Wochenlang wurde geplant und debattiert - seit Mittwochnachmittag steht der Fahrplan für den Re-Start im heimischen Fußball fest. Nach dem Uniqa-ÖFB-Cupfinale zwischen Titelverteidiger Salzburg und Zweitligist Lustenau am Freitag vor Pfingsten (29. Mai) werden die Bundesliga-Finalrunden am darauffolgenden Dienstag (Qualifikationsgruppe) beziehungsweise Mittwoch (Meistergruppe) wieder angepfiffen. Der letzte Spieltag der zehn noch offenen Runden ist für 5. Juli angesetzt - danach soll das Play-off um die Europacupplätze steigen.

Obwohl das Corona-Präventionskonzept dem Gesundheitsministerium zunächst zu wenig streng erschien, ist dieses bei genauer Betrachtung sogar lockerer als jenes der deutschen Bundesliga, die am Samstag den Neustart wagt. Beispielsweise sind Trainingscamps unter Quasi-Quarantänebedingungen vor dem ersten neuen Spieltag nicht vorgeschrieben - ebenso wie eine Maskenpflicht für Trainer und Ersatzspieler nebst dem Spielfeld. Wie in Deutschland ist aber auch nicht festgelegt, was eigentlich bei Verstößen gegen die neuen Regeln passiert - ob diese von Behörden, der Liga oder den Vereinen (per Disziplinarstrafen) zu ahnden sind. Appelliert wird in Österreich jedenfalls an die Eigenverantwortung: "Es ist zwingend notwendig, ein vorbildliches Verhalten bezüglich der Hygiene- und Verhaltensmaßnahmen auf und abseits des Platzes an den Tag zu legen", heißt es in dicken Lettern in dem 24-seitigen Konzept.

Die Hygienemaßnahmen sollten von den Akteuren freilich schon im privaten Bereich eingehalten werden, um Infektionen - und damit die Gefährdung des Spielbetriebs - zu vermeiden: So sollten keine Kontakte zu Dritten unterhalten und öffentliche Verkehrsmittel gemieden werden - und zwar von allen Personen im Haushalt.

Jubel mit Ellenbogen

In Umkleidekabinen soll möglichst ein Ein-Meter-Abstand zu Mitspielern eingehalten werden, Duschen soll tunlichst alleine erfolgen. Die Abstandsregel gilt auch auf der Betreuerbank, wo eben keine Maskenpflicht gilt. Auch beim Torjubel ist Traubenbildung untersagt - "Körperkontakt soll, wenn unbedingt notwendig, ausschließlich über Ellenbogen oder Füße erfolgen". (Ein Spuckverbot ist - anders als in Deutschland - übrigens nicht dezidiert festgeschrieben). Auch die Rituale vor jedem Match fallen ab sofort weg: keine Kinderbegleitung, kein Mannschaftsfoto, keine Einschwörung im Kreis.

Eine Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes gibt es für Spieler übrigens nur in einem Fall: bei der gemeinsamen Anreise im Bus zu Auswärtsmatches.

Sollte es dennoch zu Infektion kommen, erfolgt nach einer positiven Testung umgehend die Selbstisolation. Sowohl die Teams als auch die Schiedsrichter werden regelmäßig getestet und untersucht (ein Mal pro Woche), außerdem ist ein Gesundheitstagebuch zu führen. So soll verhindert werden, dass ganze Mannschaften in Quarantäne gesteckt werden müssen, was in weiterer Folge den Saisonabbruch zur Folge haben könnte. Ab sofort gilt, dass die Bundesliga-Klubs 30-Mann-Kader zu stellen haben, davon müssen mindestens 14 Feldspieler und 2 Torhüter auf dem Spielbericht aufscheinen, um eine Partie durchführen zu können.

Es könnte eng werden

Allerdings könnte es im Fall von Infektionen dennoch eng werden - in Deutschland etwa gibt es Stimmen, wonach eine einzige Team-Quarantäne unweigerlich zum Saisonende führen würde. Obwohl man dort gut zwei Wochen früher startet als in Österreich. Dennoch meinte Rapids Wirtschafts-Geschäftsführer Christoph Peschek: "Wir haben für den worst case noch ein bisschen Spielraum." Laut Uefa könnte bis zur ersten Augustwoche gespielt werden - womit also gut ein Monat Puffer wäre, um die reguläre Saison über die Bühne zu bringen. Dann müsste man wohl auf das in drei Spielen geplante Europa-League-Play-off verzichten. "Unter normalen Umständen würde ich sagen, es reicht nicht. Wir befinden uns aber nicht in einer normalen Situation. Daher nehmen wir alles, was wir kriegen", meinte Rapids Sportdirektor Zoran Barisic.(may)