Verpflichtende Masken, vorgegebene Positionsmarkierungen mit entsprechendem Abstand und Gespräche unter freiem Himmel auf dem Rasen des Linzer Stadions - die Rückkehr des Fußballs in der österreichischen Bundesliga offenbarte die neuen Gegebenheiten in Zeiten der Corona-Krise. Als erste Mannschaft begann am Montag der Linzer ASK mit den Vorbereitungen auf die Wiederaufnahme der Meisterschaft, die anderen Klubs der tipico-Bundesliga folgen dem Beispiel des Tabellenführers in den kommenden Tagen.

Völlig unklar ist jedoch auch nach dem Erlassen der Verordnung der Bundesregierung, die sich vorerst nur auf die Erstligisten und die zweitklassige Austria Lustenau, die als Cupfinalist eine Sonderregelung bekommt, sowie in Einzelsportarten, in denen die Abstandsregeln befolgt werden können, wie, wann - und letztlich ob überhaupt - bald auch die anderen Zweitligisten wieder das Training aufnehmen dürfen - was die Spielervertreter der zweiten Liga in der Vereinigung der Fußballer am Montag in einem offenen Brief scharf kritisierten. Im Sinne der Chancengleichheit sei eine solche Abstufung nicht zu akzeptieren, heißt es. Schließlich seien 80 Prozent der Spieler der Hpybet zweiten Liga ebenfalls Profis, für die die derzeitige Situation einem Berufsverbot gleichkäme. Ungeachtet der Frage, ob die Liga weitergeführt werden kann oder nicht - wobei sich die VdF für eine Fortsetzung analog zur ersten Bundesliga ausspricht -, heißt es in dem Schreiben: "Die lange Zeit ohne Training und Spiele könnte von den Spielern nur sehr schwer aufgeholt werden, die Marktwerte der Betroffenen würden massiv sinken und die Arbeitslosigkeit extrem ansteigen." Schon in den vergangenen Tagen hatte es Kritik der Opposition, allen voran der SPÖ, an der Ungleichbehandlung der Frauenliga gegeben, die vom ÖFB aufgrund der mit einer Fortführung verbundenen hohen Kosten sofort abgebrochen worden war.


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Innerhalb der höchsten Männer-Spielklasse freilich ist die überwiegende Mehrzahl froh, dass es nun eine Perspektive gibt. Ausgerechnet beim Linzer ASK gibt es allerdings auch Bedenken, Vizepräsident Jürgen Werner sagt: "Ich zähle nach wie vor zu den Skeptikern, dass wir in 14 Tagen eine Mannschaft hinbekommen, die wettbewerbsfähig ist. Wir brauchen sicher auch noch ein Testspiel. Der vorgegebene Plan ist gewagt, doch wir sind darauf vorbereitet. Doch ich sage nochmals, ich habe moralische und ethische Bedenken."

Was wäre wenn?

Dass es in der Praxis bis zu einer endgültigen Entscheidung durchaus noch offene Fragen gibt, ging auch am Montag aus den Schilderungen der Betroffenen hervor. Denn dem Trainingsauftakt vorausgegangen waren seit Freitag Tests auf das Coronavirus Sars-CoV-2, die für alle auch künftig verpflichtend sein werden. Laut Präsident Siegmund Gruber hätten dabei zunächst zwei Spieler "leicht positive" Ergebnisse aufgewiesen, am Sonntag seien aber Nachtests negativ gewesen. "Stand gestern sind wir alle nicht infektiös", betonte Gruber.

Was aber passiert, wenn tatsächlich ein oder mehrere Fälle von Covid-19 innerhalb einer Mannschaft auftreten? Eine Möglichkeit wäre laut Gregor Hörmann, dem Geschäftsführer der österreichischen Gesellschaft für Laboratoriumsmedizin und klinische Chemie, die komplette betroffene Mannschaft unter Quarantäne zu stellen, doch dies hätte wohl den Abbruch der Meisterschaft zur Folge. Zwingend notwendig ist das Isolieren des gesamten Teams für Hörmann nicht - den Betroffenen aus dem täglichen Betrieb zu nehmen und dessen Kollegen noch genauer zu testen, könnte vielleicht ausreichen, so der Labormediziner.

Beim Linzer ASK wollte man sich darüber vorerst nicht den Kopf zerbrechen. Trotz einiger Skepsis war der Tenor beim Kleingruppentraining dann doch: Man sei froh, dass man auf dem Platz stehen könne. Und, eines bemerkte das geschulte Auge von Trainer Valerien Ismael sofort: "Die Jungs sind fit. Ich habe keinen Übergewichtigen gesehen." (apa/art)