Nach dem klaren Mehrheitsvotum vom Montag startet auch die zweite heimische Fußball-Liga ab 5. Juni wieder durch. Nur ein kleiner, steirischer Klub nahe der burgenländischen Grenze sperrte sich dagegen. "Die Fortsetzung ist aus wirtschaftlicher Sicht mit ziemlicher Sicherheit ein Minusgeschäft", erklärte Lafnitz-Manager Wolfgang Lechner.

15 von 16 Klubs sind für den Wiederbeginn einer Liga mittels Geisterspielen, also ohne Zuschauer und TV-Einnahmen. Das hat Lechner überrascht. "Unser TV-Geld beträgt null Euro. Ich frage mich: Wie hätten die Bundesligisten abgestimmt, wenn es in der obersten Liga kein TV-Geld geben würde? Die haben das ja auch nur aus Geldgründen gemacht."

Lechner sucht nach einer Erklärung für den Meinungsumschwung vieler Klubs, die noch vor wenigen Tagen und Wochen mehrheitlich für den Saisonabbruch plädierten. Er kenne die Betriebskosten der anderen nicht im Detail. "Aber ich glaube, dass Lafnitz etwa mit Steyr und Dornbirn zu vergleichen ist. Warum die jetzt mit Ja gestimmt haben? Ich weiß es nicht."

Für die Steirer jedenfalls macht das Weiterspielen aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten keinen Sinn. "Die Ausgaben steigen aufgrund der PCR-Tests und des Personalaufwands zur Umsetzung des Gesundheitskonzepts. Die Klubs haben durch die Corona-Krise sowieso einen wirtschaftlichen Schaden, der durch die Fortführung aus unserer Sicht noch vergrößert wird", sagte Lechner zur APA.

Eine Konsequenz der Entscheidung sei ein zu befürchtendes Terminchaos in der kommenden Saison. Lechner rechnet mit einem Meisterschaftsbeginn irgendwann im September, Spielen "mindestens bis Weihnachten" und einem Frühlingserwachen zur Winterzeit Ende Jänner/Anfang Februar. "Wenn ich mir anschaue, wer in der zweiten Liga eine Rasenheizung hat, dann können wir nur auf den lieben Wettergott hoffen." Viel Spielraum bleibe bei Absagen und Verschiebungen nicht. "Denn wir müssen wegen der EM bis Anfang Mai fertig sein."

Bei aller Kritik ist es ihm wichtig zu betonen, dass Lafnitz sich der "überwältigenden Mehrheit" natürlich füge. "Dass die Meisterschaft auf der grünen Wiese und nicht auf dem runden Tisch entschieden wird, ist ja absolut zu begrüßen." Tabellenführer SV Ried kann den Aufstieg auf sportlichem Wege fixieren, absteigen muss durch den Abbruch aller Ligen darunter niemand. Elf ausstehende Runden sollen bis 31. Juli gespielt werden.

Liga- und Klubvertreter bezeichneten die Fortführung als Akt der Solidarität im sportlichen Sinne. Gleichzeitig begann in der semiprofessionellen Liga das Hoffen auf finanzielle Unterstützung durch die Politik, wie aus Wortmeldungen diverser Funktionäre hervorgeht. Unmittelbare Geldsorgen sollen vorerst mit Bundesliga-Förderungen gelindert werden. Etwa durch 400.000 Euro, die eigentlich für eine Infrastruktur-Offensive vorgesehen waren. Lafnitz dürfte daraus rund 40.000 Euro bekommen.

Freude bei Ried, Klagenfurt

Besonders groß war die Erleichterung beim Liga-Top-Duo, das durch acht Zähler getrennt ist: "Ich bin den Vereinen sehr dankbar für die Solidarität. Der letzte Schritt muss jetzt am grünen Rasen erfolgen", erklärte Roland Daxl, Geschäftsführer von Tabellenführer SV Ried, der schon mit rechtlichen Schritten im Falle eines Nicht-Aufstiegs gedroht hatte.

Rivale Austria Klagenfurt will sich im Titelkampf indes noch nicht geschlagen geben: "Es ist ein langer Weg. Wichtig ist, dass wir das Beste aus uns herausholen. Dann schauen wir mal, was herauskommt", sagte Klagenfurt-Trainer Robert Micheu.