"Es ist ein guter Tag für den Fußball", sagte Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer. Denn nachdem die Politik am Dienstag grünes Licht für eine Wiederaufnahme der Meisterschaft gegeben hatte, konnte in einer Klub-Konferenz am Tag darauf der Rahmenterminplan festgelegt werden.

Demnach rollt der Ball in Österreichs Profifußball, in dem an diesem Freitag das Mannschaftstraining aufgenommen werden kann, ab 29. Mai auch wettkampfmäßig wieder. Dann steigt nämlich das Cupfinale zwischen Austria Lustenau und Red Bull Salzburg. Am Pfingstsdienstag soll die erste Runde nach der Wiederaufnahme der Bundesliga stattfinden, danach wird es in englischen Wochen weitergehen, wie Ebenbauer sagte. "Es wird ein intensives Programm", meinte er, man sei aber froh, nun als "Vorbild für den Mannschaftssport" vorangehen und für eine sportliche Entscheidung sorgen zu können. Das letzte Spiel der Meistergruppe soll demnach am 5. Juli erfolgen, danach das Europa-League-Play-off.

Zudem bekannten sich die Klubs einstimmig zum Präventionskonzept, das gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium ausgearbeitet wurde, sowie zur zusätzlichen Durchführung von PCR-Tests. "Gesundheit kennt keine Kompromisse", betonte Ebenbauer. Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Studie, die den Neubeginn der Meisterschaft begleiten sollen, wolle man der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. "Wir sind uns unserer Vorreiterrolle bewusst."

Andere Fragen wie beispielsweise jene nach der zweiten Liga sowie den Anstoßzeiten in der ersten sind freilich noch offen, die Verhandlungen vor allem mit dem Rechte-Partner Sky laufen weiter auf Hochtouren. "Wir wollen eine gute Lösung für alle finden", sagte Ebenbauer, dem die Erleichterung anzumerken war. Schließlich hatte es vor zwei Wochen noch ganz anders ausgesehen. Doch nachdem die Bundesregierung am Dienstag grünes Licht gegeben hatte, steht einem Ankick – vorerst – nichts mehr im Weg.


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Präventionskonzept der Bundesliga
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Nehmen, was wir kriegen

Der dichte Terminplan - eigentlich hätte man länger Zeit, die Saison zu Ende zu bringen - bringt den heimischen Klubs einen gewissen Polster. "Wir haben für den 'worst case' noch ein bisschen Spielraum", sagte Rapids Geschäftsführer Wirtschaft Christoph Peschek danach im ORF-TV. "Er ist mit großer Mehrheit angenommen worden."

Für Peschek ist es der "erste, wichtige Schritt" zurück in die Normalität. "Wir haben mit dem Rahmenterminplan eine klare Perspektive und eine entsprechende Sicherheit für die Spieler und Trainer", sagte der grün-weiße Funktionär. Sein sportlicher Konterpart in Grün-Weiß, Zoran Barisic, zeigte sich mit dem Spielplan angesichts der Notlage zufrieden. "Unter normalen Umständen würde ich sagen, es reicht nicht. Wir befinden uns aber nicht in einer normalen Situation. Daher nehmen wir alles, was wir kriegen", erklärte Barisic.

Die jüngste aus Sicht des Oberhauses erfreuliche Entwicklung lässt Peschek, so wie auch Austrias Vorstandsvorsitzenden Markus Kraetschmer schon von einer nahen - noch besseren - Zukunft träumen. Man müsse sich nun auch überlegen, "wie könnte eine Teilöffnung der Stadien ausschauen, wie könnten die Zutritte passieren?", merkte Peschek an, wohlwissend, dass "noch eine Menge an Details zu klären" sind.

Auch Kraetschmer denkt daran, wie das "Publikum möglichst schnell in Stufen wieder zurückkehren kann". Das Übertragungsrisiko sei laut Untersuchungen im Freiluftbereich geringer als etwa drinnen, erklärte Kraetschmer. "Man sollte hier logisch und in einer Gleichbehandlung vorgehen. Wenn funktioniert, was in den Gasthäusern und Restaurants am Wochenende kommen soll, warum soll das dann in einer vernünftigen Abstimmung nicht auch in einem Stadion funktionieren. Wenn es wer kann, dann sind es die Bundesliga-Klubs mit Zutrittssystemen zu den Stadien."

Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer zeigte sich erleichtert. - © APAweb / Roland Schlager
Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer zeigte sich erleichtert. - © APAweb / Roland Schlager

Kraetschmer mahnte nach der Klubkonferenz aber alle Beteiligten zu höchster Aufmerksamkeit in den kommenden Wochen. "Es geht darum, die Spieler, die Trainer und Betreuer aktiv zu schulen. Denn wir wissen, dass wir eine Vorreiterrolle und Vorbildfunktion haben. Wir müssen sehr, sehr diszipliniert an diese Aufgabe herangehen", sagte der 48-Jährige.

Drahtseilakt in Deutschland

Allerdings zeigt sich die Wackeligkeit des Konstrukts auch am Beispiel Deutschlands, wo ab Samstag wieder Bundesliga gespielt werden soll. Denn dessen Vorreiterrolle erweist sich als riskanter Drahtseilakt. Beim gewagten Wiederanpfiff steht für den deutschen Profifußball jedenfalls enorm viel auf dem Spiel: Millionen-Summen und sogar die wirtschaftliche Existenz einiger Klubs, aber auch der schon beschädigte Ruf der Branche und nicht zuletzt die Gesundheit der Beteiligten am Geister-Schauspiel.
Das internationales Interesse beim Neustart ist jedenfalls gewaltig – und damit auch die Fallhöhe bei einem Scheitern. Zudem gehe es um "den Fortbestand der Ligen in ihrer jetzigen Form", meinte DFL-Chef Christian Seifert, der unermüdlich betont: "Jedem in der Liga muss klar sein: Wir spielen auf Bewährung."

Deswegen müsse man sich auch auf den Worst Case namens Saisonabbruch vorbereiten. Die Mitgliederversammlung soll deshalb am Donnerstag beschließen, dass für dieses Szenario aus rechtlichen Gründen der dann aktuelle Tabellenstand gewertet würde. Damit könnte ein Meister gekrönt werden, es gäbe jeweils zwei feste Absteiger und keine Aufstockung der Ligen. "Nochmal: Dieses Szenario ist höchst unwahrscheinlich, sollte aber auch geregelt sein. Ich bin überzeugt, dass alle Klubs diesem Vorschlag zustimmen", sagte der DFL-Aufsichtsratschef Peter Peters am Mittwoch. Weil jedoch insbesondere um die Abstiegsfrage ein heftiger Streit entbrannt sein soll und bei weitem kein Konsens in Sicht ist, soll der Beschluss laut "Kicker" um eine Woche verschoben werden.

Keine Alternativen

Außerdem: So "höchst unwahrscheinlich" ist ein Abbruch gar nicht. So sorgte Hoffenheims Teamarzt Thomas Frölich regelrecht für Schockwellen, indem er zur "Süddeutschen Zeitung" Folgendes zu Protokoll gab. "Über eine Quarantäne entscheidet ausschließlich das zuständige Gesundheitsamt. Aber wenn es so kommt, dass generell die ganze Mannschaft in Quarantäne geschickt wird, dann können wir diese Saison nicht fertig spielen. Mit Sicherheit nicht!", betonte der Mediziner. Und wie jüngst das Beispiel Dynamo Dresden zeigte – wo ebenfalls das ganze Team in Quarantäne geschickt wurde und das darob den Re-Start in der zweiten Liga verpasst –, gehen die deutschen Behörden nicht gerade zimperlich mit Corona-Fällen im Fußball um. Auch wenn das Liga-Konzept (so wie in Österreich) gar keine Sammel-Quarantäne, sondern Einzel-Isolierungen vorsieht.

Alternativen gibt es aber ohnedies nicht. "Das Konzept steht auf tönernen Füßen", gestand Sportchef Max Eberl von Borussia Mönchengladbach. Der sportliche Wert des Wiederanpfiffs angesichts knapper Vorbereitung und die womöglich fehlende Chancengleichheit werden überlagert vom Wunsch nach der Rettung der ausstehenden Fernseh- und Sponsorengelder. "Wenn die Bundesliga als einzige große Liga rund um den Globus im TV übertragen wird, dann gehe ich davon aus, dass wir ein Milliardenpublikum haben werden", sagte Bayern-Chef Rummenigge der "Sport Bild".