Die Rivalität zwischen den Wiener Fußballklubs und dem LASK ist Teil der Bundesliga-Historie - schließlich waren es die Linzer Athletiker, die als erster Bundesländer-Klub anno 1965 die Meisterschaftstrophäe aus der Hauptstadt entführten. Außer der aktuellen Tabellensituation erklärt das vielleicht ein wenig, weshalb gerade Rapid und Austria 55 Jahre später aus dem Fehlverhalten des LASK Kapital schlagen möchten und darob "drakonische Strafen" für das vorgezogene Mannschaftstraining des aktuellen Tabellenführers fordern.

Rapid-Präsident Martin Bruckner verglich die auf (mutmaßlich rechtswidrig zustande gekommenen) Videos dokumentierten Praktiken des LASK gar mit Doping im Sport. "Man kann sich nicht so einen Wettbewerbsvorteil schaffen, das ist nicht drinnen", meinte er im "Rapid-TV". Und er forderte dementsprechende Konsequenzen. "Ich erwarte mir vom Senat 1 eine sehr ordentliche Behandlung dieses Falles, und ich glaube, es sind drakonische Strafen notwendig." Allerding ist der LASK im Gegensatz zu Rapid (ob der häufigen Fan-Krawalle) unbescholten, was Bestrafungen vor dem Bundesliga-Senat betrifft. Außerdem wird seitens der Bundesliga auch ein Vorfall bei einem Rapid-Zweikampftraining untersucht, das zum damaligen Zeitpunkt - vor dem 15. Mai - noch verboten war.

Sollte es vor dem Senat 1, bei dem der LASK bis Mittwoch eine Stellungnahme abzugeben hatte, einen Punkteabzug geben, würden außer Salzburg vor allem die Hütteldorfer profitieren, die aktuell sieben Zähler Rückstand auf die Linzer aufweisen.

Die in die Qualifikationsgruppe abgerutschte Austria indes könnte von einem möglichen (ebenfalls schon geforderten) Europacup-Ausschluss der Linzer profitieren. Austria-Vorstand Markus Kraetschmer forderte ebenso "eine drakonische Strafe" und monierte, man habe wochenlange Arbeit "für eine Solidarität und ein Konzept" verrichtet, "die Vorgangsweise des LASK war es aber, die Regeln systematisch zu brechen".

Etwas zurückhaltender zeigte sich indes Austria-Sportvorstand Peter Stöger: "Die Entschuldigung ist gut, die Begründung mangelhaft. Alle Erklärungen haben einfach keine Aussage für mich. Mit der Gesundheit der Spieler zu kommen und dass man sie fit machen will, ist ja auch kein Fair-Play-Gedanke", sagte Stöger am Montagabend in der Servus-TV-Sendung "Sport und Talk". Allerdings will er sich bewusst nicht in die Arbeit des Senat 1 einmischen: "Ich bin nicht der Richter und mag auch nicht bewerten, was am Ende rauskommt."

Das erstinstanzliche Urteil des Senats 1 wird noch vor dem Neustart des Meisterschaftsbetriebs am 2. Juni erwartet.