Es ist ja im Fußball so: Manchmal zieht sich ein Match dahin wie ein Strudelteig, manchmal kann’s dann auch ganz schnell gehen. Bei der österreichischen Bundesliga war sozusagen beides gleichermaßen der Fall: Nachdem sie in der Vorwoche einen Dämpfer in ihren Bemühungen um eine rasche Wiederaufnahme der Meisterschaft erhalten hatte, Sportminister Werner Kogler am Montag aber Optimismus versprüht hatte, flatterte dann am Dienstagmorgen das Terminaviso zu einer Pressekonferenz mit ihm, Gesundheitsminister Rudolf Anschober sowie Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer ein. Dort erläuterte Anschober zunächst das Präventionskonzept, das für "Mannschaftssport im Freien, der entgeltlich ausgeübt wird", mit der am Mittwoch herauszugebenden neuen Verordnung und ab 15. Mai gelte, ehe er danach die entscheidenden Worte sagte: "Dieses Konzept ist die Grundlage, dass die Bundesliga jetzt wieder fortgesetzt werden kann."

Zuletzt hatte es sich an der Frage gespießt, was im Falle eines positiven Sars-CoV-2Tests zu passieren habe. Das Gesundheitsministerium hatte ursprünglich gefordert, dass dann die gesamte Mannschaft – und möglicherweise auch jene des Gegners – unter Quarantäne gestellt werden müsse, was erst recht wieder einen Abbruch der Meisterschaft zur Folge hätte. Nun ist diese Kollektiv-Quarantäne vom Tisch, stattdessen soll es bei Auftreten eines positiven Falles bei einem Spieler – der selbstverständlich selbst unter Quarantäne gestellt werden muss – vor jedem weiteren Training beziehungsweise Wettkampf durchgehende Kontrollen und Tests seiner Kontaktpersonen geben. Diese müssen sich zwar im Alltag ebenfalls isolieren, dürfen - im Falle negativer Ergebnisse - aber an den sportlichen Aktivitäten teilnehmen. Ein Mannschaftsarzt, der von jedem Klub genannt werden muss, hat auf die Hygiene- und Präventionsregeln sowie jene, die im Falle einer positiven Testung schlagend werden, zu achten und diese laufend zu kontrollieren. Unter Erfüllung dieser Grundvoraussetzung falle für Sportarten, die zu genannter Kategorie zählen, die Regelung, wonach bei Sportbetätigung im Freien ein Abstand von zwei Metern gehalten werden muss.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober hatte den Ball zuletzt flach gehalten. - © APAweb / Helmut Fohringer
Gesundheitsminister Rudolf Anschober hatte den Ball zuletzt flach gehalten. - © APAweb / Helmut Fohringer

Während die Bundesliga also nach der dadurch und durch die vorangegangenen Tests ermöglichten Aufnahme eines normalen Mannschaftstrainings ab Freitag mit einem recht raschen Neustart rechnen kann – das Cupfinale könnte zu Pfingsten, die erste Runde unmittelbar danach stattfinden –, müssen sich andere Sportarten dennoch noch ein bisschen gedulden. Zunächst müssen auch sie ein schlüssiges Konzept darlegen und die Voraussetzungen erfüllen. "Die Bundesliga ist hier der Pilot und das Modell", sagte Anschober, "von dem wir durch wissenschaftliche Begleitung für andere Bereiche lernen wollen." Ein genaues Datum nannte er nicht, klar sei aber, dass man "keine Lex Bundesliga" schaffen wollte, sondern auch andere Bereiche davon profitieren sollen.

Veranstaltungen mit Zuschauern sind freilich vorerst ausgeschlossen, doch auch hier stellte Anschober für die weitere Zukunft mögliche Lockerungen in Aussicht. In der ersten Juni-Woche wolle man intensive Evaluierungen vornehmen, um zu entscheiden, wie in Zukunft mit Veranstaltungen umgegangen werden könne, bei denen mehrere Menschen zusammenkommen. Auch im Amateurbereich gibt es für den Mannschaftssport derzeit noch keine weiteren Lockerungen, ÖFB-Präsident Leo Windtner äußerte sich aber zuversichtlich, dass die Bundesliga ein erstes, wichtiges Signal gebe.

Entscheidung für die zweite Liga erst kommende Woche

Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer zeigte sich "erleichtert, dass wir den Ball aufnehmen können" – nun liege dieser aber bei den Klubs, die über den Wiederanpfiff unter den geforderten Bedingungen zu bestimmen haben. Nach der Grundsatzentscheidung aus der Politik und der vorangegangenen Erarbeitung des Konzepts ist dies freilich nur noch ein Formalakt. Schon morgen, Mittwoch, steht die nächste Klubkonferenz bevor, bei der über den Rahmenterminplan diskutiert werden soll.

Etwas anders ist die Lage freilich in der zweiten Liga. Mit der neuen Verordnung wurde zumindest die Möglichkeit geschaffen, dass auch sie - "bis 31. Juli, weil mit Ende Juni kann sich sowieso nicht mehr ausgehen", wie Ebenbauer sagte - fertiggespielt werden kann. Mit Ausnahme von Cupfinalist Austria Lustenau durfte bisher noch keine Mannschaft trainieren. Das ist zwar mit der neuen Verordnung aufgehoben, allerdings ist nicht nur der zeitliche, sondern auch der finanzielle Druck nun groß. "Hier sind wir noch nicht so weit wie in der ersten Liga, weil es erst Dinge zu klären gibt wie: Können und wollen wir unter diesen Bedingungen überhaupt die Meisterschaft zu Ende bringen?" Die Meinungen bei den Klubs gehen hier auseinander, eine Konferenz am Nachmittag wurde abgebrochen, eine Entscheidung auf kommende Woche vertagt. Manchmal zieht sich das Match dann eben doch länger.