Kein Schuld-, aber auch kein Freispruch: Das dürfte das Ergebnis oder besser Nicht-Ergebnis eines Betrugsprozesses sein, der den deutschen Fußball seit Jahren belastet. Die frühere DFB-Spitze rund um Ex-Präsident Theo Zwanziger ist wegen Ungereimtheiten rund um die WM 2006 in Deutschland angeklagt. Weil der Prozess, der erst am 9. März in der Schweiz begonnen hatte, aber wegen der Coronavirus-Pandemie ausgesetzt ist und die Verjährungsfrist am Montag abläuft, ist ein Ende wahrscheinlich.

Konkret geht es bei den Vorwürfen gegen Zwanziger, seinen Nachfolger Wolfgang Niersbach und Ex-Generalsekretär Horst Schmidt um eine Zahlung von umgerechnet rund 6,7 Millionen Euro, die über den Weltfußballverband  Fifa - dessen früherer Funktionär Urs Linsi ebenfalls wegen Beihilfe angeklagt ist - an den inzwischen verstorbenen Unternehmer Robert Louis-Dreyfus geflossen ist. Laut Auskunft der Angeklagten habe es sich um die Rückzahlung eines privaten Darlehens gehandelt, das Louis-Dreyfus dem Organisationskomitee rund um Franz Beckenbauer gewährt hatte. Mit der aufgenommenen Summe soll der später in Ungnade gefallene ehemalige Fifa-Funktionär Mohammed Bin Hammam überzeugt worden sein, dass dem DFB für die Organisation der WM 2006 ein Zuschuss von 250 Millionen Franken (234,46 Millionen Euro) gewährt wird.

 

Beckenbauer-Verfahren abgespalten

Beckenbauer wollte das Darlehen und die aufgelaufenen Zinsen nicht aus der eigenen Tasche bezahlen. Um die notwendige Einwilligung der Präsidialkommission für die umgerechnet 6,7 Millionen Euro zu erhalten, soll das Präsidium des Organisationskomitees die Zahlung kaschiert haben.

Zwanziger und Schmidt gaben vor, das Geld werde aus dem Kulturbudget der WM genommen und der Fifa für die Organisation einer Fußball-Gala bezahlt. Niersbach war über den Plan informiert - allerdings fand diese Gala nie statt.

Obwohl Beckenbauer das Darlehen aufgenommen hatte, ist er bisher nicht angeklagt worden. Dieses Verfahren wurde aufgrund seines gesundheitlichen Zustands abgespalten. (red)