Der Cup hat bekanntlich eigene Gesetze - und ein Cup-Geisterfinale nach mehr als zweieinhalb Monaten Spielpause womöglich noch viel mehr. Nicht nur deshalb lebt die große Chance von Zweitligist Austria Lustenau, dem zu normalen Zeiten wohl übermächtigten Serientitelträger Red Bull Salzburg im Endspiel des Uniqa-ÖFB-Cups am Freitagabend (20.45 Uhr/ORF1) in Klagenfurt ein Bein zu stellen. Die Vorarlberger haben zwar mit dem Finaleinzug schon Historisches - als erster Nicht-Oberhausklub wartet schon das zweite Endspiel - geschafft, der Glaube an den großen Coup nährt sich aber auch durch die Vergangenheit, die immer wieder die heimischen Davids gegen die Goliaths obsiegen ließ.

Vier Mal siegte der David

Insgesamt kam es in der Geschichte des ÖFB-Cups zu elf derartigen Duellen mit einem Spielklassen-Unterschied - der sich zumindest in vier Fällen nicht im Ergebnis niederschlug und also eine veritable Sensation brachte.

Den Anfang machte - recht spät (denn der Vorläuferbewerb stieg erstmals 1919) - der Kremser SC: 1988 besiegten die Wachauer unter Ernst Weber die von Trainerlegende Ernst Happel betreute Startruppe des FC Tirol in Hin- und Rückspiel dank der Auswärtstorregel (2:0 und 1:3).

Nur drei Jahre später wiederholte der damals von Willi Kreuz gecoachte SV Stockerau die Sensation: Beim 2:1-Finalsieg über Rapid im Ernst-Happel-Stadion erlebte vor allem Hans Krankl sein Trainer-Waterloo, der den sicher geglaubten Titel mit seinem Herzensklub verpasste - trotz Aushängeschildern in den grün-weißen Reihen wie Andreas Herzog, Goalie Michael Konsel und Peter Schöttel.

In die Kategorie Sensation fiel 2001 auch der Pokal-Triumph des damaligen Zweitligisten (und Aufsteigers) FC Kärnten: Unter Walter Schachner wurde der FC Tirol - damals drei Mal in Serie Meister - mit 2:1-Sieg nach Verlängerung in die Knie gezwungen.

Die absolute Top-Sensation lieferte aber 2013 der FC Pasching, der den seit 1946 als gesamtösterreichischer Bewerb ausgespielten Cup als einziger Drittligist für sich entscheiden konnte. Die Oberösterreicher besiegten damals die unter Peter Stöger eine überragende Saison spielende Wiener Austria im Prater mit 1:0 - nachdem zuvor die Größen Rapid und Salzburg auswärts bezwungen worden waren.

"Es gibt immer wieder Beispiele", sagt darob Lustenaus Sport-Vorstand Bernd Bösch - nicht nur hierzulande. "Heuer war etwa der Aufstieg von Saarbrücken als Viertligist im DFB-Cup-Viertelfinale gegen Düsseldorf die größte Sensation. Wir wissen auch, was Düdelingen geschafft hat", erinnerte Bösch an das Salzburger Desaster in der Champions-League-Qualifikation anno 2012. Gegen einen (Luxemburger) Amateurklub freilich, der Lustenau ja nicht ist. "Es ist im Fußball so, dass der David manchmal auch gegen den Goliath gewinnen kann."

Im ersten Versuch, sich als erster Ländle-Klub die Cup-Trophäe zu angeln, ist man allerdings gescheitert: 2011 behielt der damalige Bundesligist SV Ried - 1998 schon Sensationssieger über Sturm - im Wiener Ernst-Happel-Stadion dank eines Doppelpacks von Markus Hammerer (41., 67.) mit 2:0 die Oberhand.

"Besser für Underdog"

Aber am Freitag sind im leeren Wörtherseestadion die Karten neu gemischt - erst recht durch die für alle ungewohnten Umstände. Der Druck lastet jedenfalls mehr als sonst auf Favorit Salzburg: "Es ist ein Spiel, das wir gewinnen müssen", betonte Salzburg-Coach Jesse Marsch am Mittwoch - um gleichzeitig zu versuchen, ein Stück der Favoritenrolle abzugeben. Die Geisterkulisse sei nämlich "vielleicht besser für die Mannschaft, die der Underdog ist", so Marsch.