Noch ist alles ein bisschen neu. Vor der Fahrt zum Stadion wollen Fragen über den Gesundheitszustand beantwortet werden, Fiebermessen gehört ab sofort ohnehin zum täglichen Geschäft. Es ist eine neue Form von Alltag, die Österreichs Bundesliga-Profis nach mehr als fünfwöchiger Absenz nun, da Training in Kleingruppen, aber ohne Körperkontakt wieder erlaubt ist, bei der Rückkehr an ihren gewohnten Arbeitsplatz vorfinden. Doch bei allen Einschränkungen dominierte auch bei Austria-Trainer Christian Ilzer, der seine Mannen am Mittwoch erstmals um sich versammelte, die Freude, überhaupt wieder Stadionluft schnuppern zu dürfen. "Es hat Spaß gemacht. Und es war schon in der Früh ein gutes Gefühl, bei Sonnenschein mit dem Auto zum Stadion zu fahren."

Dort trainierten die Spieler unter der Leitung von Ilzer beziehungsweise weiteren Mitarbeitern des Betreuerstabs 1:40 Stunden lang in fünf Gruppen à sechs Personen, auch Umkleidekabinen und Plätze sind voneinander getrennt. Wirkliche Aufschlüsse für spätere etwaige Meisterschaftsspiele geben diese Einheiten freilich nicht, das Wichtigste ist vorerst, den Ball wieder auf dem Fuß zu haben, den Lagerkoller aus den Knochen zu bekommen.

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Sie haben die Haare schön

An der Fitness mangle es aber nicht, wie Ilzer feststellte. "Körperlich haben sie gut gearbeitet in den vergangenen Wochen, nur die Frisuren sind bei einigen buschiger geworden", meinte er.

Ähnlich hatte sich am Vortag auch Rapid-Trainer Dietmar Kühbauer beim ersten Aufeinandertreffen mit seinen Kickern nach der Pause geäußert. Den neuen Umständen konnte er auch etwas Positives abgewinnen. "Bei manchen ist es gar nicht so schlecht, wenn sie Masken tragen." Nicht nur der Ball, auch der Schmäh rennt also in Wiens Stadien wieder.

Entscheidung über weiteren Fahrplan erst im Mai

Wann Ersterer es auch im Meisterschaftsbetrieb tun wird, ist allerdings nach wie vor ungewiss. Zwar gibt es grundsätzlich die Absicht, die Saison mit Geisterspielen fertigzuspielen. Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer erteilte der Hoffung, dass nach einer weiteren Videokonferenz am Freitag aber bereits eine Entscheidung bezüglich des Wie und Wann fällt, aber bereits eine Abfuhr. "Ich glaube, das wird noch um die zehn Tage brauchen bis Anfang Mai", sagte Liga-Vorstand Christian Ebenbauer am Dienstagabend in der ORF-Sendung "Sport aktuell".

Die Liga hat dem Sport- beziehungsweise Gesundheitsministerium seinen Angaben zufolge ein "umfassendes Konzept" bezüglich der erhofften Ligafortsetzung mittels Geisterspielen vorgelegt. "Dann findet hoffentlich schnell der Austausch statt, damit man schnellstmöglich Klarheit bekommt, unter welchen Voraussetzungen ein Spielbetrieb möglich ist", meinte Ebenbauer. "Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich mir nicht vorstellen, dass wir am Freitag sämtliche Information haben, die wir benötigen, um eine endgültige Entscheidung zu treffen." Vorerst müssen sich die Profis also weiterhin mit dem Gefühl, überhaupt zum Stadion fahren zu dürfen, zufrieden geben.