Die 26. Runde der deutschen Bundesliga der Saison 2019/20 wird definitiv in die Geschichte eingehen: Nach gut zwei Monaten Corona-Zwangspause wagt das Land des viermaligen Weltmeisters den Neustart - als erste relevante Fußball- respektive Sport-Liga der Welt. Geht das Experiment gut, wird der Sportbetrieb global langsam, aber sicher (und sicher vorerst ohne Publikum) wieder hochgefahren; geht just im für seine Gründlichkeit bekannten Deutschland etwas schief, könnte die gesamte Sportwelt jedoch in ein Desaster ungeheuren Ausmaßes stürzen.

Entsprechend gespannt, aber auch hochnervös blickt damit die Welt auf die deutsche Liga, die am Samstag (15.30 Uhr) mit sechs Partien in das Post-Corona-Shutdown-Zeitalter startet. "Die Lokomotive des europäischen Fußballs kommt wieder in Bewegung", schrieb der italienische "Corriere della Sera" gewohnt metaphernreich. Alles verbunden mit der Hoffnung, der deutschen Elite-Liga gelingt damit die Initialzündung für den Weltfußball. "Aus Deutschland ertönt das Signal, auf das der gesamte europäische Fußball gewartet hatte", titelte die französische Sportzeitung "L’Equipe" bereits nach der Verkündung der Fortsetzung des Spielbetriebs durch Kanzlerin Angela Merkel. Für das Land des Weltmeisters hat dieses Signal freilich keine Wirkung mehr - so wie in den Niederlanden wurde dort die Saison bereits abgebrochen.

Auch DFB-Nationalspieler Toni Kroos bestätigte, mit welch großem Interesse die Primera Division im Corona-gebeutelten Spanien am Wochenende gen Deutschland blickt. "Man hat hier so den Eindruck: Wenn die Deutschen das nicht hinkriegen, dann kriegt das keiner hin, da weiterzumachen", sagte der Real-Madrid-Profi. Für ihn sei beeindruckend, "dass die Deutschen das mit den Viruszahlen, mit den Infektionen und den Verstorbenen noch mit am besten hinbekommen haben", so der Weltmeister von 2014. "Und wenn die nicht in der Lage sind, die Bundesliga zu beenden, wer ist es dann? Von daher wird sicher hingeguckt, wie es läuft", meinte Kroos.

Ex-Bayern-Profi Owen Hargreaves denkt im größeren Stil: "Vergesst Fußball, die ganze Welt wird an diesem Wochenende zuschauen, um zu sehen, ob das funktioniert, denn die NFL, die NBA, die werden alle sehen wollen, ob das klappt. Es geht nicht nur um den Sport. Wenn das jetzt gut geht, werden die Leute versuchen, das auf der ganzen Welt umzusetzen", sagte der Experte von BT Sport.

Die britische Tageszeitung "The Independent" zog darob auch Rückschlüsse für die Premier League, die voraussichtlich erst ab 19. Juni starten wird: "Für alle ist es wichtig, dass diese erste Woche gut geht. Wenn Deutschland es nicht hinbekommt, trotz der niedrigeren Kurve und obwohl so vieles so reibungslos verlaufen ist, dann ist es schwer, sich vorzustellen, dass jemand anderes es in nächster Zeit hinbekommt."

Doch auch in Deutschland ist trotz strengen Konzepts - Trainingscamps vor dem ersten Spiel, lückenlose Tests, Spuckverbot etc. - das Worst-Case-Szenario eingepreist. Wobei die Klubs noch feilschen, ob bei einem Abbruch dann tatsächlich der Tabellenführer Meister sein und auf die Relegation verzichtet werden soll. Ob ein einziger positiver Corona-Test eine Team-Quarantäne und in weiterer Folge das Meisterschaftsende bedeutet, wird sich auch erst weisen. "Wir müssen, wenn es nicht anders geht, auch die Notbremse ziehen", mahnte kurz vor Wiederanpfiff noch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.

Gewaltiges Medieninteresse

Das internationale Medieninteresse ist nach zweimonatiger Sportabstinenz jedenfalls gewaltig: Nach dpa-Informationen ist die Bundesliga in mehr als 200Fifa-Mitgliedsländern zu sehen - übrigens auch in Deutschland wieder im Free-TV.Die Konferenz ist auf dem Sender Sky Sport News für alle Fans frei empfangbar. Somit auch - zumindest in Teilen - der große Kracher des Ballcomebacks in Form des Revierderbys zwischen Dortmund und Schalke.Für den BVB zählt als Zweiten (vier Punkte hinter Bayern) im Titelkampf nur ein Sieg. Dasselbe gilt für RB Leipzig, das bei fünf Punkten Rückstand auf die Bayern am Samstag Freiburg empfängt.(may)