In Mattersburg schließt sich am Dienstag (18.30 Uhr) der Kreis der zweieinhalbmonatigen Corona-Pause. Im Pappelstadion ertönte am 8. März beim 0:1 des SVM gegen den LASK der bisher letzte Schlusspfiff in der Bundesliga. 86 Tage später kommt es hier beim Duell der Burgenländer mit dem SCR Altach zum Meisterschafts-Neustart, gleichzeitig mit dem Match WSG Tirol gegen SKN St. Pölten. Am Abend trifft die Admira auf Austria Wien.

Am Vorabend des Spiels hat sich Vizekanzler und Sportminister Werner Kogler zum Thema Fans in Fußballstadien geäußert. Ab 1. September könne etwas weiter gedacht werden, meinte der Grünen-Chef am Montagabend in der Sky-Sendung "Talk & Tore Spezial". Er sei zuversichtlich, "dass wir hier nächste Schritte setzen können", so Kogler. "Es ist das Ziel, hier möglichst voranzukommen." 

Hoffnung zieht der Sportminister daraus, dass sich die Übertragung des Virus im Freien anders verhalten könnte als in geschlossenen Räumen. Gleichzeitig gab er aber zu bedenken: "Die Fans sitzen ja nicht im Stadion, um zu meditieren in sich stillschweigend." Das laute Schreien und die Fangesänge (die eine Verbreitung des Virus begünstigen) seien ein Aspekt, den es bei Kulturveranstaltungen, für die die Lockerungen ab Juli auch gelten, in der Regel nicht gebe.

Licht am Ende des Tunnels könnte es laut Kogler im Herbst auch für den Amateurfußball geben. Dort ist ein Spiel- und Trainingsbetrieb wegen der behördlichen Abstandsregeln noch gar nicht möglich. "Wir hoffen, dass wir hier ab 1. September ein Go geben können", erklärte der Vizekanzler. Beide Themen, Zuschauer und Amateurfußball, wolle man bis Ende Juni so gut wie möglich prognostizierbar machen. "Alles unter der Voraussetzung, dass es keine zweite Ansteckungswelle gibt."

Vorfreude und Unsicherheit

Vor dem Auftakt zur Qualifikationsgruppe verspürt SVM-Coach Franz Ponweiser jedenfalls einen Gefühlsmix aus Vorfreude und Unsicherheit. "Wir sind froh, dass es wieder losgeht, aber wir wissen nicht, wo wir stehen. Diesbezüglich ist es vielleicht sogar noch schlimmer als vor einem Saisonstart, weil wir praktisch zwölf Wochen Pause ohne Spielrhythmus hatten", sagte der 44-Jährige. Das einzige Testmatch seiner Truppe erbrachte ein 0:3 beim WAC. "Da haben wir in zehn Minuten mehrere ganz dumme Fehler gemacht, ansonsten aber in vielen Phasen gut gespielt", analysierte Ponweiser. Die SVM liegt vor den letzten zehn Runden als Vorletzter einen Punkt vor Schlusslicht SKN St. Pölten, Spitzenreiter Austria ist ebenso wie das zweitplatzierte Altach drei Zähler entfernt. "Unser Fokus liegt darauf, so schnell wie möglich von unten wegzukommen", betonte Ponweiser.

Der Trainer stellte seine Mannschaft zudem auf die ungewöhnliche Atmosphäre des Geisterspiels ein. "Es wird darauf ankommen, welche Mannschaft mit der Stille besser zurechtkommt, und es sich zeigen, welche Spieler mehr Verantwortung übernehmen", meinte Ponweiser. "Spieler, die bei Publikum gehemmt sind, werden vielleicht befreit aufspielen. Andere, die Stimmung im Stadion brauchen, müssen eine besondere Motivation entwickeln."

Ohne seinen verunfallten Trainer Thomas Silberberger bestreitet wiederum WSG Tirol den Neustart nach der Corona-Pause. Und, wäre das nicht schon Nachteil genug, läuft mit St. Pölten gleich ein direkter Konkurrent im Abstiegskampf als Gegner ein. Was ist passiert? Am Pfingstmontag wurde bekannt, dass sich Silberberger bei einem Motorradunfall am Tag zuvor eine offene Unterschenkelfraktur zugezogen hat. Co-Trainer Martin Svejnoha übernimmt nun bis auf Weiteres, Silberberger muss am Dienstag erneut operiert werden. "Jetzt rücken wir noch näher zusammen", erklärte Sportdirektor Stefan Köck.

Mit einem Sieg würden die Tiroler den Tabellenletzten auf vier Zähler distanzieren. Bei umgekehrtem Ausgang droht ein Rollentausch. Das weiß auch St. Pöltens Neo-Coach Robert Ibertsberger, der daher die Wichtigkeit eines guten Starts betonte. "Wir benötigen ein gutes Ergebnis, um Selbstvertrauen aufzubauen für die nächsten Runden. Denn das werden wir brauchen." Dass es, anders als in der 2. Liga, noch um den Abstieg geht, ist Ibertsberger "eigentlich sogar lieber, weil es so noch um richtig viel geht".

Am wenigsten abstiegsgefährdet ist hingegen die Wiener Austria. Nach drei Monaten Pause versuchen sich die Violetten am Dienstag (20.30 Uhr) daheim gegen die Admira zum Auftakt der zweiten Saisonphase der Bundesliga an der Neuzündung ihres bisher etwas unrund laufenden Motors. "Es muss unser Ziel sein, die Qualifikationsgruppe zu gewinnen", stellte Christian Ilzer klar. Doch der Trainer mahnte vor dem Geisterspiel auch zur Vorsicht.

Ziel ist ein Europacup-Platz

"Man muss sich die Ist-Situation anschauen. Wir sind vier Punkte vor dem Tabellenletzten", erklärte Ilzer, dessen Truppe als Tabellenerster ins Rennen um Platz eins geht, der die Play-off-Spiele um einen Europacupplatz bringt. "Wir haben im Grunddurchgang mit Ausnahme von Altach und Mattersburg gegen kein Team aus der Qualifikationsgruppe gewinnen können." Am Ziel wollte Ilzer keinen Zweifel aufkommen lassen: "Wir wollen vom Start weg so auftreten, dass wir nicht nach hinten schauen müssen."