Südkorea steht in etwa so (gut) da wie Österreich: Die südkoreanischen Behörden meldeten am Sonntag lediglich 13neue Infektionen mit dem Coronavirus, womit sich die Gesamtzahl der landesweit registrierten Infektionsfälle auf insgesamt 10.793 erhöhte (in Österreich waren es am Sonntag 15.597 positive Testergebnisse). Aufgrund dieser Daten kann auch der lange vorbereitete Rückkehrplan des Fußballs ohne große Bedenken eingehalten werden: Ab Freitag, 8.Mai, soll in der K-League wieder der Ball rollen - und damit in der ersten relevanten Liga auf dem Erdball (in Weißrussland, Tadschikistan, Nicaragua, Turkmenistan und Taiwan gab es de facto keine Spielpause). Immerhin stellt die Liga des Dauer-WM-Teilnehmers die meisten Sieger in der Champions League des asiatischen Verbandes AFC.

Ursprünglich hätte die im Ganzjahres-System ausgetragene Liga am 29.Februar in die neue Spielzeit starten sollen. Doch das asiatische Land war eines der ersten, das stark vom Coronavirus getroffen wurde - allerdings auch eines, das sehr gut damit umzugehen wusste.

Die Auflagen, unter denen die K-League 1 nun starten darf (tags darauf legt auch die K-League 2 los), klingen freilich altbekannt. Insbesondere für die europäischen Ligen wird spannend zu beobachten sein, wie diese in der Praxis dann funktionieren. Zuschauer werden nämlich in den Stadien nicht zugelassen sein - jedenfalls "anfänglich", wie es relativ mehrdeutig hieß. Denn der Verband betonte auch, dass man auf weitere Lockerungen der Maßnahmen durch die Regierung wartet, um die Fans dann schrittweise wieder zuzulassen. Dass über die gesamte Saison, die bis in den November hinein dauert, kein Publikum geben könnte, darüber verliert man in Südkorea nämlich vorerst noch kein Wort.

Allerdings wurde die Meisterschaft vorsorglich ziemlich abgespeckt: Statt 38 Spieltage gibt es nur deren 27. Wie in Österreich sind 22 Runden im Grunddurchgang geplant - danach aber nur fünf Play-off-Spieltage um Meistertitel und Abstieg.

Und was passiert, wenn jemand positiv getestet wird? Sollte ein Spieler oder Funktionär betroffen sein, wird die ganze Mannschaft zwei Wochen unter Quarantäne gestellt. Und - je nach den Resultaten des in Südkorea konsequent betriebenen "Contact Tracing" per App - womöglich auch der letzte Gegner. Anders als in Europa wäre die Maßnahme aber nicht gleichbedeutend mit dem Saisonabbruch, weil ja noch bis November Zeit wäre und die Ligaoffiziellen zudem die Möglichkeit haben, die Saison im Erstfall nach dem Grunddurchgang (also 22 Spielen) zu beenden. Selbst bei einer Art zweiter Corona-Welle scheint dieser Modus durchaus machbar zu sein.

Nur wenn keine 22 Spiele absolviert werden können, wird die Meisterschaft nicht gewertet - es gibt dann keinen Meister und keine Absteiger.

Zum Auftakt des koreanischen Fußballs in der Corona-Ära gibt es gleich ein Spitzenspiel: Der amtierende Meisters Jeonbuk Hyundai Motors empfängt den Cupsieger Suwon Samsung Bluewings - das Spiel steigt gut 240 Kilometer südlich der Hauptstadt Seoul in Jeonju. Am Samstag folgen drei weitere Spiele im Oberhaus, am Sonntag deren zwei.

Lockerungen bei Veranstaltungen

Auch in anderen Bereichen sorgen die deutlichen Rückgänge bei den Corona-Neuinfektionen für Lockerungen. So wurde etwa am Sonntag verkündet, dass ab Mittwoch unter bestimmten Auflagen wieder Versammlungen und Veranstaltungen stattfinden dürfen, erklärte Regierungschef Chung Sye-kyun. "Wir werden am Mittwoch das Quarantäne-Programm für den Alltag einführen", sagte Chung. Voraussetzung für die Genehmigung von Versammlungen und Veranstaltungen sei, dass dabei "die Desinfektionsmaßnahmen befolgt" würden, sagte Chung. Auch in anderen Sportarten - etwa Baseball - können die Ligen vor leeren Rängen wieder starten. Laut der Nachrichtenagentur Yonhap will die Regierung die Schulen voraussichtlich ab Mitte Mai wieder öffnen.

Das 52-Millionen-Einwohner-Land war zu Beginn der Pandemie das nach China am zweitstärksten von dem Virusausbruch betroffene Land weltweit. Durch umfangreiches Testen, das Nachverfolgen von Kontakten und eine Kontaktsperre konnte der Ausbruch unter Kontrolle gehalten werden. (may)