Man könnte permanent heulen. So bewegend sind der Fußball und die damit einhergehenden emotionalen Erregungen, die man nicht nur als Zuschauer durchlebt ("Tooooor"!!!), sondern auch als Spieler am Feld ("Toooooooooooooor"!!!!!). Ganz eindrucksvoll zeigt das die von Til Schweiger produzierte Doku "Schw31ns7eiger" über den deutschen Fußballweltmeister Bastian Schweinsteiger. Mainstream-Til hat die ganze Emotion sogar schon in den Filmtitel reingepackt. Die Zahlen beziehen sich nämlich auf die Rückennummern des Kickers, die 31 beim FC Bayern München, die 7 im deutschen Nationalteam. Das ist alles sehr bedeutsam, Symbolik gehört dazu, im Fußball.

Erzählt wird die Geschichte eines mühevollen Aufstiegs. Der Film handelt zwar von Schweinsteiger, aber in Wahrheit verkauft er jede Menge deutsche Tugenden gleich mit: Fleiß, Fleiß, Fleiß. Denn der kleine Bayern-Bub war eigentlich nie der schnellste Läufer, nie der gefährlichste Dribbler und auch nie der eleganteste Ballkünstler. Aber durch seinen Ehrgeiz konnte er sich weit übers Mittelmaß hieven, schaffte es bis zum Weltmeister, 2014 in Brasilien. Als der kleine Basti in Oberaudorf zu trainieren begann, war sein Papa schon mit der Kamera immer dabei. Und als er mit gerade einmal 18 sein Debüt in der Nationalelf hinlegte, gehörte der noch etwas ungehobelte Jüngling längst zu den großen Hoffnungen bei Bayern München. Dann beginnt der Film, die Karriere Schweinsteigers im Detail nachzuzeichnen - von Erfolg zu Erfolg.

Es ist großartige Sportpropaganda, die ein verklärtes Bild auf diese Ausnahmekarriere wirft, aber so etwas darf Propaganda. Und weil sich Til Schweiger immer gerne selbst in Szene setzt, ist er im Film selbstredend mit dabei, gibt Urteile zu Bastis größten Erfolgen und Fehltritten ab. "Schw31ns7eiger" zielt vor allem darauf ab, eine Message zu transportieren: Niemals aufgeben. Wer einen weiten Weg hat, soll nicht laufen.

Mit Fleiß und vor allem: Geduld kann man es überall hin schaffen. Natürlich braucht es auch seelischen Ausgleich, deshalb sind die Spielerfrauen fast wichtiger als gesunde Wadeln: Mit der serbischen Tennisspielerin Ana Ivanović hat Schweinsteiger seine Lebensliebe gefunden und zwei Söhne bekommen. Der Film sieht dem perfekten Paar auch dabei zu, wie es die Zelte in Chicago nach Schweinsteigers letztem Match für Chicago Fire 2019 abbricht.

"Schw31ns7eiger" ist abseits des Fokus auf seinen Titelhelden vor allem ein Dauerwerbespot für den deutschen Fußball geworden: Hier kommen alle zu Wort, von David Alaba über Jogi Löw, Oliver Kahn, Michael Ballack, Miro Klose bis zu Lukas Podolski - sie erklären den (deutschen) Fußball zum König. Und Uli Hoeneß verrät sogar, dass er das WM-Filnale 2014 im Häf’n gesehen hat, allein in der Zelle - und dass ihm die Tränen kamen, als sich Schweinsteiger im TV-Interview beim ihm bedankte. Schon wieder: Heulen.

Die Probleme, unter denen der deutsche Fußball heute leidet, spart man aus. Das Märchen von 2014 ist ausgeträumt, nach der Schmach von 2018 muss man sich erst neu erfinden. Auch das: zum Heulen. Aber man muss die Emotion zulassen, denn sie macht aus uns allen bessere Männer. Fußball ist der einzige Sport, bei dem sogar die härtesten Männer weinen dürfen. Ja, sollen! Das ist nämlich wichtig für die innere Balance.