28 Jahre ist es nun her, dass Österreichs Trainerlegende Ernst Happel verstarb. Doch die Erinnerung an ihn ist nach wie vor präsent: in Wien ebenso wie in Hamburg und in Rotterdam. Dort wird heute inmitten des Coronavirus-bedingten Sportstillstands ein besonderes Jubiläum begangen. Denn vor 50 Jahren, am 6. Mai 1970, feierte Feyenoord unter Happel eine Sternstunde, die nicht nur die Herzen eingefleischter Fans zum Glühen brachte: Mit einem 2:1-Finalsieg nach Verlängerung gegen Celtic Glasgow gewann die Mannschaft in Mailand den Meistercup. Es war der Grundstein für eine Hegemonie des niederländischen Fußballs.

Dreimal in Serie ging die wichtigste Trophäe im europäischen Klubfußball danach an Ajax Amsterdam. "Auch wenn sie dir in Amsterdam erzählen, dass sie den Cup viermal gewonnen haben, wir waren die ersten", sagte Happels damaliger Kapitän Rinus Israel in einem Interview mit dem Magazin "Voetbal International".

Israel gelang beim Showdown vor 50 Jahren im San Siro in der ersten Hälfte der Ausgleich. Für die Entscheidung sorgte der schwedische Legionär Ove Kindvall in der 117. Minute nach einem langen Ball, den Celtic-Kapitän Billy McNeill nicht zu klären vermocht hatte. Aufseiten der Niederländer jubelte mit dem herausragenden Spielmacher Franz Hasil auch einer der größten ÖFB-Legionäre der Geschichte.

Feyenoord war als Außenseiter ins Finale gegangen, nachdem Celtic zuvor im Halbfinale auf eindrucksvolle Art und Weise Leeds United ausgeschaltet hatte. Die Schotten hatten zudem mehr Erfahrung auf der großen Bühne, hatten sie den Meistercup doch bereits drei Jahre zuvor erobert.

Stilistische Innovation

Die Happel-Truppe deutete ihr Potenzial aber bereits in der zweiten Runde an, als sie Titelverteidiger AC Milan eliminierte. Im Finale folgte eine Glanzleistung, die den Ruf des niederländischen Fußball als Vorzeigemodell begründete. Happel ließ seinem Team in Ballbesitz viele Freiheiten, im Kampf gegen den Ball machte es aber die Räume eng - zu dieser Zeit ein innovativer Zugang.

"Bemerkenswert Rotterdams glänzende Technik, die Sicherheit in der Realisierung von Happels taktischem Konzept", schrieb die Austria Presse Agentur am 6. Mai 1970. "Die Kaltblütigkeit, mit der in der Abwehr der Ball gehalten, der aufbauende Pass bevorzugt wurde, wie schnell das - im übrigen durchaus beherrschte - Mittelfeld überwunden wurde und wie viele Chancen den Stürmern eröffnet wurden."

Happel wiederholte den Meistercup-Sieg 1983 mit dem Hamburger SV. Mit Hasil und Feyenoord gewann der Wiener 1970 auch den Weltpokal sowie nach 1969 noch 1971 einen zweiten Meistertitel. Für den großen Aha-Effekt in Europa sorgte sein Team aber an diesem Mittwoch im Mai in Mailand.

Mehr Veränderung als durch Ajax

"Es war der Moment, als ein Klub eines anderen Landes (außerhalb der großen europäischen Ligen) gewonnen hat und plötzlich jeder aus diesem Land daran geglaubt hat, das ebenfalls schaffen zu können", erinnerte sich Mittelfeldspieler Wim Jansen. Ajax mit dem legendären Johan Cruyff wurde in den folgenden Jahren mit seinem "Voetbal Total" zum Seriensieger.

Sieben von Feyenoords Meistercup-Siegern von 1970 standen vier Jahre später im Kader des niederländischen Nationalteams, das erst im WM-Finale Gastgeber Deutschland unterlag. 1978 mussten sich die Oranjes unter "Wödmasta" Happel gar erst in der Verlängerung des WM-Endspiels Argentinien geschlagen geben.

"Feyenoord hat die Art und Weise, wie Fußball gespielt wird, in dieser Zeit viel mehr verändert, als es Ajax später getan hat", meinte der frühere Happel-Schützling Wim van Hanegem. "Wir haben mit Offensivgeist gespielt, haben den Ball schnell bewegt, hatten vorne Geschwindigkeit und waren entschlossen in den Zweikämpfen. Diese ganze Saison (1969/70) hatten wir nie irgendwelche Zweifel." (apa)