Wie hast du’s mit der Quarantäne? Tatsächlich ist das die Gretchenfrage im heimischen Fußball, die möglicherweise auch über Wohl oder Wehe, Sein oder Nicht-Sein einiger Bundesligaklubs entscheiden wird. Denn genau an der Q-Frage ist vorige Woche ein rascher Neustart des Liga-Betriebes ab Mitte Mai gescheitert, weil insbesondere Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) das Konzept der Bundesliga im Falle eines positiven Corona-Tests als zu unsicher erschien und sich daher das Fußballgeschehen vorerst in den Juni/Juli verlagern würde respektive jetzt überhaupt am seidenen Faden hängt. Nun allerdings deutete Anschober ein Einlenken und ein synchrones Vorgehen zu Deutschland an, wo am Mittwoch wohl endgültig grünes Licht für Spiele ab 15. Mai gegeben wird - und zwar ohne extrem strenge Quarantäne-Regeln.

Keine Gruppenquarantäne

Im Sicherheits- und Hygienekonzept der deutschen Bundesliga ist nämlich ganz klar festgelegt, was im Falle eines positiv getesteten Spielers zu passieren hat: Dann muss nämlich nicht automatisch die ganze Mannschaft in die Isolation. Mit Hilfe von Dauertestungen können Spieler und Betreuer in die KategorieII (geringeres Infektionsrisiko) eingeordnet werden, die "optional anzuwendende informatorische und kontaktreduzierende Maßnahmen" statt einer Gruppenquarantäne zur Folge hat, wie es heißt.

Die österreichische Bundesliga wollte in ihrem Konzept ähnlich vorgehen - dass eben nur der betroffene Akteur isoliert wird und sofortige Testungen für dessen direkte Kontaktpersonen angeordnet werden. Das war dem Gesundheitsministerium aber zu wenig, es beharrte zunächst darauf, dass auch alle Kontaktpersonen in Quarantäne zu stellen seien - also damit de facto die gesamte Mannschaft und eventuell sogar jene des Gegners. Damit würde ein einzelner Corona-Fall wohl oder übel den Liga-Abbruch zur Folge haben, das Neustart-Programm damit zu einem fragwürdig-fragilen Konstrukt machen. Das wiederum von einem Gros der Klubs gar nicht mitgetragen würde, weil damit das Kostenrisiko maximiert würde.

Allerdings ließ Anschober, der in der Corona-Krise schon so manche Kapriolen geschlagen hat, ein Umdenken und einen Kompromiss erkennen: "Wir schauen uns natürlich auch in diesen Tagen internationale Erfahrungen an, in der Schweiz etwa, aber auch für uns von großem Interesse ist die Entscheidung, die in Deutschland unmittelbar bevorsteht und für morgen angekündigt ist", erklärte Anschober am Dienstag. In der Quarantäne-Frage ("die sensibelste aller Fragen") werde man in Gesprächen mit der Bundesliga "versuchen, da einen Konsens herzustellen. Das ist noch offen, da kann ich noch nicht vorgreifen, ob es funktioniert." Damit scheint jedenfalls der harte Kurs vorbei zu sein.

Tag der Entscheidung

Zumal sich laut deutschen Medienberichten Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer bereits am Montagabend auf das Geisterspiel-Neustart-Konzept der deutschen Bundesliga verständigt haben. Das, obwohl in unserem Nachbarland manche Restriktionen - Schließung größerer Geschäfte - im Gegensatz zu Österreich derzeit noch aufrecht sind; und trotz der am Montag bekannt gewordenen zehn Corona-Fälle in den 36 Klubs der 1. und 2. deutschen Bundesliga, die bei vielen Beobachtern Zweifel aufkommen ließen. Dennoch stehen die Ampeln klar auf Grün. Vorsorglich hat die deutsche Fußball-Liga für Donnerstag zu einer Mitgliederversammlung geladen, um die Wiederaufnahme der Saison dingfest zu machen. Hier wie da geht es mittlerweile ums nackte Überleben: Laut DFL sind es 750 Millionen Euro, die in dieser Saison noch fließen würden - zudem gilt es, gut 56.000 Menschen in Beschäftigung zu halten. "Wir wollen keine Extrawurst, das ziemt sich auch nicht in diesen Zeiten. Aber wir sind ein Wirtschaftsunternehmen wie viele andere", betonte DFL-Chef Christian Seifert.

Ähnlich argumentierte Salzburgs Geschäftsführer Stephan Reiter in "Sport und Talk aus dem Hangar-7" auf Servus-TV. In Österreich hingen 22.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt mit dem Fußball zusammen und würden mehr als 800 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften. Auch die Corona-Fallzahlen würden - wie in anderen Sparten soeben geschehen - klar für Lockerungen sprechen. "Wir haben hervorragende Zahlen, und ich frage mich schon, wenn es jetzt nicht geht, was sollte im August oder September anders sein", so Reiter. Sollte man dann auch nicht spielen können, würde es nicht nur die heimische Fußball-Landschaft, sondern auch die Teamsport-Klub-Landschaft in der jetzigen Form nicht mehr geben.