Europas Fußball-Ligen haben in den Wochen der Corona-Krise mehrheitlich auf Zeit gespielt. Fast überall gibt es Hoffnung auf eine Fortsetzung des Spielbetriebs, der gewiss länger ausschließlich vor verschlossenen Türen stattfinden würde. Fixe Re-Start-Termine konnten bisher nicht formuliert werden, Comeback-Pläne aber schon - ein Überblick.

England: Um die Heimat des Fußballs ist es zuletzt still geworden. Das Vereinigte Königreich ist bis mindestens Anfang Mai im Lockdown, Sportminister Oliver Dowden schloss den Sport betreffende Abenteuer aus. Die Klubs legten einstimmt fest, die Saison auf dem Rasen beenden zu wollen. Der Verband (FA) hat die Frist für die Beendigung der Saison ohne Zeitlimit ausgedehnt. Dass in der Premier League vor Anfang Juni wieder gespielt wird, ist äußerst unwahrscheinlich. Dann aber könnten die restlichen 92 Partien zentralisiert, vor verschlossenen Türen - im Wembley Stadium und am FA-Sitz in Burton - und während sechs Wochen über die Bühne gehen, so die medial verbreiteten Gedankenspiele der FA.

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Spanien: Laut Ligachef Javier Tebas würden die Klubs bei einem Abbruch rund eine Milliarde Euro verlieren. Wenig überraschend wird alles dafür unternommen, dass das nicht passiert. Das Land ist von der Pandemie schwer gebeutelt (über 20.000 Tote), bis 9. Mai gelten strikte Ausgangsbeschränkungen. Folgen Lockerungen, dürfen sich die Kicker laut Sportministerin Irene Lozano Hoffnungen machen. Die Liga hat eine Fortsetzung des Spielbetriebs für 6. Juni im Kopf, elf Runden fehlen. Vorher muss trainiert werden. Die vorgeschlagene Kasernierung in Trainingszentren wird der Spielvereinigung zufolge von den Profis nicht goutiert.

Deutschland: Die deutsche Liga könnte eine Vorreiterrolle unter den großen Ligen einnehmen. Der Ball liegt allerdings bei der Politik. Von dieser wurde einmal der 9. Mai für einen möglichen Neustart in Aussicht gestellt - ein Datum, das Zweifel birgt: Die Teams stehen noch nicht einmal im Mannschaftstraining. Eine Entscheidung könnte am 30. April fallen, wenn die Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel konferieren. Ziel ist es, die Saison bis zum 30. Juni abzuschließen. Immerhin: Die 36 Klubs der ersten und zweiten Liga bekommen die letzte ausstehende Rate für die Übertragungsrechte (laut Medienberichten 300 Millionen Euro) fast vollständig überwiesen. Sollte die Saison nicht zu Ende gebracht werden können, müssten die TV-Gelder aber zumindest teilweise zurückgezahlt werden.

Italien: Die Serie A will die Saison fertig spielen - obwohl sich sieben Klubs gegen eine Fortsetzung im von der Coronavirus-Pandemie besonders betroffenen Land ausgesprochen haben. Der Calcio ruht seit dem 9. März, zwölf Spieltage stehen noch aus. Bis zum 3. Mai gelten landesweite Ausgangssperren, tags darauf könnten die Fußballer für das Training isoliert werden. Die Entscheidung über eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs ist vertagt worden, nur Optimisten nennen den 24. Mai. Der Verband hat eine Verlängerung der Serie A bis zum 2. August angedacht.

Frankreich: Das Fußball-Leitungsgremium fasst den 17. Juni als Wiederbeginn ins Auge. Der Anschein von politischer Bevorzugung soll nicht aufkommen. Gesundheitsminister Olivier Veran schloss eine Trainings-Sondererlaubnis vor dem Ende der Ausgangbeschränkungen am 11. Mai aus, Sportministerin Roxana Maracineanu betonte: "Ein Wiederbeginn Mitte Juni ist das optimale Szenario, aber es gibt noch andere. Etwa eines Wiederbeginns im September." Die TV-Stationen Canal+ und beIN Sports halten indes von den Klubs ins Budget eingepreiste TV-Zahlungen in Höhe von etwa 150 Millionen Euro zurück.

