Es ist schon fast ein halbes Jahrhundert her. Es hatte bei weitem nicht die Dimension der Corona-Epidemie mit wochenlangem Stopp der Fußballmeisterschaft wie jetzt. Aber im Mai 1973 sorgte eine Tierseuche, die Maul- und Klauenseuche im Burgenland und Niederösterreich, in der damaligen obersten Spielklasse, der Nationalliga, sechs Runden vor Saisonende für ein teilweises Aussetzen der Meisterschaft für Admira Wacker und SC Eisenstadt. Nach den Nachtragsspielen der beiden Vereine bis Anfang Juli hatte der SK Sturm Graz in der Zuschauerrolle zunächst das Bummerl als dritter Absteiger. Letztlich wurde am grünen Tisch aber entschieden, dass die Steirer oben bleiben und die Nationalliga 1973/74 auf 17 Klubs aufgestockt wird.

"Wir haben das auch korrekt gefunden", sagt dazu einer jener Spieler, die damals für Sturm tätig waren, 47 Jahre später im Gespräch mit der "Wiener Zeitung", Kjeld Seneca. Der seinerzeitige dänische Legionär und Leistungsträger lebt inzwischen in St. Stefan ob Stainz in der Weststeiermark. In seiner Wahrnehmung hat das Aussetzen der Spiele von Admira und dem Gegner im Abstiegskampf, Eisenstadt, dazu geführt, dass die Burgenländer im Saisonfinish bei den Nachtragsspielen leichter zu Punkten gekommen sind. "Wir waren schon fertig und haben einen Punktepolster gehabt. Wir waren schon ziemlich sicher, dass wir oben bleiben", schildert Seneca, der mit Torjäger Kurt Stendal und seinem Landsmann Iver Schriver ein Dänen-Trio bei den Steirern bildete. Der Punktepolster reichte aber nicht. Die Grazer mussten zusehen, als Eisenstadt nachträglich am 4. Juli 1973 zuerst die Wiener Austria mit 3:1 besiegte. Am 7. Juli holten die Eisenstädter gegen den schon feststehenden Vizemeister Rapid mit einem 1:1 in Hütteldorf den rettenden Punkt für den Klassenerhalt. "Die spielten mit der zweiten Mannschaft", erinnert sich Seneca. Rapid hatte Spielern bereits Urlaub gegeben. Innsbruck wurde übrigens Meister.

Entscheidung in einem Abstimmungskrimi

Die Entscheidung für den Verbleib von Sturm Graz und eine Aufstockung auf einer Nationalliga mit 17 Klubs fiel wenige Tage später in einer Sitzung des ÖFB-Bundesvorstandes. Der entschied mit 8 gegen 6 Stimmen äußerst knapp für diese Variante. In einem Bericht, der zum Beginn der Corona-Ausgangssperren Mitte März auf die Sturm-Vereins-Homepage gestellt wurde, ist über die damalige Freude über den Abstimmungskrimi zu lesen: "Präsident Hans Gert meldete sich telefonisch im alten Sturm-Sekretariat im Klubhaus der Gruabn: ,Sturm bleibt oben.‘" Daraufhin habe man mit einem Sekt gefüllten Pokal in Graz gejubelt. Ein Jahr später folgte ein weiterer Schnitt mit der Einführung der Zehner-Liga im Jahr 1974. Sturm blieb dank einer Fünf-Jahres-Wertung auch da weiter oben.

Sportlich verlief schon die Saison 1973/74 nach dem Abstiegskampf und dem knapp verhinderten Abstieg unter Trainer "Sir" Karl Schlechta sehr zufriedenstellend. Zeitweise war Sturm im Herbst 1973 sogar Tabellenführer. Dabei waren die Wiener Großklubs Austria ("noch eine andere Austria als heute", sagt Seneca schmunzelnd) und Rapid, aber auch Innsbruck über die die Grazer zu stellen. Bei Sturm waren schwarz-weiße Dauerbrenner wie Fredl Wirth, aber auch der junge "Eisenfuß" Manfred Steiner in der Mannschaft. Ein wesentlicher Teil des Teams bestand noch aus Halbprofis. "Die sind bis um 16 Uhr arbeiten gegangen", erzählt Seneca.

Verständnis für Ried und Klagenfurt

Er selbst hat nach einer Verletzung schon mit 28 die Fußballer-Karriere beenden müssen und kehrte zum Studium in seine Heimat zurück, war dann in Dänemark AHS-Lehrer. 1988 kam er dann als sportlicher Direktor zu Sturm Graz für rund drei Jahre zurück. Später war er für ein Geldinstitut, das auch Sponsor der Steirer war, beruflich tätig. In der Pension verfolgt Seneca von der Weststeiermark aus auch die Vorgänge im heimischen Spitzenfußball. Die Zeitligaspitzenklubs SV Ried und Austria Klagenfurt wollten wegen der großen Fragezeichen, ob die zweite Liga fortgesetzt wird, eine Aufstockung der Bundesliga von 12 auf 14 Klubs beantragen, sind damit aber abgeblitzt. "Ich verstehe Ried und Klagenfurt, dass die das so sehen", sagt der Ex-Sturmspieler, der wegen der Folgen einer Seuche 1973 selbst lange um den Verbleib in Österreichs oberster Liga zittern musste.