Ein solches Urteil hat es in der Judikatur der österreichischen Fußball-Bundesliga noch nie gegeben: Der Tabellenführer LASK wurde am Donnerstagabend vom Strafsenat 1 der Bundesliga zu einer saftigen Strafe wegen Verstößen gegen den Grundgedanken des Fairplay verurteilt, die letztlich sogar die Meisterschaft entscheiden könnte. Mit 12 Punkten Abzug und 75.000 Euro Geldstrafe wurde das eingestandene vorgezogene Mannschaftstraining trotz anderweitiger Anti-Corona-Bestimmungen sanktioniert.

Damit verlieren die Linzer die Führungsposition in der Anfang Juni wieder beginnenden Meisterschaft, wiewohl in der Meistergruppe durch die Punkteteilung "nur" 6 Zähler abgezogen werden. Neuer Erster wäre also wieder Serienmeister Red Bull Salzburg (24 Punkte), die Linzer würden mit 21 Zählern als Zweite folgen - und der im Vorfeld massiv gegen den LASK intervenierende SK Rapid befände sich als Dritter mit 20 Punkten wieder voll im Titelrennen.

Ob dieses beispiellose Urteil so halten wird, ist aber fraglich. Jedenfalls könnte die Meisterfrage erst nach Ende der letzten Runde - geplant für 5. Juli - feststehen, weil der LASK bereits volle Berufung angekündigt hat und möglicherweise später wieder Punkte zurückbekommen könnte. Dann wäre das Chaos freilich perfekt.

Der LASK will das Urteil jedenfalls nicht so hinnehmen und "das Protestkomitee der Bundesliga als in zweiter Instanz zuständiges Gremium" anrufen, wie der Klub in einer Presseaussendung mitteilte. "Konkret erachten wir die im Urteil ausgesprochenen Sanktionen eines Abzugs von 12 Punkten vor Punkteteilung sowie 75.000 Euro Strafzahlung als unverhältnismäßig. Wir haben daher unser Recht wahrgenommen und umgehend Protest gegen das überschießende Urteil eingelegt", schrieben die Linzer. Als letzte Instanz könnte der Vizemeister und Europa-League-Achtelfinalist auch noch das Ständige Neutrale Schiedsgericht anrufen, das wahrscheinlich bis nach Meisterschaftsende für ein endgültiges Urteil benötigen würde.

Über das genaue Strafmaß hat zunächst Verwirrung geherrscht. Während der LASK von zwölf Punkten Abzug nach Maßstab des Grunddurchganges sprach, präzisierte die Liga: Effektiv sei es ein Sechs-Punkte-Minus, der auch für die Abschlusstabelle des Grunddurchgangs gelte, sollte die Meisterschaft nämlich nicht fertiggespielt werden. In diesem Fall wäre Red Bull Salzburg aufgrund der besseren Tordifferenz aber ebenfalls auf Platz eins. Letztlich also nur eine Interpretationsfrage.

Fünf Wechsel beschlossen

Der LASK hatte nach mutmaßlich rechtswidrig zustande gekommenen Videos eingestanden, schon vor dem 15. Mai damals verbotene Mannschaftstrainings durchgeführt zu haben - und sich auch dafür entschuldigt. "Im Nachhinein muss man sagen: Es war ein Blödsinn, ein großer Fehler unsererseits. Aber der Pfeil ist abgeschossen, den können wir nicht mehr zurücknehmen. Wir haben uns von den Emotionen leiten lassen", gestand Vizepräsident Jürgen Werner.

Am Donnerstag wurde auf der Klubkonferenz der Erstligisten beschlossen, dass in der restlichen Saison fünf Wechsel pro Spiel und Mannschaft möglich sind. Die Entscheidung sei "fast einstimmig" gefallen, hieß es in einer Liga-Aussendung. Benötigt wird noch die Zustimmung des ÖFB-Präsidiums, was aber als Formalakt gilt. Auch die zweite Liga hatte bereits am Vortag fünf Wechselmöglichkeiten beschlossen.(may)