitergeht und wie sich die Situation allgemein entwickelt. Wenn die Herbstsaison wegen der Pandemie nicht planmäßig starten kann, dann wird es kritisch. Da weiß ich nicht, ob alle Vereine in der Bundesliga weiterspielen können oder wollen", meinte Weiss. Vereine könnten wegbrechen "Das ist ein absolut realistisches Szenario. Je länger diese Krise dauert, desto härter werden die Vereine damit zu kämpfen haben", meinte auch ÖFB-Generalsekretär Thomas Hollerer. Gleichzeitig merkte dieser aber auch an: "Ich weiß, dass der Vizekanzler und Sportminister Werner Kogler sehr intensiv mit seinem Stab an den Überbrückungshilfen für die Vereine arbeitet. Wir brauchen diese Hilfe dringend."

Das gelte selbstverständlich auch für die Männer-Bundesliga. "Und wenn wir das nicht schaffen, dann werden wir nicht mehr darüber diskutieren, dass sich derzeitige Tabellenführer benachteiligt fühlen, dass sie nicht aufsteigen können, sondern wir werden darüber diskutieren, wie wir die Liga aufgrund der entstehenden Lücken der Vereine, die wegbrechen, auffüllen können", warnte Hollerer.(may)