So groß die Zuversicht auch war, so groß ist nun auch die Enttäuschung. Denn nach einem Gespräch der Vertreter der österreichischen Bundesliga mit dem Sport- und Gesundheitsministerium am Donnerstagnachmittag stellte dieses klar, dass es mit einer Aufnahme des Mannschaftstrainings - die Klubs hatten mit kommender Woche spekuliert - vor 15. Mai nichts werden wird. Damit hängt auch die Frage nach einem Zeitpunkt der ersten Spiele beziehungsweise jene, ob die Liga überhaupt fristgerecht zu Ende gebracht werden kann, in der Luft.

Knackpunkt ist vorrangig das mögliche Szenario, dass ein Spieler positiv auf das Coronavirus Sars-CoV2 getestet wird. Das Gesundheitsministerium fordert eine Quarantäne für alle "Kontaktpersonen", also die gesamte eigene Mannschaft, aber auch des gegnerischen Teams bei positiven Tests rund um Spiele. Tritt der Fall ein, stünde die Liga vor einer möglichen weiteren Unterbrechung oder auch dem endgültigen Abbruch der Saison - mitsamt den erheblichen Mehrkosten, die durch Tests und Spiele ohne Publikum entstehen. "Der Punkt ist für uns sehr wesentlich", erklärte Bundesliga-Vorstandschef Christian Ebenbauer im Gespräch mit der Austria Presse Agentur. "Es wäre immer dieses Damoklesschwert da."


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Rechtsgutachten des ÖFB
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Die Liga hatte in ihrem den Behörden vorgelegten Konzept bei einer positiven Testung lediglich eine Quarantäne für den betroffenen Akteur und sofortige Testungen für dessen direkte Kontaktpersonen vorgesehen. Das Papier, das unter anderem auf ein engmaschiges Programm regelmäßiger PCR-Tests setzt, muss nun bis Ende der kommenden Woche überarbeitet werden. "Es ist eine gewisse Enttäuschung dahinter. Man muss sich sammeln", sagte Ebenbauer nach den unerfreulichen Antworten, die er vom Gesundheitsministerium erhalten hatte. "Aufgeben werden wir sicher nicht. Es sind neue Parameter, und wir unternehmen einen neuen Anlauf." Immerhin stimmte die Behörde Testpools von bis zu fünf Personen zu, deren Proben zusammen analysiert werden können, was eine massive Kostenreduktion bedeuten würde. "Ob in derselben Häufigkeit wie von uns vorgesehen, ist offen", erklärte Ebenbauer.

Denn über allem steht die Frage nach dem Personenkreis für eine allfällige Quarantäne. Mannschaftstraining ist nicht vor 15. Mai erlaubt, die Saison könne laut Ebenbauer dadurch sicher nicht im Juni enden. Sollte auch mit der nächsten neuen Verordnung von Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) Mitte Mai nicht voll trainiert werden können, könnte es für die Liga zu spät sein. "Die Zeit rinnt derzeit durch die Finger", sagte Ebenbauer. "Auch das Zeitfenster für die nächste Saison muss genau betrachtet werden."

Bei Abbruch droht Rattenschwanz

Immerhin besteht die Hoffnung, dass bis dorthin eine Besserung der Rahmenbedingungen eintritt. Die Saison 2019/20 wird frühestens Ende Mai fortgesetzt. "Das Ziel bleibt ein sportlich fairer Wettbewerb", betonte Ebenbauer. Dieser müsse für die Klubs aber auch wirtschaftlich Sinn machen. Durch die Verlängerung der Spielzeit in den Juli hinein würden "Nebenthemen" entstehen - etwa Verträge und Leihverträge von Spielern, die mit 30. Juni auslaufen, oder Vorverträge von Kickern mit neuen Klubs. Vor zwei Wochen hatte Ebenbauer die Chance auf eine Liga-Fortsetzung noch als "groß" bezeichnet. Die Zuversicht ist auch beim 44-jährigen Wiener kleiner geworden. Am Donnerstagvormittag sei die Wahrscheinlichkeit auf eine Wiederaufnahme noch höher gewesen als am Abend nach dem ersten offiziellen Termin mit dem in der aktuellen Situation letztentscheidenden Gesundheitsministerium, räumte Ebenbauer ein.

Einen Rattenschwanz würde ein vorzeitiger Abbruch der Saison in jedem Fall nach sich ziehen. Die SV Ried und Austria Klagenfurt, in der zweiten Liga auf den Plätzen eins und zwei, haben für die Bundesliga-Hauptversammlung nächsten Donnerstag (7. Mai) einen Antrag auf Aufstockung der höchsten Spielklasse von 12 auf 14 Teams eingebracht, um ein juristisches Nachspiel zu verhindern. Ebenbauer äußerte Verständnis für das Ansinnen der beiden Klubs, eine einvernehmliche Lösung zu suchen. Die Entscheidung liege bei den Mitgliedsvereinen, eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Stimmanteile ist vonnöten. "Wir werden das Thema aufbereiten, um den Klubs eine Entscheidungsgrundlage zu liefern", sagte der Vorstandsvorsitzende. "Man muss sich damit auseinandersetzen."

Das gilt freilich auch bei der Frage nach dem Meister beziehungsweise den Europacup-Starten, sollte die Liga nicht auf sportlichem Weg beendet werden können. Der ÖFB hat vor zwei Wochen auf Basis eines Rechtsgutachtens erklärt, die Nennung der ÖFB-Vertreter für die europäischen Klubbewerbe hänge von einer "ordnungsgemäßen Durchführung der Meisterschaft und des Cup-Bewerbs" ab. "Sollte dies nicht möglich sein, wird das ÖFB-Präsidium unter Anwendung der diesbezüglich im Gutachten festgelegten Grundsätze entsprechende Beschlüsse fassen", hieß es.

Schadenersatzforderungen in Frankreich

Dass derartige Entscheidungen nicht folgenlos bleiben dürften, zeigt indessen ein Blick nach Frankreich. Dort war die Liga auf Druck der Politik abgebrochen und Tabellenführer Paris Saint-Germain der Meistertitel zugesprochen worden. Olympique Lyon, das nach der 28. Runde nur auf dem siebenten Platz lag, gratulierte den Parisern zwar zum Titel, forderte aber gleichzeitig, das dieser gleichzeitig auch seiner Frauenabteilung zugesprochen wird. Zudem kündigte der Traditionsklub, der aufgrund seiner schlechten Platzierung erstmals seit 20 Jahren nicht im Europacup vertreten sein wird, einen Einspruch gegen die Entscheidung sowie Schadenersatzforderungen "in Höhe von mehreren zehn Millionen Euro" wegen Verdienstausgangs an. Auch in Frankreich ist die Enttäuschung offenbar groß.

Doch während dort der Abbruch bereits beschlossene Sache ist, gibt es in Österreich und anderen Ländern wenigstens noch die Chance auf einen Wiederbeginn - wenngleich später als erhofft. Denn auch in Deutschland, England und Spanien muss sich der Fußball noch gedulden. "Zur Zeit ist es unmöglich, einen Termin für die Wiederaufnahme der Bewerbe festzulegen", sagte die Leiterin der obersten Sportbehörde (CSD) in Madrid, Irene Lozano. Im Wartezimmer befindet sich Österreichs Fußball damit in guter Gesellschaft. (art/apa)