Niederlande/Belgien: Die beiden Benelux-Staaten sind bisher die einzigen europäischen Ligen, die ihre Saisonen vorzeitig abgebrochen haben. Die Eredivisie endete faktisch am 21. April, als der niederländische Premier Mark Rutte alle genehmigungspflichtigen Veranstaltungen bis zum 1. September verbot. Die Wertung der abgebrochenen Spielzeit wird noch (heftig) diskutiert. In Belgien hatte die Liga nach einer Europacup-Ausschluss-Drohung seitens der Uefa einen Rückzieher gemacht. Nachdem die Uefa dies aber bereits abgeschwächt hat, ist eine entsprechende endgültige Entscheidung in der kommenden Woche wahrscheinlich.

Österreich: In der heimischen Liga sind noch zehn Liga-Spieltage plus ein drei Spiele umfassendes Europacup-Play-off sowie das Cup-Finale ausständig. Eine Fortsetzung wird mittels Geisterspielen angestrebt, ist aber vor dem Wochenende um den 16. Mai nicht realistisch. Am Freitag lotete die Bundesliga bei einer Video-Klubkonferenz die Zukunft aus.

Schweiz: Seit Ende Februar wurden in der Super League keine Spiele mehr ausgetragen. Eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs wurde zuletzt konkreter. Ein Konzept, das die Liga zusammen mit dem Institut für Infektionskrankheiten der Universität Bern erarbeitet hat, sieht die Fortsetzung nicht vor 20. Mai vor. Im Idealfall wäre die Saison, in der 13 Runden noch nicht gespielt sind, Anfang August beendet.

Schweden: Die im Kalenderjahr ausgetragene Allsvenskan soll verspätet am 14. Juni starten. Und das sogar vor Publikum - die deutlich freizügigeren Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus könnten dies möglich machen. Letztentscheidung ist keine gefallen. Zudem droht die Regierung neuerdings etwa mit Lokalschließungen, weil den Empfehlungen der Gesundheitsbehörden und Politikern vielerorts nicht nachgekommen wird.

Russland/Weißrussland: In Russland ruht der Ball, die Topklubs Spartak Moskau und Zenit St. Petersburg haben ihre Stadien samt Infrastruktur für die Einrichtung von Not-Krankenlagern im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie angeboten. Beim kleinen Nachbarn Weißrussland wird unverändert gekickt, auch an diesem Wochenende standen wieder Spiele auf dem Programm.

Südkorea: Ein fernes Land (mit rigidem Test-Programm) als Hoffnungsschimmer? Die K-League nimmt am 8. Mai hinter verschlossenen Türen den Spielbetrieb auf. Fünf Tage vor ihrem eigentlichen Start am 29. Februar war die Liga wegen der Covid-19-Pandemie gestoppt worden. Zumindest die ersten Runden sollen mit Geisterspielen über die Bühne gehen, die Saison wurde von 38 auf 27 Spieltage verkürzt.

Europacup: Die Uefa bestätigte am Donnerstag nur, weiter mit zwei Szenarien den Abschluss der Champions League und Europa League zu planen. Entweder sollen beide Wettbewerbe parallel zu den wieder gestarteten nationalen Ligen gespielt werden - oder im Anschluss im August. Dafür notwendiges Reisen und Grenzüberquerungen dürfte aber schwierig werden. Weitere Entwicklungen betreffen aus österreichischer Sicht vor allem den Lask, dessen Achtelfinal-Rückspiel in der Europa League gegen Manchester United nach dem 0:5 zu Hause aber nur noch ein Formalakt wäre. (apa)