Kleine Pannen, große Emotionen. Mit dem ersten Spieltag in einer der nationalen Ligen seit der Corona-Pause hat die deutsche Bundesliga international Schlagzeilen geschrieben. Sportlich blieb vieles beim Alten: Der FC Bayern München festigte mit einem 2:0-Auswärtssieg bei Union Berlin die Tabellenspitze vier Punkte vor Borussia Dortmund, das sich unter anderem mit einem Tor von Ex-Salzburg-Star Erling Haaland und dem 4:0 gegen Schalke 04 vor Borussia Mönchengladbach an zweiter Stelle einzementierte. Am Abend wurde die insgesamt 26. Runde noch mit der Partie Bremen gegen Leverkusen (1:4) abgeschlossen.

Es war allerdings eine Runde, deren Wert sich nicht nur am sportlichen Abschneiden der Klubs bemessen lässt. Denn da seit Mitte März in sämtlichen Ligen der Ball ruht, war der Wiederbeginn in Deutschland international besonders im Fokus gestanden. Hygienemaßnahmen, Tests, leere Ränge und besondere Vorsichtsmaßnahmen im Spiel standen vor Toren und Ergebnissen. Und hier wurde der erste Lackmustest weitgehend bestanden, wie auch die internationale Presse attestierte. "Wir müssen Gary Linekers Definition aktualisieren: Fußball ist nicht mehr der Sport, bei dem 22 Männer dem Ball nachjagen und am Ende die Deutschen gewinnen. Sondern es ist das, was - wer weiß, für wie lange noch - nur sie spielen. Jetzt können sie es. Willkommen zurück in der Bundesliga", schrieb etwa die italienische Tageszeitung "La Stampa" nach dem Wiederbeginn. "Bundesliga hat Fußball zum Leben erweckt. Hätten wir für die Menschheit einen Fußballer wählen müssen, nur um diesem Bastard eines Virus ins Gesicht zu schlagen, hätten wir uns für Erling Haaland entschieden. (. . .) Er ist es, der herabsteigt und den ersten Schritt auf diesem unbekannten Planeten tut, die Augen der Welt auf ihm, und sein Hemd so gelb wie der Mond. Der erste Schritt von Neil Armstrong ist noch mal etwas anderes, aber das Tor des Norwegers ist Geschichte. Die Bundesliga hat den Fußball nach Monaten des Todes und der Angst wieder zum Leben erweckt, hat die Weichen für die anderen gestellt, die immer noch nach Mut und Protokollen suchen", pathetisierte die "Gazzetta dello Sport".

"Wir sind keine Roboter"

Etwas weniger euphorisch waren die englischen Zeitungen, die die Sterilität beklagten. "Die Rückkehr der Bundesliga fühlte sich funktional, kalt und seelenlos an - aber das ist alles, was wir im Augenblick haben", meinte "The Telegraph". Dass es "kein totales Desaster" gewesen sei, hielt immerhin die "Mail on Sunday" fest.

In England, wo man selbst mit einem Neustart am 19. Juni rechnet - wiewohl noch nicht alle Fragen geklärt sind - fühlt man sich von Deutschland freilich auch etwas unter Druck gesetzt, stellt sich die Fußballwelt doch nun etwas anders als noch vor einiger Zeit dar. Während die Deutschen zuletzt nicht ohne Neid auf die Insel blickten, wo Milch, Wasser, Honig und Millionen sprudeln, sind sie nun selbst angesichts eines klaren Konzepts und niedriger Ansteckungsraten durch das Coronavirus Sars-CoV2 in der Vorreiterrolle. Die TV-Quoten ließen Sky jedenfalls jubilieren. Bei dem Sender sprach man vom "reichweitenstärksten Bundesliga-Samstag der Sendergeschichte": Demnach waren 3,81 Millionen Zuschauer am Samstag bei den Spielen dabei, davon 2,45 Millionen bei der Konferenz, die im Free-TV ausgestrahlt wurde. Und die Fans haben auch etwaige Fauxpas’ verziehen, als etwa bei Hertha BSC angesichts des 3:0-Sieges gegen Hoffenheim allzu innig gejubelt wurde. "Wir sind nun einmal leidenschaftliche Fußballer und keine Roboter", meinte Torschütze Vedad Ibisevic.