Österreichs Fußball-Teamspieler und der heimische Verband (ÖFB) zeigen sich in der Corona-Krise solidarisch. Am Mittwoch präsentierten ÖFB-Präsident Leo Windtner und Teamkapitän Julian Baumgartlinger einen Notfallfonds in der Höhe von einer Million Euro, der von beiden Parteien zu gleichen Teilen befüllt wird.

"Es ist einigermaßen akut an der Basis, bei vielen geht es ans Eingemachte", sagte Windtner. "Wir wollen ein Signal setzen, dass die Vereine nicht auf der Strecke bleiben. Nur rasche Hilfe ist wirksame Hilfe", erklärte Windtner bei einem Pressetermin in Wien. Für ihn sei vor allem die Beteiligung der Teamspieler ein "ganz, ganz tolles Zeichen". Federführend dabei war Baumgartlinger, der die Zusagen der Spieler des EM-Qualifikationskaders organisierte.

"Uns Spielern des Nationalteams war es bereits seit Beginn der Krise ein Anliegen, vor allem den kleinen Vereinen in diesen schwierigen Zeiten zielgerichtet und nachhaltig zu helfen", meinte der per Video zugeschaltete Leverkusen-Legionär. Die halbe Million der Kicker verdoppelt der ÖFB durch Solidaritätsbeiträge der Verbandsspitze, von Partnern sowie durch Mittel aus der ÖFB-Charity.

Zugang zum Fonds haben alle im Vereinsregister eingetragenen Klubs, die 2019/20 im vom ÖFB organisierten Spielbetrieb tätig waren, pro Antragsteller ist die Summe mit 10.000 Euro gedeckelt. Das Geld muss nachweislich in einem oder mehreren der folgenden Verwendungsbereiche eingesetzt werden: Frauen- und Mädchenfußball, Nachwuchsfußball, Erwachsenenfußball, Infrastruktur.

Eine Jury aus Baumgartlinger, Windtner, Sportdirektor Peter Schöttel, Wirtschafts-Geschäftsführer Bernhard Neuhold und Generalsekretär Thomas Hollerer wird schließlich über die Vergabe bestimmen. Ansuchen sind bis 12. Juni einzubringen, eine Entscheidung werde bis 26. Juni fallen, erklärte der ÖFB. Dass im Rahmen des Fonds auch Klubs aus der semiprofessionellen zweiten Liga Unterstützung für die Durchführung der PCR-Tests beantragen können, sieht Windtner nicht als Problem. "Vereine, die Kapitalgesellschaften haben, werden nicht ansuchen können", sagte der Oberösterreicher.

Erst am Montag hatte die zweite Leistungsstufe beschlossen, die Liga fortzusetzen. Die für das Hygiene-Konzept erforderlichen Tests stellen für viele Vereine einen wesentlichen Kostenfaktor dar. Ein Grund für den Fonds sei unter anderem die lahmende Corona-Hilfe der öffentlichen Hand. Die gehe derzeit "sehr schleppend" vor sich, nun könne man "quasi einmal die ersten Notfälle erreichen", sagte Windtner.

Zwar versprach die Regierung schon zu Beginn der Corona-Krise "schnelles Geld", noch aber warten die Vereine. Das 700-Millionen-Euro-Paket für nicht-gewinnorientierte Organisationen in Sport, Kultur etc. ist am Weg, muss aber noch im Parlament abgesegnet werden. Erst in der Vorwoche hatte sich Windtner genau dafür an der Seite seiner Präsidenten-Kollegen Hans Niessl (Sport Austria) und Peter Schröcksnadel (ÖSV) medial in die Bresche geworfen. (apa)